Deutschland wichtigster Abnehmer

Deutschland wichtigster Abnehmer

Hungerlöhne für Textilarbeiterinnen in der Ukraine

Den wenigsten wird bekannt sein, dass fast alle bekannten westeuropäischen Modekonzerne und Marken auch in der Ukraine produzieren lassen [1].

Korrespondenz aus Dortmund

Deutsche Unternehmen sind mit 38 % aller in der Ukraine produzierten Textilien die wichtigsten Abnehmer. Noch weniger bekannt dürfte allerdings sein, unter welchen Bedingungen die dort beschäftigten Frauen arbeiten müssen; nur wenige Männer arbeiten in der Textilindustrie.

 

Dazu Bettina Musiolek von der „Kampagne für Saubere Kleidung“: „Die Arbeitsbedingungen in der Ukraine unterscheiden sich kaum von denen in Bangladesch oder Indien. Selbst in China verdienen die Beschäftigten mehr.“ [2] Seit Oktober 2022 bekommen die Beschäftigten den staatlichen Mindestlohn von umgerechnet 154 Euro, der liegt noch unter der Armutsgrenze. Er reicht nicht für Wohnen und Essen. „Ein für die Näherinnen existenzsichernden Arbeitslohn müsste fünfmal so hoch sein,“ meint Bettina Musiolek. Und weiter: „Zwei von drei Näherinnen arbeiten ohne Arbeitsvertrag und ohne Sozialversicherung. Im Winter ist es in den Fabriken oft eiskalt, im Sommer tropisch heiß.“

 

Durch das Kriegsrecht hat das ukrainische Parlament ein Arbeitsgesetz verabschiedet, können Unternehmer Beschäftigte einfach versetzen und Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten – das betrifft die meisten Textilbetriebe - können Arbeiterinnen und Arbeiter grundlos entlassen. Sie können Tarifverträge einseitig kündigen, Urlaubstage streichen, die Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden erhöhen. Wer dagegen streikt oder demonstriert, dem droht unter dem Kriegsrecht Verhaftung.

 

So viel zur Demokratie, die angeblich in der Ukraine verteidigt wird. Sie ist nichts anderes als eine Diktatur der Oligarchen, großen Konzerne und ausbeuterischen Kapitalisten.