Im Einsatz für die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz

Im Einsatz für die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz

Unterwegs in Sünna und Räsa im schönen Thüringen

Zwei Tage lang gingen wir in den beiden Bergarbeiterdörfern Sünna und Räsa von Haus zu Haus und luden zur 3. Internationalen Bergarbeiterkonferenz (IMC) ein. „Guten Tag, wir sind von der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF und der MLPD und laden Sie herzlich ein.“ Wir stießen auf große Aufgeschlossenheit und zum Teil richtige Freude darüber, dass der festliche Empfang der Bergarbeiter aus aller Welt im schönen Kulturhaus in Dorndorf stattfinden wird.

Von ew
Unterwegs in Sünna und Räsa im schönen Thüringen
K+S-Schacht in Unterbreizbach

„Ihr macht richtig gut Werbung!“, meinte ein Kumpel von Kali & Salz, der die Einladung schon vor der Zeche erhalten hatte. „Im Betrieb sprechen wir schon drüber.“ Ein junger Kumpel spendete zehn Euro und bedauerte sehr, dass er wegen aktueller Zehn-Stunden-Schichten wohl nicht kommen kann. Der Grundgedanke, dass die Bergarbeiter ihre Kämpfe weltweit koordinieren und sich eng zusammenschließen müssen, um eine überlegene Kraft gegen die internationalen Monopole zu werden, die die Arbeiter und die Natur bis zur Zerstörung ausbeuten, einen neuen Weltkrieg vorbereiten, stößt auf kopfnickende Zustimmung und Nachdenklichkeit.

 

Wir gehen sofort in die Polarisierung und sagen: „Die MLPD unterstützt diesen Weg, weil wir den Kapitalismus revolutionär überwinden müssen und weil auf der ganzen Welt der echte Sozialismus aufgebaut werden muss - deshalb bekämpfen wir auch die AfD!“ Das finden einige richtig gut und freuen sich, dass der AfD Paroli geboten wird.

 

Wir stoßen aber auch auf etliche, die die AfD erstmal gut finden. Da stimmt die Frau vor dem Tegut-Einkaufsmarkt uns erstmal zu, dass wir eine grundsätzliche Alternative mit dem Sozialismus brauchen, um im nächsten Satz die AfD zu verteidigen, weil sie die einzige Partei sei, die "unsere Wirtschaft" voranbringen könne. Wir polemisieren: „Was soll ‚unsere Wirtschaft‘ denn sein? Die AfD verteidigt den Kapitalismus und der gründet sich auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitalistenklasse - und das weltweit. Wo haben Sie je eine Kritik der AfD zum Beispiel gegen die Milliardensubventionen für Monopole wie Intel gehört? Die AfD lehnt ja sogar die Vermögensbesteuerung ab!“. Die Frau beginnt nachzudenken, nimmt unsere AfD-Broschüre, bedankt sich und überlegt, nach Dorndorf zu kommen.

 

Wir treffen auf einen Pfarrer, der voll für die AfD eintritt, empört ist über die Regierungspolitik, antikommunistisch hetzt, der Sozialismus sei überall gescheitert und hätte nur Armut für die Menschen gebracht. Wir attackieren seine Positionen und schaffen es, ihn ins Nachdenken zu bringen - unter anderem mit dem Argument, wie er als Pfarrer eine Partei vertreten kann, die die offen faschistische Forderung nach „mehr Pushbacks“ auf ihrem letzten Parteitag verbreitet und damit faktisch zum Mord, zum Ertrinkenlassen der Flüchtlinge im Mittelmeer aufruft. Oder, ob er sich wirklich auf das Bildzeitungs-Niveau herablassen will, wo verbreitet wird, dass Mao Tsetung sich zum Frühstück Jungfrauen bringen ließ. Tatsächlich wurden im sozialistischen China damals  das Analphabetentum wie der Hunger erfolgreich beseitigt – im Gegensatz zum heutigen China. Nach erregter Debatte fordern wir ihn auf, sich mit der Rote Fahne-Ausgabe „Sozialismus contra AfD“ auseinanderzusetzen. Mit dem Kommentar, dass er unsere Position nicht teilt, aber sich mit unseren Argumenten befassen wird, kauft er schließlich das Magazin und spendet.

 

Wir stoßen auf Leute, die von den Streitereien in der Linkspartei enttäuscht sind, uns zustimmen, dass die Linkspartei keine revolutionäre Partei ist und die sich für die MLPD interessieren. Eine Frau meint nach unserer Vorstellung, dass sie auch für einen „gesunden Sozialismus“ ist und über die Entwicklung in der DDR nachdenkt.

 

Über die Wiedervereinigung und die demokratische Volksbewegung freuen wir uns, könnten wir uns doch sonst hier gar nicht so unterhalten. Sie stimmt zu, dass es damals keine „Revolution“ war, weil sich hier nur zwei unterschiedliche Formen von kapitalistischen Staaten vereinigt haben. Sie kauft interessiert das Rote Fahne-Magazin zum Sozialismus und spendet. Uns haben diese beiden Tage – bei schweißtreibenden Temperaturen von über 35 Grad – viel Spaß gemacht und wir lernten, dass es sehr wichtig ist, genau zuzuhören und nachzufragen, um den Kampf um die Denkweise immer passgenau zu führen. Jetzt sind wir gespannt, wen wir am 31. August in Dorndorf wiedersehen. Glück auf!

 

 

 

 

 

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