Justice for Mouhamed
Je stärker der Gegenwind, desto höher fliegt der Adler!
Die folgenden Redebeiträge wurden auf der Solidaritätsdemonstration für Mouhamed am 12. August in Dortmund gehalten. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:
Redebeitrag von Rezan Tay, Sprecher des Freundeskreises Mouhamed.
Liebe Freunde / Teilnehmer / Mitkämpfer,
im Namen des Freundeskreises begrüße ich euch alle. Wir haben von Anfang an die Bewegung „Gerechtigkeit für Mouhamed“ mitgegründet und waren eine treibende Kraft in diesem Kampf. Wir haben Demos und Konzerte organisiert sowie letztes Jahr ein tolles Solidaritätsfest auf dem Kurt-Piehl-Platz. Ebenso haben wir nach 100 Tagen eine Gedenkfeier abgehalten, bei der wir eine Gedenktafel am Tatort enthüllt haben.
Dieses Jahr haben wir ein Fußballturnier unter dem Motto: „International, sportlich und fair“ veranstaltet. Dabei wurden viele Anwohner mobilisiert und viele Unterstützer wurden gewonnen. Mehrere 1000 Euro an Spenden wurden gesammelt, damit die Mutter von Mouhamed zum Prozess nach Deutschland kommen kann, sowie für die Dorfentwicklung in Ndiaffate, dem Heimatdorf von Mouhamed. So haben wir auch Geld überwiesen, damit auch dort letzten Dienstag eine Gedenkfeier der Familie für Mouhamed veranstaltet werden konnte. Letzten Dienstag war der Jahrestag der Ermordung Mouhameds durch die deutsche Polizei und wir haben am Tatort an der Gedenktafel eine würdige Gedenkfeier organisiert.
Einige haben mich gefragt: „Warum macht ihr das alles für eine Person? Es werden doch so viele Menschen auf der ganzen Welt getötet.“ Zum einen: Es ist in unserem Stadtviertel passiert und wir als Bewohner können das nicht so einfach hinnehmen. Zweitens: Ja, das stimmt. Es werden viele Menschen und Flüchtlinge umgebracht oder sterben bei der Flucht über das Mittelmeer. Mouhamed ist ein Fall im Rahmen dieser ganzen Ungerechtigkeit. Unser Kampf für „Gerechtigkeit für Mouhamed“ steht dafür, dass wir gegen die menschenfeindliche Asylpolitik der deutschen Regierung und der EU sowie gegen den Rassismus demonstrieren, der hier von faschistoiden Kräften, wie der AfD verbreitet wird.
Unser Kampf steht für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie keine Perspektive mehr in ihrem Land haben. Er steht gegen Rechtsentwicklung, Rassismus, Faschismus und Krieg!
Bei diesem Kampf und Widerstand sind wir auf Gegenwind gestoßen. Je stärker der Gegenwind, desto höher fliegt der Adler! Diese ganze Hetze und Manipulationen haben uns nicht davon abgehalten, weiter zu kämpfen und unseren Weg zu gehen! Dieser Weg steht dafür, dass wir den Kampf für „Gerechtigkeit für Mouhamed“ mit dem Kampf gegen die reaktionäre bzw. faschistoide Flüchtlingspolitik verbinden. Diese wird von der deutschen Ampel-Regierung vertreten, angeführt von Nancy Faeser von der SPD. Wir lassen uns durch die reaktionären Regierungen oder staatlichen Stellen nicht kaufen.
Früher konnte man in Senegal mehr oder weniger von der Fischerei gut leben, nun aber kommen große europäische Konzerne mit großen Schiffen und fischen die Küste Senegals leer. Das führt zum Exodus aus dem Land, weil die Menschen sich nicht mehr ernähren können. Auch die Rohstoffe werden ausgebeutet. So hat die deutsche Regierung 2022 umfangreiche Gasabkommen mit Senegal abgeschlossen. Die AfD hetzt gegen Flüchtlinge, weil viele nach Europa kommen, aber sie hat nichts dagegen, wenn große deutsche und europäische Konzerne und Monopole nach Afrika gehen, um dort die Länder und die Menschen auszubeuten und zu plündern.
Wir kämpfen auch gegen diese Zustände! Wenn ich das auf der anderen Demo sagen würde, würde es heißen: „Du missbrauchst das Thema Mouhamed für politische Zwecke! Dieser Zustand ist politisch erschaffen und dieser Mord war Ausdruck der reaktionären, faschistoiden Politik! Ohne gegen die Hauptursache zu kämpfen, werden wir unser Ziel niemals erreichen. Das können wir nur gemeinsam mit allen Völkern dieser Welt!
In diesem Sinne: Justice for Mouhamed! Hoch die internationale Solidarität!
Redebeitrag eines aktiven Gewerkschafters
Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten, liebe Freunde vom Freundeskreis Mouhamed und vom Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in Solidarität International, liebe Dortmunderinnen und Dortmunder,
als die westdeutsche Wirtschaft Mitte des 20. Jahrhunderts boomte, fehlten Arbeitskräfte. Abwerbeabkommen wurden mit verschiedensten Ländern vereinbart … das erste mit Italien im Jahr 1955. Gerade auch in der Stahlindustrie wurden die Arbeiter gebraucht und wir arbeiten heute solidarisch und auf Augenhöhe mit den verschiedensten Kulturen in den Betrieben zusammen.
Heute jammern die bürgerlichen Politiker und die Industrie, dass es knapp über 2 Millionen offener Stellen gibt. Es ist doch aber an Hohn und Spott kaum zu überbieten, wenn per Gesetz Hunderttausenden Flüchtlingen verboten wird, Arbeit aufzunehmen und dass viele Migranten für schlecht bezahlte Arbeitsplätze eingesetzt werden, statt sie für die dringend benötigten Berufe zu qualifizieren.
In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges verändert. Heute ist die Rekrutierung von qualifizierten Arbeitskräften auf dem Weltarbeitsmarkt für die internationalen Monopole zu einer wesentlichen Seite ihres internationalen Konkurrenzkampfs geworden. So sparen sich die Konzerne hierzulande Ausbildungskosten und können munter weiter ihre Lohndrückerei organisieren. Gleichzeitig verhindert die reaktionäre Flüchtlingspolitik der Regierung, dass geflohene Menschen überhaupt arbeiten dürfen.
Mouhamed Lamine Dramé war ein jugendlicher Flüchtling, der sich allein auf die gefährliche Reise begeben hatte, um für sich und seine Familie im Senegal eine Zukunft aufzubauen. Bei uns in der Belegschaft wäre er herzlich willkommen gewesen. Doch anstatt ihm bei seinen Problemen zu helfen, wurde er von der Polizei erschossen.
Wir fordern die sofortige Aufnahme des Prozesses gegen die Polizisten und deren Bestrafung für die Ermordung Mouhameds!
Die Abschottungspolitik der Bundesregierung und der EU und die unerträgliche Hetze der AfD führt auch bei uns auf der Hütte zu Diskussionen. Gegen diese Spaltung gilt das Gebot der uneingeschränkten Arbeitersolidarität. Wir Arbeiter sind dazu herausgefordert, uns gegen diese unerträgliche Hetze gegen Flüchtlinge in die erste Reihe zu stellen. Wir stehen für einen gemeinsamen Kampf für gleiche Rechte, bessere soziale Absicherung und höhere Löhne und Gehälter. Als Gewerkschafter sind wir sehr gut organisiert und haben das Know-how dafür, einen erfolgreichen Kampf zu führen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch viel Erfolg bei unseren Kämpfen und ein schönes Konzert im Anschluss an diese Abschlusskundgebung. Glück AUF!