Vertreterin von Kongrea Star

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Gabi Fechtner interviewt Cicek Qamislo

Auf dem Zilan-Festival am 17. Juni 2023 führte die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner ein Interview mit Cicek aus Qamislo/Syrien, Vertreterin der kurdischen Frauenorganisation Kongreya Star.

Gabi Fechtner interviewt Cicek Qamislo
Gabi Fechtner (links) interviewt auf dem Zilan-Festival Cicek Qamislo, Vertreterin der kurdischen Frauenorganisation Kongreya Star aus Qamislo (rf-foto)

Gabi Fechtner: Uns interessiert sehr die Lage der Menschen in Rojava derzeit?
Cicek: Zur Zeit steht Rojava unter ständigen Angriffen seitens der Türkei. Wir bauen in Rojava ein demokratisches System auf. Erdoğan kann und will es nicht dulden, dass dort Fortschritte gemacht werden. Daher hört seine Aggression nicht auf und er will den Widerstand von YPG, YPJ und demokratischen Kräften Syriens brechen. Was verteidigen diese Kräfte? Ein System mit Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, eine Gesellschaft, wo alle Völker in der Region ihren Platz haben. Wir sind wie ein Garten mit zahlreichen bunten Blumen. Unsere Feinde können das friedliche Leben mit dieser Vielfalt nicht ertragen, daher gibt es diese ständigen Angriffe. Vor ein paar Tagen gab es wieder Angriffe in Qamislo, Manbidsch und Kobane. Es gibt Tote und Verletzte. Erdoğan möchte seine Aggression fortsetzen. Dagegen sind aber unser Militär und die Kraft unseres revolutionären Volkes bereit, uns zu verteidigen. Wir rechnen mit einer weiteren großen Offensive der Türkei. Keiner soll aber denken, dass wir unvorbereitet sind. Der erwartete große Krieg hat zwar nicht begonnen, es gibt aber einige Scharmützel und direkte Attentate sowohl gegen unsere Repräsentanten als auch gegen die  Zivilbevölkerung. Das zeigt eigentlich nicht die Stärke, sondern die Schwäche unseres Feindes.

 

Unser Volk ist seinen Errungenschaften und dem Widerstand sehr verbunden. Zu diesen Errungenschaften gehören die Frauenrechte. Es gibt dort zum Beispiel ein Frauendorf, das der Frauenbewegung eine Stärke verleiht. Zur Bildung gehören die „Jineoloji“ und sowohl Frauen als auch Männer, Kinder. Das ganze Volk wird dabei aufgeklärt. Wir können unsere Feinde nicht nur mit militärischen Mitteln bezwingen, sondern auch mit der ideologischen Stärke. Dabei begleitet uns die Philosophie von Abdullah Öcalan mit der Losung „Jin, Jiyan, Azadi“ (Frau, Leben, Freiheit). Damit wollen wir ein Vorbild sein für die ganze Region. Wie ihr wisst, ist Kurdistan unter vier Staaten aufgeteilt. Wir wollen für andere Teile hier wie ein Licht den Weg nach vorne zur Freiheit beleuchten, genauso für andere Völker der Region ein Vorreiter sein.

 

Unsere Errungenschaften gehören den ganzen Nationen. Daher ist der Erfolg von Rojava sehr wichtig. Wir haben den IS besiegt. Dieser war eine Gefahr für Deutschland, Europa und die ganze Welt. Unsere kurdischen Töchter und Söhne haben einen heldenhaften Kampf geführt und sie werden diesen Kampf bis zum Ende weiterführen. Wir haben Erwartungen an euch hier in Deutschland. Der deutsche Staat ist gegen uns, ihr aber als Volk seid mit uns. Wir sind zusammen. Unser Wunsch ist es, dass ihr die Stimme von Rojava hier erhebt. In Rojava sind imperialistische Mächte wie USA und Russland stationiert und verfolgen ihr eigenen Interessen. Dabei gehen sie über unsere Leichen. Scheinheilig erklären sich  zum Beispiel europäische Regierungen gegen Ermordung von Kindern und Frauen. Dabei zeigt ihr Praxis etwas anderes. Jeden Tag werden wir massakriert. Während die Kinder hier in Europa friedlich aufwachsen und auf Spielplätzen spielen, wachsen die Kinder dort unter den Bomben auf. Die Kinder schlafen immer mit Angst, die Frauen stillen ihre Babys mit Angst, das wollen wir der ganzen Welt zeigen. Rojava verteidigen, heißt die Menschheit verteidigen. Wir kämpfen nicht nur für uns selbst, sondern für die ganze Menschheit. Wir haben dazu beigetragen, dass die terroristischen Anschläge hier aufgehört haben. Eigentlich wäre die Situation in Rojava ohne diese ständigen Angriffe ziemlich gut. Es gibt viele schöne Dinge, die wir aufgebaut haben. Dafür haben wir eine hohen Preis bezahlt, wir haben leider viele Märtyrer.

 

Gabi Fechtner: Der kurdische Befreiungskampf ist ein wichtiger Kampf. Am 5. und 6. September findet der 1. Weltkongress der Antifaschistischen und Antiimperialistischen Einheitsfront in Thüringen statt. Kannst du oder kann jemand aus Rojava teilnehmen? Das wäre sehr wichtig, um eure Erfahrungen im Kampf gegen den Faschismus einzubringen.
Cicek: Ich nehme Eure Einladung gerne an. Wenn ich selber nicht kommen kann, senden wir eine andere Repräsentantin.

 

Vielen Dank!