NPD benennt sich um in "Heimat"

NPD benennt sich um in "Heimat"

Achtung – Alte Faschisten im neuen Gewand

Eigentlich hätten Vertreter der faschistischen Partei "Die Heimat" - bis vor kurzem als NPD bekannt - heute vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erscheinen müssen. Der Grund: Es sollte geklärt werden, ob die NPD von der staatlichen Parteienfinanzierung ausgeschlossen werden kann. Doch "Die Heimat" blieb lieber zu Hause...

Von nj
Achtung – Alte Faschisten im neuen Gewand
Das Mahnmal von Solingen zum Gedenken an den faschistischen Brandanschlag vor vielen Jahren spricht in Sachen Antifaschismus für sich (foto: Frank Vincentz (CC BY-SA 3.0))

Aber warum jetzt eigentlich "Die Heimat"?

„Lasst uns die Liebe unserer Heimat in unseren Herzen tragen und dieses Gefühl in konkrete Taten umsetzen. Wir laden dich herzlich ein, Teil dieses Projektes zu werden. Unterstützen wir uns gegenseitig und stärken wir das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserer Gemeinschaft. Lassen wir niemanden alleine, sondern stehen wir füreinander ein – in guten und in schwierigen Zeiten“. Wer sich von diesen Sätzen vielleicht angesprochen fühlt, sollte sehr genau hinsehen, um welches „Projekt“ es hier geht: Anfang Juni beschloss der Bundesparteitag der NPD die Umbenennung in „Heimat“. Die damit verbundene Zielsetzung ist „Es braucht jetzt starke patriotische Netzwerke, wirksame Bündnisse auf der Straße, in den Parlamenten und im vorpolitischen Raum. Unsere vorrangige Aufgabe wird es künftig sein, als Anti-Parteien-Bewegung und patriotischer Dienstleister am Aufbau dieses Netzwerks mitzuwirken“

 

Den realen Hintergrund dieser Entwicklung definierte Stefan Engel im Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“: „In Deutschland waren über Jahrzehnte Versuche des offen faschistischen Parteiaufbaus am antifaschistischen Bewusstsein der Massen gescheitert. Zu offensichtlich standen sie in der Tradition des Hitler-Faschismus.“ (S.235). Auf dieser Grundlage vertiefte in den letzten Jahren der Höhenflug der AfD die Krise der offen faschistischen Parteien, vor allem von NPD und „die Rechte“. Nach jahrelanger Zerstrittenheit und Flügelkämpfen in der NPD setzte sich nun der Flügel durch, der für eine Modernisierung und Verfeinerung der faschistischen Ideologie steht.

 

Nach dem Wegzug führender Köpfe von „Die Rechte“ nach Chemnitz trat im Januar der verbliebene Dortmunder Kreisverband (in dem fast der komplette Bundesvorstand vertreten war) zur NPD über, tritt aber seit dem unter dem Namen „Heimat Dortmund“ an die Öffentlichkeit.  Mit der modern gestalteten Fassade der „Heimat“ wurde keineswegs der faschistische Inhalt entschärft – im Gegenteil. Die faschistische Demagogie wird verfeinert und mit einer Forcierung der völkischen Ideologie die Verlogenheit auf die Spitze getrieben. „Wir setzen uns leidenschaftlich dafür ein, eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, in der wir stolz auf unsere Heimat sein können ...“ - aber erstmal kein Wort, dass sie unter Umweltschutz vor allem den Schutz der deutschen Landschaft vor Windrädern verstehen.

 

Professioneller Internetauftritt mit modernem Layout, ellenlange Phrasen und Gedichte in blumiger Sprache, Friedenstaube, aber erstmal kein Wort darüber, dass es hier nur um Heimat für deutsche Arier geht. Wer was wissen will über den Umgang mit Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, wird dann wohl fündig beim „Plauderstream: Remigration – Utopie oder machbar?“ Als Info-Material gibt es zwar noch kein Programm, dafür wird als Ergänzung zum bisherigen NPD-Organ „Deutsche Stimme“ jetzt auch das bisherige „Die Rechte“-Magazin „NS-heute“ von einer Adresse vertrieben. Real bedeutete die faschistische Herrschaft in Deutschland in der Zeit von 1933 bis 1945 für Millionen Menschen weltweit und auch in Deutschland Zerstörung ihrer Heimat, Hunger und Tod.

 

Die Methode, an realem Unmut anzusetzen, vor allem die Gefühle anzusprechen und die Unzufriedenheit unter allgemeinen Schlagworten („Altparteien, Establishment....) demagogisch nach rechts zu kanalisieren, war schon immer eine Methode der Faschisten.  Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit unter den Massen, der allgemeinen Rechtsentwicklung und der weltanschaulichen Verwirrung ist diese Entwicklung ernst zu nehmen.

 

Im Mai erreichte die NPD unter dem Namen „Heimat Neumünster“ bei den Kommunalwahlen im Mai 5,6 Prozent, mehr als die AfD mit 4,7 Prozent. Das unterstreicht die Bedeutung der antifaschistischen Aufklärungsarbeit vor allem unter der Jugend. Der Kampf zum Verbot aller faschistischen Organisationen muss intensiviert werden. Zum anderen gilt es, beim Kampf um die Denkweise unter den Massen offensiv zu klären, dass allgemeine Unzufriedenheit nicht ausreicht und auch der notwendige Protest gegen die Regierung nur auf antifaschistischer Grundlage wirksam sein

 

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