Leipzig: Neues von Jule Nagel & Co

Leipzig: Neues von Jule Nagel & Co

Demos kapern, Fahnen verbieten und Gesinnung prüfen

Am 21. August veröffentlichte die Internet-Plattform „Linxxnet“ eine bahnbrechende, beispiellos investigative Enthüllungsstory. „Linxxnet“, um die Leipziger Linksparteiabgeordnete Juliane Nagel (MdL), hat herausgefunden: der Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in SI und die MLPD sind befreundet.

Von jw

Was alle ohnehin wissen oder man durch Nachfrage bei einer der beiden gut zusammenarbeitenden Organisationen erfahren kann, wird hier von den Linxxnet-Machern in bester Spiegel- oder Bild-Manier reißerisch aufbereitet.

 

Linxxnet konnte sich dabei gravierende Fehler der Betroffenen zunutze machen. So haben sie entdeckt, dass der Freundeskreis auch an der Großveranstaltung zum 40. Geburtstag der MLPD teilgenommen hat (wie zig andere Organisationen). Wie konnte das nur passieren? Wo man doch diese Beziehung tunlichst verborgen halten wollte.

 

Hinzu kommen weitere Beweise, wie Fotos, die Demonstrationen zeigen, auf denen Fahnen und Transparente beider Organisationen zu sehen sind. Für Nagel & Co ist das der End-Beweis dafür, dass es sich beim Freundeskreis um eine „Subgliederung“ der MLPD handelt. Denn eine irgendwie gleichberechtigte Zusammenarbeit können sich diese Leute wirklich nicht vorstellen. Allein die Zusammenarbeit mit der MLPD ist ihnen der Beleg dafür, dass der Freundeskreis nur den „Anschein einer ehrenamtlichen Initiative“ erweckt. Wahrscheinlich ist Linxxnet ehrenamtliche, selbstlose Initiative fremd oder zumindest suspekt. Tatsächlich ist nicht nur im Freundeskreis, sondern auch in der MLPD die Arbeit weitgehend ehrenamtlich.

 

Man merkt die Ironie: Der skandalisierte Enthüllungsgehalt der Linxxnet-Story ist dünner als Wassersuppe. Tatsächlich offenbart der Artikel eindrücklich die Methoden der Linxxnet-Combo und das macht ihn - wider Willen - doch sehr spannend:

 

1. Andere Demos kapern ist für Linxxnet nicht nur in Ordnung. Man brüstet sich sogar damit, dass dies am 27. Mai gemeinsam mit dem sächsischen Flüchtlingsrat erfolgreich gelungen sei. Das sind die gleichen Leute, die hysterisch werden, wenn bei einer von ihnen angemeldeten Demo ein Mensch mit einer 40 x 80 cm großen MLPD-Fahne auftaucht, und die dann von „Vereinnahmung“ phantasieren.

 

2. Fahnen verbieten: Normalerweise wird aus dieser Ecke immer ein sogenannter, geradezu heiliger „Demo-Konsens“ ins Feld geführt, um das demokratische Recht, Fahnen zu Demos mitzubringen, zu attackieren. In ihrem Artikel sprechen sie endlich Klartext und jammern darüber, dass die MLPD „das Verbot von Parteifahnen nicht respektiert“. Stimmt, solche faschistoiden, repressiven Maßnahmen lehnt die MLPD ab – und da ist es auch egal, ob es Victor Orban ist oder Jule Nagel, die kommunistische Fahnen verbieten wollen. Es kann ja sein, dass Jule Nagel ihre Parteifahne peinlich ist. Dann soll sie sie doch zuhause lassen, aber nicht anderen das Tragen von Fahnen verbieten.

 

3. Politische Zensur von Flüchtlingen. In bester Seehofer-Manier betreibt Linxxnet einen Gesinnungs-TÜV. Wenn ein Flüchtling seine Mitgliedschaft im Freundeskreis verteidigt, solle man das – so Linxxnet - „respektieren“. Anders ist es, wenn der Flüchtling tatsächlich oder vermeintlich in der MLPD ist. Da plaudert Linxxnet sein Halbwissen schon mal in die Öffentlichkeit: so dass der ViSdP der Homepage des Freundeskreises gleichzeitig MLPD-Mitglied sei. Selbst wenn das so wäre, ginge es weder Linxxnet und erst Recht nicht die Öffentlichkeit und damit den Staatsapparat etwas an.

 

Linxxnet unterstellt in seinem Artikel der MLPD eine „stalinistische Ideologie“ und eine „antiemanzipatorische“ Auffassung von Kommunismus. Was der Artikel offenbart ist, dass Linxxnet genau das repräsentiert, was sie unter „stalinistisch“ verstehen: autoritäre Fahnen-Verbote, undemokratisches Kapern von Demos und pseudodemokratische Gesinnungsschnüffelei.

 

Die tiefste Ironie der ganzen Geschichte liegt aber darin, dass Linxxnet seine grandiose Enthüllung vor allem der Tatsache verdankt, dass die MLPD auf Demos ihre Fahne zeigt und damit erkennbar ist.

 

Hier geht es zum entsprechenden Linxxnet-Artikel