Abstimmung läuft bis 22. August
UPS-Arbeiter in den USA vor wichtiger Entscheidung
Bis zum 22. August läuft die Abstimmung der 340 000 bei den Teamsters organisierten UPS-Arbeitern in den USA über den neu ausgehandelten Tarifvertrag. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.
Seit Monaten bahnte sich der größte Streik gegen einen privaten Monopolisten in der Geschichte der USA an. 97% der Teamsters hatten bereits im Juni für Streik gestimmt. Er sollte am 1. August beginnen. Ein Streik hätte empfindliche Wirkung auf die US-Wirtschaft, denn UPS transportiert fast 30% aller Pakete in den USA.
Der Kampfwille, den die Arbeiter unter Beweis stellten, ist Ergebnis vieler kämpferischer Initiativen in der Gewerkschaft seit Monaten. Basis-Versammlungen, Schulungen und Workshops wurden in Betrieben, auf Parkplätzen, bei Barbeques durchgeführt, um Forderungen und Kampfaktionen zu beraten. An vielen Standorten wurden „Probestreiks“ mit „picket lines“ durchgeführt. Die Idee der Gewerkschaften als Kampforganisationen und der Kampf für innergewerkschaftliche Demokratie erstarken.
Mitglieder verschiedener revolutionärer Organisationen haben dabei auch eine aktive Rolle gespielt. Im Jahr 2021 wählten die Teamsters den verhassten Gewerkschaftsführer Hoffa ab, der den Weg der Zugeständnisse und der faulen Kompromisse verkörperte. Sean O'Brien wurde 2021 gewählt und schlug andere Töne an. Dieser wirbt nun um Zustimmung für den Vertrag und lobt ihn als „den besten in der Geschichte der UPS“. Doch offensichtlich sind die Meinungen unter den Kollegen geteilt.
Tatsächlich machte UPS wenige Tage vor dem 1. August deutliche Zugeständnisse: Verringerung der Lohnunterschiede zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten, Abschaffung des verhassten 2-Stufen Lohnsystems mit unterschiedlichen Löhnen für die gleiche Arbeit, Verbot verpflichtender Überschichten an freien Tagen, Klimaanlagen und Hitzeschutz in den Fahrzeugen, Abschaffung der Videoüberwachung in Fahrzeugen, einen zusätzlichen Feiertag für alle am Martin Luther King Day.
Unzufrieden sind viele Teilzeitbeschäftigte. Sie machen ca. 60% der Gesamtbelegschaft aus. Sie forderten Anpassung an die Löhne der Vollzeitbeschäftigten und mehr Chancen auf Vollzeitarbeitsplätze. Viele machen mehrere Jobs. Die Schaffung von 7500 neuen Vollzeitarbeitsplätzen (bei insgesamt 180 000 Teilzeitbeschäftigten) eröffnet diese Chance nur für eine Minderheit. Auch wenn die Schere kleiner geworden ist, bestehen weiterhin erhebliche Lohnunterschiede gegenüber Vollzeitbeschäftigen. Und die Lohnerhöhung von $7.50 für alle erstreckt sich über fünf Jahre. UPS will sich ein riesiges Heer von flexibel einzusetzenden Kräften erhalten, um die Ausbeutung zu maximieren. In der Praxis machen viele Teilzeitkräfte fast volle Schichten, je nach Auftragslage, bekommen aber viel weniger Geld. Jetzt müssen allerdings alle, die fünf Tage in der Woche fahren, dafür den gleichen Lohn bekommen. Ein UPS-Kollege sagte: „Man muss groß kämpfen, und ich glaube nicht, dass wir groß gekämpft haben.“
Dass die Teamsters bisher auch noch ohne Streik weitgehende Zugeständnisse erreichten, ist Ergebnis ihrer kämpferischen Initiative und der Solidarität im ganzen Land. Es zeigt auch die politische Brisanz eines möglichen Streiks und die Angst der Regierung und Monopole. Die US-Handelskammer hatte Joe Biden gebeten, zu intervenieren. Letztes Jahr hatte er schließlich einen Streik der Eisenbahner verboten. Die UPS-Arbeiter sind ein Beispiel. Sie ermutigen die Arbeiter bei Amazon und in der gesamten Logistikbranche, sich zu organisieren. Im September stehen Tarifverhandlungen der Automobilarbeiter an.
Doch offensichtlich will die Gewerkschaftsführung nicht die gesamte Kampfkraft in die Waagschale werfen. Damit hätten die Arbeiter die Chance, weitergehende Forderungen, insbesondere für die Teilzeitbeschäftigten, durchzusetzen. Für die Arbeiterbewegung gilt, dass es nicht allein um die Erfüllung von Reformforderungen geht, sondern dass sie sich gegen alle Spaltungsversuche als Klasse stärkt und dass die Kämpfe als Schule des Klassenkampfs geführt werden.
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