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Windkraft-Ausbau: Wem nützt die Hetze im „Blauen Mut“ der AfD?

In der Ausgabe Nr. 2/2023 des „Blauen Mut“, der Zeitung der faschistisch geführten Landtagsfraktion der Thüringer AfD, wird gegen den Ausbau von Windkraft gehetzt. Der Artikel mit der Überschrift „Grüner Sondermüll“ beginnt so: „Besonders 'grün' und 'sauber' soll sie sein: Die Energieerzeugung durch Windkraftanlagen. Doch mit der notwendigen Entsorgung dieser Anlagen und unter Umständen deren Austausch gegen größere Modelle platzt gerade auch diese ideologische Blase“.

Von dkl und Landesleitung Thüringen der MLPD
Windkraft-Ausbau: Wem nützt die Hetze im „Blauen Mut“ der AfD?
Foto: Free-Photos / Pixabay / Pixabay-License

In typischer AfD-Manier werden einzelne konkret korrekte Fakten derart verdreht, dass man am Ende denken soll: „Bleiben wir doch besser beim unideologischen sauberen Kohle- und Atomstrom“.

 

Fakt ist: Wind, Sonne, Wasser und andere erneuerbare Energien sind auf der Erde im Überfluss vorhanden. Mit einem sinnvollen Mix an den jeweils geeignetesten Stellen wäre eine Versorgung zu 100 % regenerativer Energie in kurzer Zeit möglich. Seit vielen Jahren fordern die MLPD und Umweltorganisationen wie zum Beispiel die Umweltgewerkschaft eine entsprechende Umstellung auf Nutzung aller dieser Energie-Quellen. Doch statt diesen Ausbau voranzutreiben, werden die Pläne durch die Bundesregierung immer wieder eingeschränkt und wird eine finanzielle Förderung zurückgefahren.

 

Gleichzeitig ist die Art und Weise, wie die kapitalistische Windkraft-Industrie arbeitet, selbstverständlich alles andere als „grün und sauber“ – ihr geht es nicht um ressourcenschonende Nutzbarmachung der Windenergie. Weder Produktion noch Aufstellungs-Orte verfahren nach der Leitlinie der Einheit von Mensch und Natur, sondern einzig und allein nach Maximalprofit: Immer höhere Masten, immer näher an Wohngebiete, usw. Der AfD geht es aber nicht um eine schöpferische Kritik daran, sondern sie befindet sich in vorderster Reihe der Windkraft-Bremser und schürt unsinnige Ängste.

Was wird zum Bau eines Windrads gebraucht, rechnet sich das?

Die AfD moniert: „Mindestens ebenso problematisch ist die Gewinnung von Neodym, das zunehmend in modernen Generatoren verbaut wird.“ Wahrscheinlich fordert die AfD in der nächsten Ausgabe des Blauen Muts dann auch das Verbot von Smartphones, Fernsehern, Computern, CD-Playern, Lautsprecherboxen, Digitalkameras – alles Produkte, in denen ebenfalls Neodym verbaut ist. Außerdem entfallen auf die europäische Windkraftindustrie gerade einmal ca. 1 % des weltweiten Neodym-Bedarfs. [1]

 

Bereits 2016 wurde eine Studie im Bundestag vorgelegt: Die Autoren kommen zu dem Resultat, dass erneuerbare Energietechnologien in allen betrachteten Wirkungskategorien erheblich geringere verunreinigende Umweltauswirkungen pro Erzeugungseinheit aufweisen als Kohlekraftwerke auf dem neuesten Stand der Technik. Diese Möglichkeiten sind seither weiterentwickelt worden. Statt dafür alles einzusetzen, fordert die AfD aber den Erhalt von Atomkraft oder Ausbau von Kohlekraftwerken. So ist es also wirklich um ihre Umweltbesorgnis bestellt.

Wie steht es mit dem Recycling der Windräder?

Die AfD entwirft ein Drohszenario, als hätte sie plötzlich den Schutz der Rohstoffe und der indigenen Völker entdeckt. Nadine Hoffmann behauptet: „Die Rotoren etwa lassen sich wegen der darin verbauten Verbundstoffe nicht recyceln, entsprechende Recyclingsysteme existieren nicht“. Dabei übersieht sie geflissentlich, dass mittlerweile 90 Prozent der Komponenten eines Windrads sich heute schon in bestehende Recyclingkreisläufe zurückführen lassen. Darunter die metallhaltigen Anlagenteile, die gesamte Elektrik sowie die Fundamente und der Turm, der in der Regel aus Stahl-, Kupfer-, Aluminium- und Beton besteht. Stahl und Kupfer wird als Rohmaterial verkauft. Beton und Fundamentteile finden im Straßenbau Verwendung. Auch Verfahren zum Recycling und zur Verwertung von Rotorblättern wurden entwickelt. Man kann die Verbundstoffe trennen und sofort wieder verwenden. Weitere Forschungen gibt es für Rotorblätter zum Beispiel aus Hanffasern! Was wäre alles möglich und rechtzeitig erforschbar, wenn darauf die Kräfte der Menschheit verwendet werden würden.

 

Eigentlich gibt es keinen Abfall auf diesem Planeten, sondern alle Stoffe können in einer echten Kreislaufwirtschaft wieder verwendet werden. Genauso ist ein sorgsamer Abbau von Rohstoffen und sorgfältiger Umgang mit allen Materialien notwendig. Dass die kapitalistische Denkweise sich dafür erst interessiert, wenn daraus wieder Profit erzielbar ist, wird von der MLPD seit langem kritisiert. Sie propagiert den Sozialismus als positive Alternative. Im Sozialismus würde dieser Gedanke von Anfang an Leitlinie der Produktion werden. Es würde Gesetze geben, dass jeder Betrieb verpflichtet ist, sich um eine restlose Verwertung aller Produktionsabfälle und Nebenprodukte zu kümmern mit dem Ergebnis der ständigen Höherentwicklung der Einheit von Mensch und Natur.

Wie steht es mit Windkraft und Wald?

Ein Windrad braucht eine bestimmte freie Fläche und Abstand zu Bäumen, das ist unstrittig. Es braucht eine Anhöhe und günstige Windausrichtung. Ein Windrad mitten in einen Wald zu bauen, macht tatsächlich keinen Sinn. Das fordert allerdings auch niemand. Es ist ein Unsinn, der von der AfD verbreitet wird, um Stimmung gegen ökologisch sinnvolle Maßnahmen zu machen. Aktuell werden tausende Bäumen gefällt, da sie durch die begonnene Klimakatastrophe, durch Trockenheit, Hitze und in Folge Borkenkäferbefall abgestorben sind. Angesichts der entstandenen vielen freien Flächen darüber nachzudenken, ob ein Standort für einen Aufbau von Windrädern geeignet ist, wäre durchaus sinnvoll. Wenn dies der kommunalen Stromversorgung nützt, ihre Selbstversorgung fördert - warum nicht?

 

Es gibt genug Flächen, die trotzdem gezielt mit Wald wieder aufgeforstet werden können und müssen - aber eben auch Flächen, wo eine Wiederaufforstung nach aktuellem Kenntnisstand schwierig oder nicht möglich ist und die Prüfung einer Nutzungsänderung sinnvoll ist. Hieraus einen Gegensatz zu machen und Ängste zu schüren ist völlig kurzsichtig und nutzt weder den Menschen, noch der Umwelt.

 

Wem nützt also das Schüren der Ängste gegen Windkraft? Offensichtlich den Betreibern von Kohle- und Gaskraftwerken, um weiterhin deren Profite zu sichern. In einer Gesellschaft, die nicht den Profit an erste Stelle setzt, sondern die Einheit von Mensch und Natur, da wären die Überlegungen zum sinnvollen Ausbau erneuerbarer Energien doch an der erster Stelle und würden beschleunigt umgesetzt.

 

In Wahrheit hat die AfD mit Recycling und Umweltschutz nichts am Hut. Was wird denn "recycelt", wenn in Kolumbien geförderte Blutkohle in Deutschland verbrannt wird? Unter welchen unmenschlichen Bedingungen arbeiten die Bergleute dort? Welche gewaltigen Zerstörungen der Natur richtet der Tagebau dort an? Eine Politik der vebrannten Erde - darauf läuft es hinaus, was die AfD mit ihrer Hetze im "Blauen Mut" vertritt. Keinen Fußbreit diesen Demagogen und Wegbereitern des Faschismus!

 

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