Globale Umweltkatastrophe hat begonnen
Hitze in den Betrieben – erhöhtes Gesundheitsrisiko
Was haben Sommerhitze, Weihnachten und Geburtstage gemeinsam? Sie kommen jedes Jahr völlig überraschend! Dieses Jahr kommt die Sommerhitze nicht nur wieder einmal wie aus heiterem Himmel, sie kommt auch mit außergewöhnlich hohen Temperaturen.
Besonders ältere Menschen und Kleinkinder sind durch die hohen Temperaturen stark belastet. Auch an den Arbeitsplätzen in Büro, in der Werkstatt und im Freien wird es dann unangenehm. Aber es ist nicht nur unangenehm, es kann auch ganz schön gefährlich werden. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in den letzten fünf Jahren mehr als 25 000 Menschen in Deutschland hitzebedingt gestorben sind. Der Spiegel zitiert das Fachmagazin nature medicine, das schreibt, dass es 2022 europaweit zu 61.672 hitzebedingten Todesfällen zwischen dem 30. Mai und dem 4. September gekommen ist.
Inzwischen – Überraschung, die hohen Temperaturen! – hat auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erkannt, dass etwas gegen die Folgen der Sommerhitze getan werden muss: Er schlägt vor, ältere Menschen anzurufen und sie daran zu erinnern, dass sie genügend trinken müssen! Nun ja, selbst wenn man diese Idee ernst nehmen wollte: Wer glaubt denn wirklich, dass er das gebacken kriegt? Das Desaster um die Corona-App lässt grüßen! Die Stuttgarter Zeitung vom 9. Juli kommentierte diesen Vorschlag denn auch mit den Worten: „Es klingt fast schon putzig und naiv. … Und Lauterbach musste einräumen, dass Deutschland schlecht aufgestellt ist.“
Was in den bürgerlichen Medien kaum vorkommt, ist die Situation in den Betrieben, an den Arbeitsplätzen. Müssen erst Menschen am Arbeitsplatz umkippen, dass daraus eine Meldung wird? Denn ein Faktor, dass Deutschland gegen die Hitze „schlecht aufgestellt“ ist, ist genau die Situation in den Betrieben. Laut IG Metall gibt es für den Gesundheitsschutz im Betrieb nur sehr eingeschränkte Rechte. Im „Ratgeber Sommerhitze“¹ und dem darin enthaltenen Link zu einem Interview mit dem IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban, wird dies deutlich. Zwar arbeiten Gewerkschaften an bundesweiten Regelungen mit, doch, so Urban: „Die jedes Jahr erneut gestellten Fragen zum Thema Sommerhitze machen eines klar: Gute Arbeit braucht klare Regeln! Aber fast nichts geht im Selbstlauf.“ So viel zur „Fürsorgepflicht der Arbeitgeber“! Im Gegenteil: In den Betrieben gibt es hartnäckige Auseinandersetzungen um einen Hitze-Gesundheitsschutz. So wurde angeblich bei „der letzten Überarbeitung der ASR Raumtemperatur (ASR, Technische Regeln Arbeitsstätten, A3.5) ... dem Thema 'Bereitstellung von Getränken' besondere Bedeutung gegeben.“ Zugleich wird, zum Beispiel an verschiedenen Standorten des weltweit größten Automobilzulieferers, Bosch, das Kaltgetränk abgeschafft oder nicht gewährt. Ja, was denn nun? Hier werden in der ASR große Worte gemacht, in der betrieblichen Realität müssen es die Kolleginnen und Kollegen dennoch gemeinsam im Kampf durchsetzen. Das geht nur organisiert, gut abgesprochen und mit klaren Forderungen. Und da geht es dann auch nicht nur um Kaltgetränke.
So zitiert die Kollegenzeitung bei Bosch, Hochdruck und Zündstoff, in ihrer Ausgabe vom April, Silke Mooldijk, Expertin des Berline New Climate Institute, mit den Worten: „Wir sehen, dass Firmen CO2-Zertifikate kaufen, um zu behaupten, dass sie heute schon klimaneutral sind. Das lenkt von dem Fakt ab, dass sie noch immer sehr viele Emissionen verursachen.“ CO2 ist ein klimaschädliches Gas, das zu den steigenden Temperaturen beiträgt. Die Kolleginnen und Kollegen von Bosch Feuerbach schreiben weiter: „Bosch behauptet, er sei klimaneutral und belegt dies hauptsächlich mit CO2-Zertifikaten. Dabei ist das Prinzip von Zertifikaten die Kompensation: Ein konkreter Wald wird nicht abgeholzt, damit werden auf dem Papier CO2-Emissionen vermieden. Die Sache ist an sich ein Betrug. Der reale CO2-Ausstoß geht weiter.“
Die Monopole sparen nicht nur auf Kosten der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen weltweit am Gesundheitsschutz, wobei sie noch von der herrschenden Gesetzeslage profitieren, die den Beschäftigten keine oder nur sehr eingeschränkte Rechte einräumt. Sie sind auch Hauptverursacher der begonnen globalen Umweltkatastrophe deren Bestandteil die Klimakatastrophe ist.
So wichtig akute, auch individuelle und kollektiv erkämpfte, Maßnahmen zum Schutz gegen die Folgen der Hitze sind: Der gesellschaftsverändernde Umweltkampf gehört dazu. Wie schrieb der Kommentator in der Stuttgarter Zeitung: „Die Zahl an tropischen Tagen wieder zu senken, da würde langfristig nur ein konsequenter Klimaschutz helfen.“ Was er nicht schreibt, ist, dass dieser konsequente Klimaschutz sofort notwendig ist und nur im Kampf gegen die Monopolinteressen und den staatsmonopolistischen Kapitalismus erfolgreich sein kann.
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