Eindrucksvoller Bericht in WDR-„Zeitzeichen“

Eindrucksvoller Bericht in WDR-„Zeitzeichen“

Heute vor 90 Jahren Uraufführung von „Die Moorsoldaten“

„Das Lied entstand als bewusster Protestsong der Widerstandskämpfer gegen die Unterdrücker, um unsere höhere Moral gegenüber der Bestialität der SS öffentlich zu demonstrieren.“ Mit dieser Originalaussage des Moorsoldaten-Komponisten Rudi Goguel beginnt die informative "WDR"-Sendung „Zeitzeichen“ vom 27. August über das Lied der Moorsoldaten.

Von cg
Heute vor 90 Jahren Uraufführung von „Die Moorsoldaten“
Erinnerungstafel im ehemaligen KZ Börgermoor, Im Eichengrund in Surwold (Foto: Frank Vincentz, Wikimedia Commons)

Mit dieser Originalaussage des Moorsoldaten-Komponisten Rudi Goguel beginnt die informative WDR-Sendung Zeitzeichen vom 27. August über das Lied der Moorsoldaten. Es wurde am 27. August 1933 im KZ-Börgermoor von 16 Arbeitersängern eines Solinger Arbeiterchors uraufgeführt. Die Textzeilen schrieb der Bergmann Johann Esser, den Refrain der kommunistische Schauspieler Wolfgang Langhoff. In seinem berühmten Buch „Die Moorsoldaten“ berichtet er auch über die große Bedeutung der Kulturarbeit für die Kampfmoral der Gefangenen: „Wir wären auch alle wahrscheinlich sehr verzweifelt und hätten nur noch die Köpfe hängen lassen, wenn es nicht unter uns Kameraden gegeben hätte, die trotz dieser Unterdrückung gesagt hätten: ‚Kopf hoch, wir müssen zusammenstehen, wir müssen überleben!'“

 

Das Buch von Wolfgang Langhoff wird vom Verlag Neuer Weg verlegt

 

Im WDR-Bericht heißt es weiter: „Die Häftlinge gründeten eine geheime Lagerleitung, die im Untergrund Widerstand organisiert. Vor allem die Kultur wird zum Überlebensmittelpunkt: An den Sonntagen gibt es in den Baracken Lesungen und Rezitationen. ... Die Gefangenen schnitzen Figuren aus Mooreiche, basteln Instrumente oder singen ihre Lieder.“ Dr. Sebastian Weitkamp, einer der Leiter der KZ-Gedenkstätte Esterwegen,  wird zitiert: „Vor allem muss man dazu sagen, dass vor allem Lieder und Gesang in den Lagern in unterschiedlicher Weise besonders präsent waren. … Gesang konnte natürlich auch die Selbstidentität der Häftlinge stärken.“

 

So entstand der „Zirkus Konzentrazani“ mit dem abschließenden Lied „Die Moorsoldaten“ als bewusste Antwort auf die faschistische Terror-„Nacht der langen Latten“. WDR: „Die heimliche Lagerleitung beschließt daraufhin einen Varieténachmittag, um die moralische Überlegenheit der Häftlinge zu demonstrieren und den Widerstandswillen zu stärken.“ Das gelang in beeindruckender Weise. Über die Wirkung des Liedes sagt die Sendung: „Die Häftlinge sind zunächst wie erstarrt. Manche brechen in Tränen aus. Doch bald schon stimmen alle ein und am Ende singen auch die SS Leute mit, die sich wohl ebenfalls als Moorsoldaten fühlen. ... Das Lied wird schnell zum Hit des Lagers.“

 

Auch der Zeitzeuge Willi Dickhut, der in dieser Zeit im KZ Börgermoor in „Schutzhaft“ war und ein Vorwort zu Langhoffs Roman schrieb, betonte in der Auseinandersetzung über das Leben in den KZs die große Bedeutung der Bewusstseinsbildung und darin auch der Kultur für die Kampfmoral. Er empörte sich über bürgerliche Darstellungen, die die Gefangenen nur als willenlose entmutigte Opfer von Folter und Terror darstellten. Man kann und muss unter allen Bedingungen kämpfen! Das ist seine Lehre daraus. Auch für heute.

 

So war's damals...

563 Seiten

14 €

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Teil 2: Das geschah danach

In "So war's damals" berichtet Willi Dickhut über seine Erfahrungen im KZ Börgermoor

 

Das Lied „Die Moorsoldaten“ ist für diese Kampfmoral ein inzwischen weltberühmtes Symbol. Und zwar in Einheit von Inhalt und Form: Eindrucksvoll beweist dieses Lied die Wirkung der künstlerischen Form proletarischer Chormusik:  Das gemeinsame Singen und Mitsingen Hunderter oder gar Tausender kann große Gefühle der Kampfmoral, der Solidarität und der Siegeszuversicht stärken. Gemeinsames Singen wird so zu einem wichtigen Element der Herausbildung und Stärkung des proletarischen Klassenbewusstseins.

 

In neuer Form können Teilnehmerinnen und Teilnehmer das in den kommenden zwei Wochen bei der 3. Internationalen Bergarbeiterkonferenz, der Gedenkfeier am 4. September in Buchenwald und  beim 1. Weltkongress der United Front erleben. Denn dort wird erstmals ein „Gemischter Chor“ aus ganz Deutschland und vielen internationalen Sängerinnen und Sängern auftreten – und natürlich auch das Moorsoldaten-Lied singen. Weitere Sangesfreudige sind dort erwünscht. Auch der Ruhrchor freut sich über weitere Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten (Kontakt: Günter Fesel: guenter.fesel@t-online.de)

 

Hier der WDR-Podcast über die Uraufführung des Moorsoldaten-Liedes