Buchtipp

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„Die 40 Tage des Musa Dagh – 5000 Armenier kämpften 1915 gegen den Genozid durch die junge Türkei“

Angesichts der aktuellen Vertreibung von 120.000 Armeniern aus Bergkarabach durch die aserbeidschanische Regierung mit Unterstützung der faschistischen türkischen Regierung möchte ich auf ein hervorragendes Buch von Franz Werfel mit dem Titel „Die 40 Tage des Musa Dagh“ aufmerksam machen, das den organisierten Kampf von 5000 Armeniern im Jahre 1915 gegen den Völkermord an ihnen behandelt.

Von hodo

Am 27. Mai 1915 erließ die damalige jungtürkische Regierung das Deportationsgesetz: Alle Armenier in den anatolischen Gebieten sollten enteignet, getötet oder auf Todesmärsche in die Wüste geschickt werden. Innenminister Talaat Pascha unterzeichnete ein Dekret mit dem Satz: „Das Ziel der Deportationen ist das Nichts“. Insgesamt sollen zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Armenier ums Leben gekommen sein. Schätzungsweise 600.000 überlebten, die meisten von ihnen emigrierten.

 

Der Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, erschien 1933. Hier der Inhalt, natürlich nur kurz zusammengefasst, anhand des einleitenden Klappentextes, in dem es heißt

 

„Der Roman erzählt von den etwa 5000 Bewohnern aus sieben Dörfern an der syrischen Küste, die sich in den Jahren 1915 / 16 dem Vertreibungsbefehl der jungtürkischen Regierung in einem nahezu aussichtslosen Kampf widersetzen. Unter der Führung des Reserveoffiziers Gabriel Bagradian, eines Armeniers aus Paris, und des orhodoxen Oberhaupts der Gemeinden, Ter Haigasun, ziehen sich die Bauern, kleinen Handwerker und Kaufleute mit Frauen, Kindern, und einem Rest ihrer Habe aus ihren Dörfern in die Wälder und Schluchten des Küstengebietes zurück und verschanzen sich in der naturgegebenen Abwehrfestung des Musa Dagh, des Mosesberges. Vierzig Tage lang halten sie der Belagerung durch die türkische Polizei und türkisches Militär stand, bis im letzten Augenblick vom Meer her für viele von ihnen noch Rettung kommt: Französische Schiffe kämpfen den zu Tode Erschöpften den Weg frei zum Exodus nach Ägypten.“

 

Im faschistischen Deutschland wurde der Roman 1934 verboten, aber seine Verbreitung, zunächst in den USA, dann international, konnte nicht verhindert werden. Franz Werfels Roman ist ein unvergesslicher Beitrag gegen die Unterdrückung nationaler und religiöser Minderheiten und gegen das Vergessen und Leugnen des Völkermordes am armenischen Volk durch die junge Türkei.

 

Dieser Kampf der 5000 Menschen ist nicht ohne größte Entbehrungen und Auseinandersetzungen verlaufen. Aber er bringt wichtige Erfahrungen im selbstorganisierten, disziplinierten und bewaffneten Kampf, in der Unterordnung unter das Gemeinwohl im Befreiungskampf und im Vertrauen auf die eigene Kraft gegen die rassistische Vertreibungspolitik der jungtürkischen Regierung.

 

Das Buch hat 992 Seiten, kostet 9,95 Euro und ist über People to People erhältlich.