Unterbreizbach
Gute Gründe nach Thüringen zum Einsatz zu fahren, obwohl zu Hause auch viel los ist
Zu viert machten wir uns auf, um in Thüringen für die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz zu werben. Unterbreizbach, ein kleiner Ort am Fuße einer riesigen Abraumhalde. Fast jeder hat hier etwas mit dem Bergbau zu tun. Am Tor trifft man viele jüngere Kollegen. Die meisten arbeiten hier in Schicht entweder im Schacht oder in der Fabrik, wo das Heraufgeförderte zu Düngemittel und Salz weiterverarbeitet wird.
Der Gedanke, dass die Arbeiter sich international zusammenschließen, gefiel den Kumpel. Wir forderten sie heraus, dass die Arbeiter im Kampf gegen die Krisen des Kapitalismus ihr Gewicht in die Waagschale werfen müssen. Sie, als Thüringer Kumpels sollten ihren Teil zum Beispiel vom großen Kampf in Bischofferode, oder vom Protest gegen die Werra-Versalzung beitragen.
Dass der Kapitalismus nichts taugt, war man sich schnell einig. Die Menschen verarbeiteten ihre Erfahrungen: „Bei der Wende haben viele Hurra geschrien. Jetzt hat sich nichts geändert, es sitzen immer noch die gleichen oben“. Über die Perspektive des echten Sozialismus wurde offen und interessiert diskutiert. Wo ist die DDR falsch abgebogen? Ist der Kampf um den Sozialismus heute noch möglich? Wie einigen sich im Sozialismus die doch so unterschiedlichen Menschen? Hat Marx sich geirrt? Das Titelbild der Roten Fahne „Sozialismus – statt AfD und Rechtsentwicklung“ kam gut an. Wir trafen nur einen Hardcore-Nazi, sonst lehnten die Leute die AfD ab.
Die meisten haben eine Rechnung mit der Regierung offen: angesprochen auf die Spende antwortete einer: „Gegen die Regierung? Da müsste ich ja mindestens 500 Euro Spenden! So viel Geld habe ich ja gar nicht“ und gab seinen Obolus.
Mit dem Projekt Werra 2060 verbreitet der Kali-+ Salz-Konzern seinen imperialistischen Ökologismus. Ein neues Trockenverfahren, um Kali und Salz aus dem Gestein zu lösen, spart Wasser und es fällt keine Salzlauge mehr an. Unter den Kumpels wird verbreitet „der Konzern macht schon alles für den Umweltschutz“ und sie sollen mit einer Standortgarantie bis 2060 getröstet werden. K+S hat sich mit dem Verfahren gleichzeitig größere Fördermengen und -Tiefen, also eine bessere Ausbeutung der Rohstoffe erkauft. Hier gibt es noch viel Diskussionsbedarf.
Unser Einsatz war eine runde Sache und ist jedem nur zu empfehlen. Wir gingen von Haus zu Haus, hängten Plakate in Vereinen, Geschäften und der Kneipe auf und machten einen Infostand am Supermarkt. So kam keiner an uns vorbei und die Bergarbeiterkonferenz machte im Ort die Runde. Außerdem frischten wir alte Kontakte, die in der Coronazeit abgerissen waren, wieder auf. Abends blieb auch noch Zeit für ein Glas Wein und gemütliche Unterhaltung in der Ferienwohnung.