Zukunft der Verkäufer gefährdet

Zukunft der Verkäufer gefährdet

Mercedes-Luxusstrategie als „Gier-Strategie“ in der Kritik der Händler

„Der Verband der Mercedes-Benz-Vertreter, der die Interessen von bundesweit 99 Mercedes-Händlern vertritt, übt scharfe Kritik an der Luxusstrategie des Konzerns und fürchtet um die wirtschaftliche Zukunft der Verkäufer.“ So die Stuttgarter Zeitung von gestern.

Von wb

Das scheint nicht damit zusammenzupassen, dass Mercedes-Benz (MB) im zweiten Quartal 2023 sechs Prozent mehr Autos verkauft hat. Doch dies rührt noch aus der Bugwelle der Bestellungen von Ende letzten Jahres her, wo E-Auto-Käufer die volle staatliche Prämie bekamen.

 

Inzwischen hat sich jedoch der Wind gedreht, wollen oder können die Kunden teils die sehr hohen Preise für Mercedes-Modelle nicht mehr bezahlen. Dass die Bestellungen bzw. Verkäufe regelrecht eingebrochen sind, müssen derzeit vor allem die Arbeiter in den Montagebereichen für die S- und E-Klasse in Sindelfingen und Stuttgart ausbaden: mit Streichungen von Schichten, Haverieregelungen, bei denen sie nach Hause geschickt werden, auf Kosten ihrer Zeitkonten, sowie mit Versetzungen. Noch schlimmer ist es für die Leiharbeiter, von denen viele vorzeitig „abgemeldet“, also rausgeschmissen werden.

 

Beim Unmut der Händler wirkt auch, dass der MB-Vorstand auf das „Agenturmodell“ umgestellt hat. Dabei treten die Händler nicht mehr als eigenständige Verkäufer in Erscheinung, sondern als Agenten des Herstellers, der genaue Vorgaben über die Verkaufspreise macht. Angesichts der Hochpreisstrategie von Mercedes und der gleichzeitig bröckelnden Marktpreise fehlt den Händlern nun der Spielraum, durch Rabatte die Nachfrage anzukurbeln. Denn diese wären Gift für die Luxusstrategie.

 

Die Händler fassen ihre Kritik treffend so zusammen: „Unsere Kunden verstehen die eingeschlagene Strategie der Mercedes-Benz AG weniger als Luxusstrategie, eher als die der ,Gier‘“.