Schwere regionale Umweltkatastrophe

Schwere regionale Umweltkatastrophe

80 Großfeuer lodern in Griechenland

"Heiß, trocken, windig" - und zwar jeweils "sehr". Das ist die derzeitige Extremwetterlage in Griechenland. Alle drei Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen u.a. die immense Waldbrandgefahr.

Von gis
80 Großfeuer lodern in Griechenland
Schwere Waldbrände in der Region Attika verdunkeln den Himmel (rf-foto)

Am Sonntag haben sich in ganz Griechenland 64 neue Brände entwickelt. Viele Feuer, die schon vorher loderten, konnten noch nicht unter Kontrolle gebracht werden. Zusammen sind es jetzt mindestens 82 Großfeuer. Die Feuerwehr - unterbesetzt und schlecht ausgerüstet - kämpft einen Vielfrontenkrieg gegen die Wald- und Buschbrände. Italien, die Türkei und Ägypten helfen mit Löschflugzeugen und Feuerwehrleuten.

 

Am schlimmsten ist die Lage auf der Insel Rhodos, wo es am achten Tag in Folge brennt. Aber auch auf Korfu, auf dem Peloponnes und auf Evia gehen Vegetation und teilweise schon Häuser in Flammen auf. Auf Evia erreichten Flammen eine Höhe von bis zu 20 Metern. Schwerverletzte oder gar Todesopfer durch die Brände gibt es wohl bisher zum Glück noch nicht. Allerdings existieren keine gesicherten Angaben darüber, wieviele Menschen in der extremen Hitze von bis zu 46 Grad ums Leben gekommen sind. Im Juli 1987 waren in Griechenland bei einer ähnlichen Hitzewelle nach Schätzungen 1300 Menschen gestorben. Seither haben sich Dürre und Hitzewellen infolge der Erderhitzung  - bedingt durch die begonnen globale Umweltkatastrophe - sprunghaft entwickelt.

 

Auf Rhodos mussten 20.000 Menschen, vor allem Touristen, aber auch Einheimische, evakuiert werden. Griechische Behörden sagen, es war die größte Evakuierungsaktion in der griechischen Geschichte. Ausflugsschiffe und Fähren werden dafür eingesetzt. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Einheimischen mit den Touristen ist riesengroß; viele Touristen bedanken sich vor laufenden Fernsehkameras dafür. Über 145.000 Hektar liegen auf Rhodos bereits in Schutt und Asche, berichtet die griechische Zeitung Kathimerini. Reiseveranstalter wie TUI setzen zusätzliche Flüge ein, um Touristen auszufliegen. Die diesbezügliche logistische Leistung ist beeindruckend. Daraus wird man sicher für die Seenotrettung und die Unterbringung von Flüchtlingen lernen, die auf ihrer gefährlichen Flucht nach Griechenland gelangen.

 

Die letzte große Brandkatastrophe in Griechenland ist zwei Jahre her. Damals berichtete ein Harz-Arbeiter von Evia von den katastophalen Folgen: "Ich bin in der Natur aufgewachsen. Mein ganzes Leben spielte sich im Wald ab. Nord-Evia existiert nicht mehr, es ist für vierzig Jahre und mehr von der Karte gelöscht. Unser Leben, und damit auch das unserer Kinder, ist in den Flammen verschwunden. Es dauert durchschnittlich zwischen 30 und vierzig Jahren für die Aufzucht der Pinien, bis man wieder Harz gewinnen kann. Ich will nicht arbeitslos werden, aber mein Dorf und meine alten Eltern zu verlassen, würde mich ebenfalls zerreißen."

 

Die griechische Regierung hat damals 500 Mio. Euro (0,3 Prozent des BIP) für den Wiederaufbau zugesagt. Wo das Geld versickert ist, weiß niemand. Auf jeden Fall ist es nicht in den Brandschutz und die Aufstockung der Feuerwehren geflossen. Dafür steht die griechische Regierung von Kyriakos Mitsotakis voll in der Kritik. Die Gewerkschaft PAME hat mehrere Proteste organisiert. Die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni rührt dagegen die Werbetrommel für einen Urlaub in Griechenland. „Es  gab keine Störungen am Flughafen“, sagte sie. Das stimmt einfach nicht. Perfide ist es, wenn Mitsotakis jetzt schulterzuckend "den Klimawandel" für die Katastrophe verantwortlich macht. Er, der von einer heraufziehenden globalen Klimakatastrophe bisher nichts wissen wollte.

 

Ja, die begonnene globale Klimakatastrophe hat irreversible destruktive Prozesse in Gang gesetzt, die in mancher Hinsicht noch schneller voranschreiten als bisher angenommen. Die Durchschnittstemperatur lag in Gesamteuropa 2022 bei etwa 2,2 Grad Celsius über dem Niveau vor der Industrialisierung. Der Kontinent Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Das alles ist allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und alle Viere von sich zu strecken, Herr Mitsotakis. Natürlich müssen umgehend wirksame Sofortmaßnahmen gegen die Waldbrände, ihre Folgen und neue Waldbrandgefahr erkämpft werden. Dass dabei kein Verlass auf die griechische Regierung ist, haben die Menschen an zahlreichen anderen Geschehnissen, wie dem Zugunglück im April, längst gesehen. Dass die Zukunft der Menschheit mit der Weiterexistenz von Kapitalismus und Imperialismus nicht vereinbar ist, diese Erkenntnis und ein neuer Aufschwung des Kampfs um den echten Sozialismus werden sich Bahn brechen.