Kulturabend mit Gina Pietsch und Fabio Costa
Bericht sagt zu wenig darüber: Was hat sie gesungen, wie haben sie musiziert?
Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Veranstaltung mit Gina Pietsch, schreibt ein Leser an "Rote Fahne News". Der Bericht aber hat eine Schwäche. Er liest sich wie eine politische Erklärung zu den Ereignissen in Chile.
Hier der Bericht, auf den der Leserbrief sich bezieht.
Der Leserbrief weiter: "Er hätte aber von der Veranstaltung ein lebendiges Bild zeichnen müssen: Was hat Gina Pietsch gesungen, wie haben sie musiziert? Welche Aussagen hat sie gemacht? Gina bereitet ihre Programme immer sehr gründlich vor, indem sie Material dazu studiert. Bei ihrem Konzert in Berlin hat sie z.B. gesagt: 'Noch am Tag des Putsches hat der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chiles es abgelehnt, die Bauern und Soldaten zu bewaffnen.' Dass Gina Pietsch diese Einschätzung getroffen hat, ist bemerkenswert, nicht, dass der Schreiber das sowieso schon lange wusste."
Ein Korrespondent aus Solingen war auch der Meinung, dass der Chile-Abend am 9. September 2023 im hervorragend dafür geeigneten Kultursaal der Horster Mitte in Gelsenkirchen zum 50. Jahrestag des Militärputsches in Chile mehr brachte als politische Klarheit im Denken und sich der Bericht in Rote Fahne News etwas darauf reduziert. Er schrieb daher einen Nachtrag zu dem Chile-Abend mit Gina Pietsch und Fabio Costa:
Kunst, die bewegte!
„Wie soll Kunst die Menschen bewegen, wenn sie nicht selbst von den Schicksalen dieser Menschen bewegt wird?“ Ganz im Sinne dieser Brecht-Worte waren die Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch mit ihrem kongenialen Pianisten und Komponisten Fabio Costa bei dem Kulturabend erfüllt von der Liebe zum chilenischen Volk und seinem Kampf. Und konnten mit ihrer Kunst darum auch alle begeistern.
Ihre Kunst vermittelte in Einheit mit unmissverständlichen politischen Lehren auch große Gefühle der Liebe mit dem Kampf des chilenischen Volk, des Mitleidens mit seiner Niederlage, der leidenschaftlichen internationalistischen Solidarität und der selbstbewussten Siegeszuversicht aller Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Welt für eine befreite Welt von Kapitalismus und Imperialismus. Das war proletarische Kultur auf höchstem Niveau.
Die Künstler gestalteten eine vielschichtige Collage von Anekdoten, Deklamationen von Texten und Gedichten und Liedern als Höhepunkt. Auch wenn der Abend den vier 50. Todestagen von Pablo Neruda, Victor Jara, Salvador Allende und der Unidad Popular gewidmet war: Er verband das Beste aus der proletarischen Kultur Chiles vortrefflich mit herausragenden fortschrittlichen Liedern und Gedichten von Künstlern aus Deutschland (Brecht, Eisler ...), Griechenland (Theodorakis), Nicaragua, Peru, Spanien. Schlichte traditionelle Volkslieder wurden mit der gleichen Leidenschaft und angemessenen musikalischen Gestaltung dargeboten wie kämpferische und revolutionäre Lieder. Neben den meist männlichen internationalen Künstlern wurden auch fortschrittliche Künstlerinnen geehrt – wie die berühmte chilenische Volkssängerin Violeta Parra.
Gina Pietsch beeindruckte mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik bei der Deklamation ihrer Texte. Aber auch mit authentischen Berichten über ihre Erfahrungen mit chilenischen Musikern. Am meisten faszinierte sie aber mit ihrer äußerst facettenreichen Stimme: mal zart und liebevoll wie beim chilenischen Weihnachtslied „Tanz des Engelchens“, mal selbstbewusst und kämpferisch wie bei „Hasta siempre Commandante“ oder dem „Solidaritätslied“, mal zornig oder rotzig mit bewusst eingesetztem Rauch auf den Stimmbändern – und auch voller revolutionärer Leidenschaft, als sie nach der letzten Zeile aus Brechts „Resolution der Kommunarden“ wütend die Lippen schürzte und die Fäuste ballte: „In Erwägung, ihr hört auf Kanonen, and're Sprachen könnt ihr nicht versteh'n, müssen wir dann eben, ja das wird sich lohnen, die Kanonen auf euch dreh'n!“
Der Pianist und Komponist Fabio Costa begleitete Pietsch kongenial: leidenschaftlich, souverän, stilistisch vielseitig je nach Lied, oft mit passenden eigenen Kompositionen oder auch Erweiterung von bekannten Eisler-Sätzen durch differenzierte Rhythmen, Arpeggien* oder Harmonien. Ein gelungener Kulturabend ganz im Sinne von Lenins Worten zu Clara Zetkin: „Die Kunst gehört dem Volke. Sie muss ihre tiefsten Wurzeln in den breiten schaffenden Massen haben. Sie muss von diesen verstanden und geliebt werden. Sie muss sie in ihrem Fühlen, Denken und Wollen verbinden und emporheben.“ [1]