Greenwashing

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Unwahre Preise - die Schamlosigkeit von Penny & Co

Eine Woche lang forderte der Discounter Penny die "wahren Preise" bei neun seiner Produkte. Bei der Berechnung sollen Bereiche wie Umwelt, Wasser, Boden und Gesundheit berücksichtigt worden sein (was Penny sonst schließlich niemals tut).

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Unwahre Preise - die Schamlosigkeit von Penny & Co
Da muss man genauer hinschauen - Kunden sollten bei Penny bis zu 94% mehr "für die Umwelt" zahlen. (Bild: Laura James)

Den (hier kann man das wohl mal so nennen) "Übergewinn" will Penny an das Projekt "Zukunftsbauer" weiterreichen (d.h. steuerwirksam spenden).

 

Diese Aktion suggeriert von vorne herein individuelle Verantwortung, dass wir ja alle durch unser Konsum-Verhalten an der Umweltkatastrophe schuld seien, und nicht etwa die Monopole mit ihrer auf Ausbeutung von Mensch und Natur basierenden Produktionsweise.

 

Ein Faktor, der dementsprechend bei diesem vermeintlich "wahren Preis" von vorne herein unbeachtet blieb, war Pennys unverhältnismäßiger Gewinn - bei der großen Mehrheit aller Discounter-Produkte der Löwenanteil. Penny hat uns sozusagen vorgerechnet, was der Preis wäre, würde Penny seine eigene Verantwortungslosigkeit direkt auf den Kunden umlegen - anstatt die Auswirkungen seiner Geschäftspolitik wie bisher einfach zu ignorieren. "Vorbildlich" dreist, kann man da nur sagen.

 

Die Erzeuger werden auch bei so einem "wahren Preis" unterbezahlt - und deren Vertreter lassen sich daher auch nicht so leicht blenden: "Die Penny-Aktion zu 'wahren Kosten' ist vor allem ein auf Kosten der Bauern ausgetragenes Greenwashing-Projekt eines Discounters, der sich ansonsten wenig für faire Bepreisung interessiert", sagt also Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des im Allgemeinen allerdings nicht sonderlich fortschrittlichen Deutschen Bauernverbandes.

 

Greenwashing gehört zum Geschäft der Handelsmonopole

2022 vertrieb Aldi Milch als "klimaneutral"¹, denn durch Baumpflanzungen sollte das entstandene CO2 wieder ausgeglichen werden. In Wirklichkeit steckten dahinter Eukalyptus-Plantagen in Uruguay, inklusive Glyphosat. Die Eukalyptus-Bäume benötigen außerdem viel Wasser, Dünger und sind in Hitzeperioden sehr entzündlich. Grandioser Umweltschutz.

 

Diesen April bewarb Lidl eine "Kreislaufflasche" als Musterbeispiel für ökologische Produktion² - bei der Kreislaufflasche handelt es sich um eine 1,5 Liter PET-Flasche für Wasser. Dabei wurde schamlos schöngerechnet: Die Vergleichsflasche war eine 0,75 Liter Glasflasche - schon wegen des größeren Volumens war die Lidl-Flasche im Vorteil. Bei den Transportweges wurden Idealstrecken mit Durchnittsstrecken verglichen.
Übrigens: Leitungswasser ist in Deutschland genießbar und spart Transport - und Flaschen.

 

Penny ist mit solchen Methoden also absolut keine Ausnahme, auch wenn die moralische Überheblichkeit gegenüber den Kunden bei dieser Kampagne besonders ausgeprägt war.