Palästina
Jenin nach dem Rückzug der israelischen Truppen: Zerstörung und ungebrochener Widerstand
Laut eigenen Angaben des israelischen Militärs sind seine Einheiten aus dem Flüchtlingslager vollständig abgezogen.
Nach dem Rückzug der israelischen Besatzungstruppen aus dem Lager von Jenin bot sich den Bewohnerinnen und Bewohnern ein schockierendes Bild: Die Besatzer haben die Infrastruktur vollständig zerstört, Strom, Trinkwasser und Festnetztelefone sind außer Betrieb. Auf den Straßen ist es ist schwierig, zu Fuß zu gehen, da ganze Straßenzüge von den israelischen Einheiten aufgerissen wurden. Am Straßenrand stehen Dutzende von zerstörten Fahrzeugen, die sich in einen Eisenhaufen verwandelt haben. Wohnhäuser sind verbrannt.
Kamal Abu Al Rub, stellvertretender Gouverneur der Stadt, erklärte, dass fast 80% der Häuser im Flüchtlingslager beschädigt sind. Gegenüber der Nachrichtenagentur Andolu berichtete er: „Häuser und Infrastruktur wurden bei der Offensive schwer beschädigt. Fast 80 % der Häuser im Flüchtlingslager wurden entweder zerstört, beschädigt oder verbrannt.“
Bei ihrem Angriff auf das 0,4 km² große Flüchtlingslager, in dem schätzungsweise 13.000 bis 15.000 Flüchtlinge zusammengepfercht leben, setzte die Besatzungsarmee Kampfflugzeuge, Hubschrauber und bewaffnete Drohnen ein. Gleichzeitig stürmten Bodentruppen seit dem Morgengrauen des 3. Juli in das Lager, um die dortigen Widerstandskämpfer ins Visier zu nehmen, was zum Tod von 12 Palästinenserinnen und Palästinensern und zur Verwundung von etwa 120 weiteren Personen führte, von denen sich 20 nach wie vor in einem kritischen Zustand befinden. Colin Wallace, Spezialist für psychologische Kriegsführung, erklärte gegenüber Al Jazeera, dass der Einsatz von Luftwaffen in einem dicht besiedelten Gebiet wie dem Flüchtlingslager kaum zu rechtfertigen sei. Die 12 Getöteten wurden in Jenin begraben, an dem Trauerzug nahmen Tausende teil.
Die israelische Besatzungsarmee behinderte aktiv den Zugang von Rettungssanitäter:innen zu Verwundeten, mehrere Krankenhäuser wurden von Soldat:innen mit scharfer Munition beschossen sowie mit Tränengas angegriffen, Patient:innen erlitten hierdurch schwere Atemnot & dringend benötigte Operationssäle konnten wegen des aggressiven Reizgases nicht genutzt werden. Ärzte ohne Grenzen verurteilte gestern das Vorgehen der israelischen Armee in einer Stellungnahme: “Wir verurteilen die israelischen Streitkräfte, die medizinisches Personal daran hindern, das Flüchtlingslager Jenin zu betreten.” Die Einsatzkoordinatorin in Jenin für Ärzte ohne Grenzen, Jovana Arsenijevic: „Die Angriffe auf das Lager Jenin folgen inzwischen einem bekannten Muster: Krankenwagen werden von gepanzerten Fahrzeugen gerammt & Patienten & medizinischem Personal wird routinemäßig der Zugang zum Lager verweigert“. Des Weiteren hielt die Organisation fest, dass besonders viele Patient:innen am Kopf verwundet wurden.