Interview mit einem Ver.di-Kollegen vom LEJ Hub

Interview mit einem Ver.di-Kollegen vom LEJ Hub

Streik am größten Frachtflughafen Europas Halle-Leipzig

Am größten Frachtflughafen Europas beteiligten sich heute einige hundert Kolleginnen und Kollegen in den verschiedenen Schichten an einem Streik für einen Lohnnachschlag.

Frank Oettler, Sprecher der MLPD Halle, führte ein Interview mit einem ver.di-Kollegen.

 

Was meinst Du als ver.di Kollege zum Streik bei DHL, der von den DPVKOM-Kolleginnen und -Kollegen geführt wird?

 

Kollege: Die Forderung der DPVKOM ist eine spürbare Lohnerhöhung: Eine Ost-West-Angleichung durch 500 Euro mehr und 12% Lohnerhöhung obendrauf – das wäre etwa ein Inflationsausgleich. Diese Forderung ist richtig und auch Streiken ist notwendig. Ja, dieser Streik wurde von der DPVKOM ausgerufen. Die Gewerkschaft ist vor etwa zwei Jahren, während der Betriebsratswahl, am Hub aktiv geworden –nun hat sie neben ver.di eine eigene Fraktion im Betriebsrat. Einige hundert von fast 7000 Beschäftigten beteiligten sich am Streik – durch die verschiedenen Schichtzeiten.

 

Nicht gut finde ich,  dass ein Formblatt für den Austritt aus ver.di und den Eintritt bei der DPVKOM verteilt wurde. Dieses Mal war besonders auffällig, dass Kollegen nur am ersten Tag kamen und am nächsten Tag einfach zu Hause blieben. Der Schotterparkplatz vor dem Empfang und dem Terminal 1 war fast leer. Hätten wir in Deutschland ein richtiges Streikrecht, könnten wir ver.di-Mitglieder mitstreiken. Nicht wenigen juckts da in den Fingern. Mir auch. So was muss mal endlich mit auf jede Streik-Agenda.

 

Ver.di hatte im Mai bereits einen neuen Tarif unterzeichnet: Inflationsausgleichssonderzahlung von 1500 Euro (nur bei Vollzeit, wohlgemerkt) und 7% mehr ab September – das selbe wiederholt sich dann nächstes Jahr nochmal. Damit bekommen die Kolleginnen und Kollegen in den unteren Lohngruppen zwischen 14 und 15,50 Euro die Stunde. Dazu kommen die Nachtzuschläge, aber nachts arbeiten geht nicht viele Jahre gut und deshalb können wir uns auch nicht auf diese Zuschläge verlassen. Und real hat die Inflation die Lohnerhöhung schon lange aufgezehrt. Die Löhne sind also niedrig und das trotz anstrengender körperlicher Arbeit.

 

Gleichzeitig wurde die überwältigende Streikbereitschaft der ver.di-Kolleginnen und -Kollegen – 95% waren es in der Umfrage – überhaupt nicht genutzt und am Verhandlungstisch ein „Abschluss erzielt“ der weit unter den geforderten 15% liegt. Die Meinung ist eindeutig: Die insgesamt 3000 Euro Inflationsausgleich stehen uns für die vorherigen anderthalb Jahre Verarmung durch Inflation zu.

 

Ganz klar spielt auch besonders mit rein, dass seit 2008 nur ein einziger ver.di-Streik stattfand. Das war ein Warnstreik 2014 für ganze vier Stunden. Auch deshalb wird ver.di von vielen Kollegen  nicht als Kampforganisation wahrgenommen. Aber so etwas brauchen wir. Natürlich noch besser, eine Organisation für den gesamten Betrieb. Und noch besser wäre eine Gewerkschaft für alle Arbeiter und Angestellten im ganzen Land. Die Bergarbeiter, wie wir aus Flyern, die von der MLPD am Betrieb verteilt wurden, erfahren haben, gehen da sogar noch einen Schritt weiter. Sie verbinden sich weltweit. So etwas wäre natürlich auch für uns Logistik-Arbeiterinnen und -Arbeiter eine gute Sache.

 

Jedenfalls sind viele ver.di-Kolleginnen und -Kollegen, ich auch, solidarisch mit dem Streik, der ja auch für die Verbesserung unserer Löhne geführt wird. Und Lohn-Nachschlag brauchen wir ja sowieso. Aber alle.