Im Lausitzer Tagebau
Warnstreik der Bergleute in der Oberlausitz
Am Freitag, dem 1. September, legten beim Braunkohletagebau und den Kohlekraftwerken in der Oberlausitz 2000 Bergleute der Energiefirma LEAG für einen Warnstreik die Arbeit nieder. Sie kämpften damit für die Forderungen der Gewerkschaft IGBCE (IG Bergbau, Chemie und Energie) in der derzeitigen Tarifrunde.
Diese fordert für die 7200 Beschäftigten eine tabellenwirksame Lohnerhöhung von 12 %, mindestens 400 Euro sowie eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütung. LEAG bietet bisher nur einen einmaligen „Inflationsausgleich“ von 1.500 sowie eine Einmalzahlung von 8.500 Euro an. Dies wird von den Kolleginnen und Kollegen völlig zu Recht zurückgewiesen. Ohne dauerhafte deutliche Lohnerhöhungen verpuffen solche Einmalzahlungen bei der heutigen Inflation sofort wieder, kritisieren sie.
Am Streik beteiligten sich Kolleginnen und Kollegen der Tagebaue Nochten und Reichwalde sowie der Kraftwerke Boxberg und Schwarze Pumpe. Da passt es gut, dass einige Tage vorher Unterstützer der 3. Internationalen Bergarbeiterkonferenz in Thüringen dort mit Einladungsflyern und der Bergarbeiterzeitung „Vortrieb“ mit den Bergleuten diskutiert hatten.
Die Firma LEAG, Tochter eines tschechischen Energiekonzerns hatte die Bergbau- und Kraftwerksbetriebe erst 2016 von Vattenfall gekauft. Sie besitzt einen mehr als zweifelhaften Ruf. Da der Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossene Sache ist, präsentiert sie sich auf ihrer Website als „zukunftsfähige“ ökologische Firma, die reihenweise „grüne“ Projekte wie Windparks und Photovoltaik-Parks angehen will. Gleichzeitig plant sie, das Dorf Mühlrose für die Erweiterung des Tagebaus Nochten platt zu machen. Wie uns die dort noch wohnenden Bewohner berichten, wandte sie dafür besonders perfide Methoden an. So hatte sie zeitweise ein Kohleverladungswerk direkt an den Dorfrand gestellt. Dieses erzeugte so viel Lärm und Schmutz, dass die Bewohner kaum noch schlafen oder spazieren gehen konnten. Dadurch zogen viele Bewohner freiwillig in die neue Siedlung „Neu-Mühlrose“. Dabei wird laut einhelliger Expertenaussage die Kohle unter Mühlrose gar nicht mehr gebraucht. LEAG hatte mithilfe der ihr hörigen Landesregierung bereits einen Umsiedlungsvertrag abgeschlossen, obwohl sie noch gar keine Kohleabbaugenehmigung dafür hat.
Das zeigt, dass es hier nicht nur um ökonomische Forderungen, sondern um die Zukunft der Region Oberlausitz und der Umwelt geht.
Siehe auch: Bergarbeiter solidarisch mit streikenden LEAG-Beschäftigten