Hintergrund / Geschichte
Henry A. Wallace: Der US-Vizepräsident, der lange gegen den Antikommunismus eintrat
Henry Agard Wallace, 33. Vizepräsident der USA, wurde am 7. Oktober 1888 geboren. Der charismatische und hoch gebildete Wallace stammte aus einer Farmerfamilie in Iowa. In seiner Amtszeit von 1941 bis 1945 war der damalige Demokrat der beliebteste Politiker der USA. Die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" zitiert Wallace in ihrer neuen Aufkleber- und Postkartenserie als eine Stimme gegen den Antikommunismus. Zu seinem 135. Geburtstag am 7. Oktober wollen wir das Leben des ungewöhnlichen US-Politikers vorstellen.
Nach seinem Abschluss an der Iowa State University im Jahr 1910 arbeitete er als Autor und Redakteur für die landwirtschaftliche Zeitschrift seiner Familie, "Wallaces' Farmer" und gründete ein erfolgreiches Unternehmen für Hybridmais. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1924 wandte sich Wallace von der Republikanischen Partei ab und unterstützte bei den Präsidentschaftswahlen 1932 den demokratischen Kandidaten Franklin D. Roosevelt. Roosevelt überwand den starken Widerstand konservativer Führer in der Demokratischen Partei und ließ Wallace auf dem Parteitag der Demokraten 1940 als Vizepräsident nominieren. Die Präsidentschaftswahlen von 1940 wurden von Roosevelt und Wallace gewonnen.
Am 8. Mai 1942 - auf den Tag genau 3 Jahre vor dem Sieg über den Hitlerfaschismus an der Westfront in Europa, hielt er seine heute noch bekannteste Rede, in der er sich gegen den US-amerikanischen Exzeptionalismus positionierte er den Begriff des "The Century of the Common Man" (Jahrhundert des einfachen Menschen), den er dem Begriff des "Amerikanischen Jahrhunderts" direkt gegenüberstellte und den Imperialismus angriff.
Aus der Rede vom 8. Mai 1942
"Einige haben vom "amerikanischen Jahrhundert" gesprochen. Ich sage, dass das Jahrhundert, in das wir eintreten - das Jahrhundert, das nach diesem Krieg entstehen wird - das Jahrhundert des einfachen Menschen sein kann und sein muss. ... Keine Nation wird das gottgegebene Recht haben, andere Nationen auszubeuten. Ältere Nationen werden das Privileg haben, jüngeren Nationen bei der Industrialisierung zu helfen, aber es darf weder militärischen noch wirtschaftlichen Imperialismus geben."
Unterstützer der Anti-Hitler-Koalition
Während des 2. Weltkriegs war Wallace ein überzeugter Unterstützer der Anti-Hitler-Koalition und besuchte die UdSSR 1944. Tief beeindruckt berichtete er in den USA von den fortschrittlichen Produktionsmethoden in der Landwirtschaft und der hohen Lebensqualität der Sowjetbürger, die er dort persönlich gesehen hatte.
Im Kampf, den er zwischen Demokratie und Faschismus sah, gab es für ihn keinen Zweifel, dass die UdSSR auf der Seite der Demokratie stand. Deswegen setzte er sich auch nach dem Krieg für eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ein.
1944 wurde die erneute Nominierung des extrem populären Wallace von rechten Politikern der Demokratischen Partei sabotiert. Seine Amtszeit als Vizepräsident endete am 20. Januar 1945. Nach dem Krieg wurde er Handelsminister. In dieser Zeit versuchte er durchzusetzen, dass Atomwaffen unter internationale Kontrolle gestellt werden müssen.
Widerstand gegen den Kalten Krieg
Wallace kritisierte den Präsidenten Anfang 1947 erneut scharf, nachdem Truman die Truman-Doktrin verkündet hatte, um "kommunistische Bedrohungen" in Griechenland und der Türkei abzuwehren. Zu diesem Zeitpunkt stand Wallace bereits den Progressive Citizens of America (PCA, "Fortschrittliche Bürger Amerikas") nahe, die Antikommunismus ablehnten und auch kommunistische Mitglieder aufnahmen. Wallace und die PCA wurden in der Folge vom FBI und dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe ausgespäht.
Die gezielte Zerstörung der Persönlichkeit Wallace
Ab den 1950'ern begann dann ein bedauernswerter Niedergang dieses bemerkenswerten amerikanischen Politikers. Seine Gegner zerlegten systematisch sein Ansehen in der Öffentlichkeit und trieben ihn in die politische und wohl auch menschliche Isolation. Idealistische Vorstellungen, die er zeitlebens hatte, wendeten sich in Enttäuschung und Verwirrung. Nach Jahren der Schikanen distanzierte sich Wallace von der UdSSR, bezeichnete sie sogar in einem Artikel mit dem Titel "Wo ich mich geirrt habe" 1952 als "vollständig böse".
Er starb am 18. November 1965 in Danbury, Connecticut. Die Haltung aber, die er während des 2. Weltkriegs und in den Anfangsjahren des Kalten Krieges zeigte, ist bis heute bemerkenswert.