Zur aktuellen Situation nach dem Erdbeben
Zuschrift zum Interview mit Abu Tareq aus Marokko
Der Genosse Abu Tareq schildert die dramatische Lage der Menschen in Marokko eindringlich, danke! Meine besondere Anteilnahme gilt den Angehörigen und Kampfgefährten der Genossen, die gestorben sind. Abu Tareq schildert auch die Solidaritätsarbeit ihrer Genossen im Land, die sehr wichtig ist.
Aber das Interview fordert auch zum Widerspruch heraus.
Natürlich muss man nicht jede Art von Hilfe annehmen aus imperialistischen Ländern. Und die Koordination internationaler Hilfe ist immer eine besondere Herausforderung. Aber Hilfe nur von solchen fünf Staaten anzunehmen, mit denen der autokratische Diktator Mohamed VI. besonders gute Beziehungen hat, ist etwas anderes. Spanien, Saudi-Arabien, Katar, Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate zeichnet aus, dass sie (mittlerweile) die völkerrechtswidrige faktische Annexion der Westsahara durch Marokko unterstützen. Dass Frankreich mit dem reaktionären Regime in Algerien zusammenarbeitet und eine besondere Rolle in der neokoloialen Ausplüunderung dieser Länder spielt, muss man angreifen. Aber dadurch wird das marokokkanische Regime um keinen Deut besser. Aus Spanien wurden u.a. Spezialeinheiten des Militärs geschickt, während es aus anderen Ländern Hilfsangebote humanitärer Organisationen gab. Bei geschätzt 300.000 vom Erbeben unmittelbar betroffenen Menschen kann ich das Verhalten der Regierung nicht gutheißen.
Vollends unverständlich wird die Aussage zu Spendenmöglichkeiten, wo der Genosse als erstes auf ein Konto der Regierung verweist und kein Wort über die Spendenaktion der United Front verliert. Das Interview macht Differenzen zur Polisario deutlich. Darüber muss man sicherlich diskutieren, wobei ich hier nur darauf hinweisen will, dass die Polisario völkerrechtlich eine in verschiedener Hinsicht anerkannte Vertretung der sahrauischen Bevölkerung. Ob eine Lostrennung von Marokko zweckmäßig ist, auch darüber kann man dieskutieren. Das Recht dazu steht dem sahrauischen Volk in jedem Fall zu.
Vor allem: All das kann ja wohl kein Grund sein, die internationale Solidarität ausgehend von der United Front faktisch auszuschlagen, zumal die Polisario noch nicht einmal Empfänger der Spenden ist.
Konto von Solidarität international IBAN DE 86 5019 0000 6100 8005 84 Frankfurter Volksbank, Stichwort "United Front/Hilfe für Erdbebenopfer Marokko".
Diese Spendensammlung wurde von der United Front initiiert und wird mitgetragen von Solidarität international, internationaler Bergarbeiterkoordinierung, Gruppen des überparteilichen Frauenverbands Courage, MLPD und anderen.