Ein DLRG-Rettungsschwimmer erzählt

Ein DLRG-Rettungsschwimmer erzählt

Was ist von den dramatischen Berichten über Massenschlägereien in Schwimmbädern zu halten?

Als ehemals aktiver DLRG-Rettungsschwimmer, der mehrere Sommer lang am Wochenende Dienst an den Becken des örtlichen Freibads geschoben hat, muss ich die aktuelle "Berichterstattung" von Medien wie "Bild" als Hetzkampagne bezeichnen.

Korrespondenz

Liest man die Berichte, dann kommt es einem so vor, als sei in den deutschen Schwimmbädern bisher alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ gewesen. Es entsteht der Eindruck, dass jetzt auf einmal „Horden von männlichen Badegästen mit Migrationshintergrund“ auf deutschen Liegewiesen wüten.

 

Dem ist nicht so! In meiner kompletten Zeit im Dienst als Rettungsschwimmer – wir waren die Unterstützung für die örtlichen Schwimmmeister, von denen auch nur einer fest bei der Stadt angestellt war und die restlichen alle von Leiharbeitsfirmen stammten - ist es immer mal wieder zu Rangeleien oder handfesten Schlägereien im Schwimmbad gekommen.

 

Es kam zwar nicht täglich vor, gehört aber zum normalen Alltag im Schwimmbad – leider. Ein solches Verhalten ist asozial und das Letzte gegenüber den anderen Badegästen und dem Schwimmbadpersonal - keine Frage. Aber es ist nicht so, als sei das ein völlig neues Phänomen. Abhängig ist so etwas auch immer von äußeren Umständen: zum Beispiel wenn zu wenig Personal im Bad ist, oder wenn das Schwimmbad bei schönem Wetter stark gefüllt oder sogar überfüllt ist. Auch die Temperaturen spielen eine Rolle. Bei hohen Temperaturen sind die Badegäste meist eher aggressiv, als wenn Temperaturen im mittleren 20-Grad-Bereich vorherrschen. Nicht unterschätzt werden darf auch der Faktor „Alkohol“.

 

Es ist auch nicht so, dass ausschließlich männliche Menschen mit Migrationshintergrund zuschlagen. Wenn mal flache Hände oder Fäuste flogen, dann waren immer sowohl Deutsche mit Migrationshintergrund als auch solche ohne dabei.

 

Aus meinen Erfahrungen sehe ich hier bei den jetzt vorliegenden Berichten eine mediale Hetzkampagne, die sich vor allem gegen Deutsche mit Migrationshintergrund richtet. Für mich sind diese Berichte Steilvorlagen, um ultrareaktionäre Kräfte in der CDU oder die rassistisch-faschistoide AfD zu pushen. Nicht umsonst konnte sich der neue CDU-Hardliner Carsten Linnemann mit einer Forderung nach Schnellaburteilung der Täter schon mal öffentlichkeitswirksam in Szene setzen... .