Auftragseinbruch

Auftragseinbruch

Deutsche Autokonzerne: Unruhe bei Vorständen und in den Belegschaften

Noch vor kurzem sonnten sich die Vorstände der Autokonzerne im Lichte von Rekordprofiten und versprachen diese den Kolleginnen und Kollegen auf Betriebsversammlungen eine gute Zukunft. Doch jetzt ziehen Gewitterwolken auf.

Von wb
Deutsche Autokonzerne: Unruhe bei Vorständen und in den Belegschaften
RF-Foto

„E-Autos – Verliert die deutsche Autoindustrie den Anschluss?“ [1] oder „Das Ende deutscher Autos“ [2] - so einige Schlagzeilen in den bürgerlichen Medien. Konkreter Anlass ist der dramatische Auftragseinbruch, auf den der Präsident des Kfz-Gewerbes im Südwesten aufmerksam macht: der hohe Auftragsbestand stammt von Ende letzten Jahres, der sich wegen Lieferengpässen und der damals höheren staatlichen Umweltprämie aufgestaut hatte. „Doch dieser Bestand geht jetzt zur Neige. Gleichzeitig kommen viel zu wenig neue Aufträge herein, um diesen Rückgang auszugleichen. Die Nachfrage liegt insbesondere im Privatkundenbereich bei 40, 50 und teilweise mehr Prozent unter dem Normalmaß oder dem Vorjahr“. [3]

Automobilarbeiter sollen dafür bluten

Während längere Zeit Mehrarbeit und Zusatzschichten das Bild in den Hallen bestimmten, mehren sich jetzt  Maßnahmen zum Herunterfahren der Produktion – wie immer auch auf Kosten der Zeitkonten oder persönlichen Lebensplanung der Arbeiter und ihrer Familien. So ordnete VW im Werk Emden im Frühsommer die Absenkung der Produktion des Kompakt-SUV ID.4 und der neuen Elektro-Limousine ID.7 an: Streichung der Spätschicht für 14 Tage, Verlängerung der  Werksferien um eine Woche und Entlassung von 300 Leiharbeitern. Ähnliches auch bei Mercedes in Stuttgart-Untertürkheim oder Düsseldorf. [4] Hinzu kommt, dass die Vorstände bei ihrer Personalplanung bereits das Ende des Verbrennermotors und die wesentlich höhere Produktivität der E-Antriebe mit Arbeitsplatzvernichtung für die Profitmaximierung nutzen. Das geht mit vermehrter Leiharbeit und Arbeitshetze für die anderen Kollegen einher; bis dahin, dass im thüringischen Mercedes-Werk Kölleda, wo Verbrennermotoren gefertigt werden, bis 2030 die Lichter ausgehen könnten.

Die Arbeiter brauchen für ihren Kampf Klarheit über die Gründe

Da ist zum einen die hohe Inflation, der steigende Zins und vor allem die hohen Energiekosten, die an der Kaufkraft der Menschen nagen. Auch sind „viele Käufer verunsichert über die gesamtwirtschaftliche Situation“.3 Deshalb verkaufen sich auch derzeit die  Mercedes-Luxus- und hochpreisigen E-Autos schlecht. Hinzu kommt, dass die deutschen Autokonzerne bei der E-Mobilität und Digitalisierung gegenüber Tesla und vor allem den chinesischen Konzernen zurückgefallen sind. BYD oder Nio können ihre Fahrzeuge zu deutlich günstigeren Preisen anbieten, auch weil sie die Batterien selbst produzieren, besseren Zugang zu den Rohstoffen haben und vom Staat hoch subventioniert werden.

 

Bei der Kaufzurückhaltung wirkt ebenso die wachsende Kritik der Massen an der umweltzerstörerischen Lithium-Batterie-Technologie und Zweifel an einer  Verkehrspolitik, die im Interesse der Monopole auf den Individual- und Straßenverkehr setzt. Dieser befeuert regelrecht die Erderhitzung und hat erheblich dazu beigetragen, dass inzwischen eine globale Umweltkatastrophe begonnen hat. Es ist der Kapitalismus mit seinen vielen Krisen, der die Existenz der Menschheit zunehmend gefährdet und hierfür die Verantwortung trägt.

VW & Co finden sich mit dem Rückfall nicht ab

Aufgrund des gewachsenen Umweltbewusstseins der Massen in der Welt ist ein Zurück zum Verbrennermotor auf Dauer nicht denkbar. Deshalb setzen die hiesigen Monopole alles auf eine Karte, um bei der E-Mobilität eine weltmarktbeherrschende Position auf dem Weltmarkt zu erobern; insbesondere bei den teuren Autos. „Anders können heute die für die Monopole ökonomisch notwendigen Maximalprofite nicht mehr erzielt werden“. [5]

 

Die Umstrukturierung der Produktion und Entwicklung leistungsfähigerer und kostengünstigerer Batterien oder der Einsatz der Brennstoffzelle sind mit enormen Investitionen verbunden. Für diese Aufholjagd schlagen die Vorstände eine aggressivere und härtere Gangart ein: gegenüber ihren Belegschaften mit sogenannten „Sparprogrammen“ und gegenüber der Gesellschaft in Form von weitgehenden Forderungen an die Regierung.

 

Vor diesem Hintergrund werden Spitzenmanager ausgetauscht, liegen die Nerven blank, wie beim VW-Markenchef Thomas Schäfer. Er warnte in einer Videoschaltung mit seinen weltweiten Führungskräften „vor einem 'perfekten Sturm', der auf den Autobauer zukomme.“ Es sei ein „'letzten Weckruf'. Dass die Konkurrenten deutlich mehr verdienen als die VW-Kernmarke, bereite (ihm) große Sorgen“. [6]

 

Obwohl die Vorstände noch nicht die Katze aus dem Sack lassen, müssen sich die Belegschaften in der Autoindustrie auf eine beschleunigte, massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen einstellen. Eine zentrale Frage ist dabei, dass die Arbeiter mit Hilfe der Marxisten-Leninisten eine - von den Herrschenden verbreitete - Skepsis in die eigene Kampfkraft und die Wirkung des Antikommunismus überwinden.

 

Notwendig ist, dass die Belegschaften wieder lernen, selbständig zu kämpfen! Auch gehören noch mehr die Teilerfolge von sich mehrenden, kleineren selbständigen Kampfaktionen bekannt gemacht und ausgewertet. So dass die Pausenversammlung und Demonstration von 150 Kolleginnen und Kollegen bei Opel in Rüsselsheim die Geschäftsleitung zwang, Leiharbeiter zu übernehmen oder deren Verträge zu verlängern. Solche selbständigen Schritte, Aktionen und Kämpfe sind ein wichtiges Vorgefecht für konzernweite und branchenweite und internationale, offensiv geführte Kämpfe der Automobilarbeiter.

„Wird China die deutsche Autoindustrie ruinieren?“ [7]

Mit solchen Medienberichten sollen die Automobilarbeiter und die Öffentlichkeit für den Wirtschaftskrieg der deutschen Automonopole und Regierung  gewonnen werden. Praktisch heißt das für die Arbeiter, den Reallohnabbau hinzunehmen und auf den Kampf um Lohnnachschlag zu verzichten. In der Konsequenz führt das dazu, in den Kolleginnen und Kollegen anderer Länder den Gegner zu sehen, sich spalten zu lassen und dass Arbeiter auf Arbeiter schließen, als Fortsetzung des Konkurrenzkampfes im Krieg.  

 

Nein zum Sozialchauvinismus – den Arbeiterkämpfen und ihrer Koordinierung und Revolutionierung gehört die Zukunft!

 

Deshalb fördert und unterstützt die MLPD die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz vom 31. August bis zum 3. September in Thüringen und dass auch Automobilarbeiterdelegationen daran teilnehmen. Die Bergarbeiterkonferenz steht für die Arbeitereinheit, für die Überwindung der Spaltung und für die Kraft des internationalen Industrieproletariats.