Pressemeldung der Saarbrücker Montagsdemo

Pressemeldung der Saarbrücker Montagsdemo

Wir dürfen uns nichts vormachen lassen

"Wir dürfen uns nichts vormachen lassen - heutzutage lassen die Regierungen alle Hemmungen fallen, wenn es darum geht, an den verheerenden Krisen des Kapitalismus auf Kosten der Arbeiterklasse und der Weltbevölkerung herumzudoktern - ohne Erfolg übrigens. Gefragt ist, sich zusammenzuschließen und den Kampf für unsere elementaren Lebensinteressen aufzunehmen. Die Montagsdemo am 7. August in Saarbrücken ist dafür ein weiterer Schritt", eröffnete die Moderatorin die '512.'

Eine Teilnehmerin, die mit ihrer Familie vor noch gar nicht langer Zeit aus Russland ins Saarland kam, lernt seitdem mit großer Disziplin und Freude die deutsche Sprache. Heute steuerte sie mit klaren Worten ihren Beitrag am offenen Mikro bei: "Der größte Reichtum der Welt sind Menschen. Der Krieg bringt Opfer auf beiden Seiten. Danach bleiben Mütter ohne Söhne und Kinder ohne Väter. Je länger der Krieg andauert, desto blutrünstiger sind seine Anstifter. Wir sind gegen den Krieg, weil gewöhnliche Menschen ein normales Leben wollen!" Viel Applaus.

 

Eine andere Rednerin zog eine Parallele zwischen dem Rückgang der Saar-Spektakel-Besucher um 25 Prozent und der Kinderarmut im Saarland, von welcher ein Viertel der Kinder betroffen sind. "Wie viele Familien können sich so was einfach nicht mehr leisten?" Und weiter: "25 Prozent der Bevölkerung bei der Montagsdemo, das wär' was, darauf sollten wir hinarbeiten".

 

Ihr Beitrag wurde von einem Redner aufgegriffen, der das Geschachere des Finanzministers Christian Lindner (FDP) gegen die Kindergrundsicherung kritisierte und die lausige Summe dafür den Milliarden gegenüberstellte, die etwa der Intel-Konzern als „Starthilfe“ bekommen soll.

 

Wie sich die Haltung der bürgerlichen Politiker gleicht, wurde an einer kleinen Umfrage deutlich: "Wer hat folgende Worte gesagt? Ich zitiere: „Wir erleben ein internationales Wettrennen um die besten Standortbedingungen. Deutschland darf hier nicht an der Seite stehen, sondern muss vorn mitspielen?“, fragte ein Redner und, bei aller Austauschbarkeit: "Das Zitat kommt von Ricarda Lang von den Grünen...".

 

Für die besten Standortbedingungen sollen wir Waldbrände und Überschwemmungen, Tausende ertrunkene Geflüchtete, Kriege, Streubomben, Inflation und Zwangsarbeit inkauf nehmen. Als Sahnehäubchen noch das AKW in Cattenom - Ministerpräsidentin Rehlinger hat ja erst kürzlich dessen Notwendigkeit für die hiesige Stahlindustrie verkündet und dabei ihre Wahlversprechen über Bord geworfen.

 

Mit all dem war die heutige Montagsdemo nicht einverstanden. "Aber woran kann man sich orientieren", stand die Frage im Raum. "Wir grüßen die streikenden LKW-Fahrer beim Rastplatz in Gräfenhausen, die sind mutig", hieß es. ...