1. September

1. September

Antikriegstag in Witten – eine Nachlese

Um die Einheit im Friedenskampf muss weiter intensiv gerungen werden. Schließlich geht es um nichts Geringeres, als gegen die Vorbereitung eines Dritten Weltkrieges aktiv zu werden. Wie bei den ersten beiden Weltkriegen ist auch heute die hemmungslose Jagd nach Profiten im weltweiten imperialistischen Konkurrenzkampf die Hauptursache.

Korrespondenz

Davon war auf der Kundgebung des DGB am 31. August am Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges leider nichts zu hören. Vom Grußwort des Oberbürgermeisters über das einer Vertreterin der Städtepartnerschaften und eines Vertreters der christlichen Kirchen bis hin zu dem einer Rednerin des DGB wurden der Krieg und seine Gräuel abgelehnt. Aber nur der Beitrag des Friedensforums nahm kritisch Stellung zur Eskalationsstrategie von NATO und Russland. Dieser Redebeitrag war gar nicht vorgesehen, obwohl das Friedensforum Mitveranstalter und vor Jahren sogar Initiator des öffentlichen Auftretens zum Antikriegstag war.

 

Die Rednerin der Gewerkschaft, stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks NRW, forderte dagegen eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr, und zwar entgegen der Position des örtlichen DGB. Denn der hatte die Aufrüstung mit 100 Milliarden Euro bisher immer abgelehnt. Dieser Widerspruch konnte aber nicht weiter diskutiert werden, weil es kein offenes Mikrofon gab. So blieb es bei stiller Empörung und Kopfschütteln vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

 

Diese fehlende Möglichkeit zur sachlichen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten gab letztlich auch den Ausschlag dafür, dass das überparteiliche Kommunalwahlbündnis AUF Witten und das Internationalistische Bündnis Ennepe-Ruhr zu einer eigenen Kundgebung aufgerufen hatten. Angesichts der in der Friedensbewegung und in der Bevölkerung verbreiteten Verwirrung über den Charakter des Krieges in der Ukraine, über die Rolle der beteiligten Kriegsparteien und über die Friedensdemagogie der AfD ist es notwendig, dass sich die Friedensbewegung mit der Situation in der Ukraine auseinandersetzt.

 

Dazu ist eine öffentliche Auseinandersetzung auf antifaschistischer Grundlage am besten geeignet.

 

In diesem Sinne fand die Kundgebung am 2. September mit knapp 20 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern statt, die von der MLPD, dem Jugendverband REBELL und der Montagsdemo unterstützt wurde. Es gab auch einen Redebeitrag des Frauenverbandes Courage. Einige Aktive aus Witten und Hattingen fehlten diesmal, weil sie an der zeitgleich stattfindenden 3. Internationalen Bergarbeiterkonferenz in Thüringen teilnahmen.

 

Viele Passanten blieben interessiert stehen, denn die Beiträge am offenen Mikrofon trafen offensichtlich ins Schwarze. Gleich zu Beginn wurde mit dem gemeinsamen Singen des Moorsoldatenliedes der antifaschistische Charakter der Kundgebung unterstrichen. Auch in den dunkelsten Tagen geben die Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf.

 

An mehreren Beispielen wurde deutlich, wie die AfD die verbreitete Ablehnung des Ukraine-Krieges aufgreift, um in Wahrheit dem Faschismus in Deutschland den Weg zu bereiten. So wirft sie sich dem Faschisten Putin für billiges Gas an den Hals. Davon profitiert nicht nur die AfD. Auch deutschen Konzernen mit hohem Energieverbrauch winken Extraprofite. Der Faschismus hat in der Vergangenheit am brutalsten und konsequentesten die Interessen des Finanzkapitals verfolgt. Dafür wurden Millionen Menschen geopfert. Die völkischen Positionen der AfD sollten uns wachsam machen. In ihrem Programm stehen die Profitinteressen des Kapitals an erster Stelle, wie man unschwer an ihrer Leugnung der begonnenen globalen Umweltkatastrophe erkennen kann. Den industriellen Umweltzerstörern wird ein Freibrief ausgestellt, ihre mutwillige Zerstörung der natürlichen Umwelt ungerührt fortzusetzen.

 

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie ernst die Gefahr des Ausbruchs eines Dritten Weltkrieges ist. Beide Seiten eskalieren ständig mit immer mehr und immer moderneren Waffen. Letztlich bereiten sich alle imperialistischen Staaten, von Russland über China bis zu den USA, darauf vor.

 

Auch die Umweltzerstörung durch den Militarismus wurde thematisiert - und welchen Anteil der Militarismus daran hat. Schon in Friedenszeiten, erst recht, wenn ganze Landstriche mit Waffengewalt dem Erdboden gleichgemacht werden.

 

Auch die Abwälzung der Lasten von Militarisierung und Krieg auf die breiten Massen wurde ausführlich kritisiert. Das reicht von der lächerlich anmutenden Kindergrundsicherung über das unzureichende Bürgergeld bis hin zu den schmalen Renten.

 

Kulturell umrahmt wurde die Kundgebung mit einer Lesung aus Bertolt Brechts „Svenborger Gedichten“, die vor allem den verlogenen imperialistischen Pazifismus und seine psychologische Kriegsvorbereitung angreifen. Die Kundgebung endete mit dem Lied „Der Prolet wird in den Krieg geschickt, damit er tapfer und selbstlos kämpft - warum und für wen wird ihm nicht verraten, für sich selbst, für sich selbst ist es nicht!“, ebenfalls von Bertolt Brecht und mit einer Melodie von Hanns Eisler.