Steigende Meeresspiegel
Norddeutschland räumen? Für einen gesellschaftsverändernden Umweltkampf!
Der Schutz der Küsten durch Deiche seit über 1000 Jahren ist ein lebendiges Beispiel der Höherentwicklung der Einheit von Mensch und Natur. Durch ein ganzes System von Deichen und Pumpanlagen wurden neue Landflächen gewonnen - in den Niederlanden liegen so 26% des Landes sogar unter dem Meeresspiegel.
Heute muss die Menschheit jedoch gerettet werden vor den Folgen einer begonnenen globalen Umweltkatstrophe, die „nach und nach unaufhaltsam, unkontrolliert und beschleunigt sämtliche menschlichen Lebensgrundlagen auf der Erde zerstört ... Beim Klima betreffen diese Prozesse das Abschmelzen des grönländischen und westantarktischen Eisschilds, was den Albedo-Effekt verringert und damit den Treibhauseffekt massiv verstärkt. Auch dadurch steigt der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um ein bis zwei Meter an. Bereits das führt zur Überflutung ganzer Megastädte und Regionen.“ [1]
Am 16.6.23 rüttelte Professor Haas von der Uni Bremen mit der Schlagzeile im Hamburger Abendblatt auf: „Norddeutschland räumen!“ So richtig seine Prognose des Brechens der Deiche bis 2100 ist, verbreitet er mit dieser Losung Fatalismus und Anpassung an die Ausreifung der globalen Umweltkatastrophe. Er greift in keiner Zeile des Artikels die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur durch Staat und Monopole an. Von einem engagierten Umweltforscher müsste man positive Forderungen und Perspektiven erwarten.
Sein Kollege Professor Notz von der Uni Hamburg, einer der Leitautoren des letzten Berichts des Weltklimarats der UNO (IPCC) verbreitet in dem Artikel gar Illusionen von den Selbstheilungskräften des Kapitalismus: Treibhausgasemissionen auf null herunterfahren, „das wird irgendwann passieren... sonst funktionieren irgendwann unsere gesamten Wirtschaftssysteme nicht mehr.“ Prof. Notz greift das ganze Roll-Back der Ampel-Regierung zu fossilen Energien mit keinem Wort an, gehört diese doch zu den Auftraggebern des IPCC-Berichts.
Dass die Menschen nicht in Katastrophen untergehen wollen, zeigt der selbstlose Einsatz von allein 100 000 freiwilligen Helfern bei Aufräum- und Sanierungsarbeiten im Ahrtal nach der Flutkatastrophe vor zwei Jahren - bei wachsender Kritik an der Regierung!
Ein engagierter holländischer Ingenieur, Dick Butijn, präsentierte 2019 ausgehend von der Idee seines Kollegen Rob van den Haak den Plan eines neuen Nordsee-Deichs von Calais bis Göteborg, den „Haak-Seedeich“: „Ein Damm, mit 19 Metern Höhe rund doppelt so hoch wie die meisten Nordseedeiche. Das gigantische Bauwerk soll ... in einer weiteren Ausbaustufe von Calais (Frankreich) bis Göteborg (Schweden) reichen“ [2] Solch ein Projekt von 100 Jahren erfordert einen jährlichen Anteil für die Niederlande von 2 Mrd. €. So rechnen aber Staat und Monopole nicht. Mensch und Natur werden in der holländischen Küstenschutz-Gesetzgebung offiziell zur Ware degradiert. Darin wird der „monetäre Wert von Tieren und Pflanzen sowie die Bevölkerungsdichte herangezogen, so wird etwa der Wert eines Menschenlebens mit 2,2 Mio. € beziffert“ Teile der Niederlande wurden im Folgegesetz 1996 in Frage gestellt, „ob ein Gebiet etwa gegen ein Hochwasserereignis, wie es einmal in 500 Jahren zu erwarten ist, geschützt werden sollte.“ [3]
Was für eine Menschenverachtung einer untergehenden Gesellschaftsordnung! Heute, nach Beginn der globalen Umweltkatastrophe, wird die revolutionäre Überwindung dieses Systems und die Errichtung vereinigter sozialistischer Staaten der Welt zu einer dringenden Notwendigkeit!