Urlaubskorrespondenz
Gesellschaftliche Polarisierung auch in Berchtesgaden unübersehbar
Die politische Auseinandersetzung polarisiert. Das zeigt sich auch in Berchtesgaden, wo wir unseren Urlaub verbracht haben.
Uns fiel ein Plakat mit der Aufschrift „Rock gegen Rechts“ auf. Drei lokale Bands spielten dort kostenlos vor gut 200 Besuchern und riefen für Samstag zu einer Kundgebung im Ortszentrum auf.
In Gesprächen erfuhren wir: Mehrere Anlässe haben so manchen Einwohner aufgewühlt: Ein aktueller gewalttätiger Übergriff von Männern aus der rechten Szene auf einen Behinderten, zunehmender „Nazi-Tourismus“ auf den Obersalzberg mit sogenannten Hitler-Geburtstagsfeiern sowie die akute Rechtsentwicklung, insbesondere bei den Freien Wählern unter Aiwanger, und die zunehmende Bereitschaft der Unionsparteien zu Bündnissen mit der AfD.
Die Kundgebung mit offiziell 280 Teilnehmern war eine kleine Aktionseinheit, deren gemeinsamer Nenner die Losung „Nie wieder Faschismus“ war. Gleichzeitig verband alle Redner aber auch das Verständnis, „unsere Demokratie“ zu verteidigen, ohne sie als Diktatur der Monopole zu qualifizieren. Am eindrucksvollsten unter den Reden war das Grußwort des CSU-Bürgermeisters, der auf die unselige „dunkle Vergangenheit“ Berchtesgadens verwies und an die besondere Verantwortung erinnerte, faschistischen Tendenzen entgegenzutreten.
Wir hatten uns spontan bereit erklärt, als Touristen aus dem Ruhrgebiet ein Grußwort zu sprechen, was von den Anwesenden begrüßt wurde. Dazu kam es aus Zeitgründen nicht mehr. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit denen wir im Nachhinein sprachen, bedauerten dies sehr. Die Initiatoren wollen einen „Stammtisch gegen Rechts“ installieren.