Berlin und Brandenburg

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Konzerttour: „Ich bin Fan der rebellischen Konzert-Tour mit der Band Gehörwäsche und weiterer Künstler geworden“

„Ich bin Fan der rebellischen Konzert-Tour mit der Band Gehörwäsche und weiterer Künstler geworden“. So das Fazit eines Aktivisten, nachdem die "Gehörwäsche"-Tour durch Berlin und Brandenburg in Frankfurt (Oder) endete. Der Jugendverband REBELL hatte die Tour vom 21. bis 23. Juni 2023, gestützt auf den Berliner Liedermacher Karl Nümmes, organisiert.

Von Korrespondenten

Der erste Auftritt war am 21. Juni in Berlin im Rahmen der „Fête de la musique“ vor dem Rathaus Neukölln. Das Motto des Abends lautete dann auch: Aus Köln nach Neukölln!

Nein zum Krieg der großen Räuber!

Mit ihrer tanzbaren Musik und ihren politischen Texten bewegte die Band Gehörwäsche Herzen, Beine und Gedanken gleichermaßen; populär und revolutionär. Am Höhepunkt des Abends nahmen zeitgleich über 300 Gäste am Konzert teil; auf den Stufen sitzend, tanzend oder sich an den Infoständen informierend. Insgesamt verweilten bis zu 800 Teilnehmer eine Stunde oder länger.

 

Neben Gehörwäsche spielte Nümmes-Straßenrock und wies unter anderem auf das „Feuer unter´m Dach im Bundestach“ hin und bezog klar Stellung: „Nein zum Krieg der großen Räuber“. Nicolas Miquea, chilenischer Künstler, bereicherte das Programm durch seine Verschmelzung von Klassik, lateinamerikanischer Musik und Rock in einem einmaligen Mix. Von Anne & Andreas gab es A-Capella-Töne. Der Liedermacher Kristof mit K&F attackierte mit weiteren Künstlern musikalisch die faschistoide Rammstein-“Kultur“. Mit dem Titel „Loste Männer“ positionierten sie sich klar gegen sexistische Gewalt.

"Freiheit bringt nur die Revolution"

Das Duo Wyntonikos brachte mit Loops, E-Gitarre, Harp und Blues-Stimme auch die umstehenden Häuser zum Beben. Die Berliner Rock-Blues-Band Brocken Harz spielte ebenfalls begeisternde Musik unter dem Motto des Abends „Internationale Solidarität statt rechter Hetze!“. Beim mit dem Publikum, Karl Nümmes und Gehörwäsche geübten Flashmob „Umweltalarm“ trug sich eine Gruppe Jugendlicher in eine Mitmach-Liste ein. „Es war sehr schön zuzuhören", sagte eine Angestellte aus dem Rathaus und die Security wünschte eine Zugabe von Gehörwäsche, als das Konzert um 22 Uhr endete.

 

Die Lieder der Band Gehörwäsche, die bereits um 16 Uhr den Auftakt gemacht hatte und gegen später nochmal zum Tanzen und Mitsingen spielte, polarisierten durchaus. Während die Masse der Teilnehmer nach dem Lied „Gaza tonight“ ihre Solidarität zum Ausdruck brachte, verließen einzelne hier das Konzert. Auch die Lieder „Kommunist“ oder „Freiheit bringt nur die Revolution“ trafen bei den meisten Gästen auf zustimmendes Interesse. In zahlreichen Gesprächen erlebten wir, dass sich viele Menschen inzwischen Gedanken machen, welche Alternative es zum Kapitalismus gibt und ob der Sozialismus eine Perspektive ist. 13 Jugendliche, teils stellvertretend für ihre ganzen Freunde, trugen sich ein, um im REBELL mitzumachen bzw. in Kontakt zu bleiben. Rebellen berichten, wie sie überzeugen lernten, dass man sich festlegen muss, wenn man sich einig ist, für die eigene Zukunft aktiv zu werden, anstatt zu hoffen, sich bei Gelegenheit mal wieder zu treffen.

 

Auch die 534 € gesammelten Spenden und rund 400 € Einnahmen für Essen und Getränke zur Unterstützung der Finanzierung des selbstorganisierten Konzerts waren ein wichtiges Ergebnis. Dass viele bewusst kamen, weil das Motto für sie unter den vielen Angeboten hervorstach, motiviert uns, noch viel öfter solche Möglichkeiten wie den Rahmen von „Fete de la musique“ zu nutzen, um mit rebellischer Kultur zu begeistern. In diesem Sinn solidarisierten wir uns auch mit einem Künstler am Oranienplatz, der auf Grund seiner Kritik an der NATO im Ukrainekrieg mit einer Diffamierungs- und Hetzwelle angegriffen wurde.

"Eure Lieder stärken das Selbstbewusstein", so eine Potsdamerin

Auch mit unseren Konzerten am 22. Juni in Potsdam und am 23. Juni in Frankfurt/Oder erreichten wir viele hunderte Passanten. In Potsdam noch bei strahlendem Sonnenschein spielten Gehörwäsche und Nümmes auf dem Platz der Einheit. Zwischenzeitlich tanzten 20-25 Leute auf der Wiese, während andere im Schatten sitzend, auf den Bus wartend oder in den umliegenden Cafés der Musik lauschten. Schon beim Aufbau unserer Infostände wechselten Exemplare des Rebell-Magazins und des Parteiprogramms der MLPD sowie mehrere T-Shirts der Band Gehörwäsche den Besitzer. Viele Jugendliche berichteten von ihren Sorgen über die Zukunft, aber auch viel zu wenig zu wissen, wie man aktiv kämpfen kann. Besonders beeindruckte sie, wie die Lieder das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen und Flüchtlingen stärken, sich nicht einfach zu ducken. Sie aber auch herausfordern, selbst durchblicken zu lernen. Mehrere Jugendliche trugen sich ein, eine neue REBELL-Gruppe in Potsdam mit aufzubauen. Auf großes Interesse stieß auch das Sommercamp als gemeinsamer Urlaub. Mitglieder der „Grüne Jugend“ überlegen sich, sich an der Bergarbeiter-Konferenz zu beteiligen.

Rebellische Musik begeistert bei Regen in Frankfurt/Oder

In Frankfurt/Oder hatten wir viel Glück im Unglück, die angekündigte Gewitterfront verschonte uns und so tanzten, diskutierten und lernten wir viele neue Passanten trotz Nieselregen kennen. Die rebellischen Lieder zogen immer wieder Passanten zum zeitweiligen Verweilen an. Auf viel Respekt trafen wir damit, die Jugendlichen für eine zukunftsweisende Kultur und Perspektive zu begeistern. In mehreren Gespräche berichteten Frankfurter, dass die Jugendlichen hier kaum Möglichkeiten haben, sich ein Leben aufzubauen. Die bürgerlichen Politiker tun kaum etwas dafür, es gibt keine Jugendzentren etc. Viele sehen die bewusst in Kauf genommene Perspektivlosigkeit als eine Ursache für teils hohe Wahlergebnisse der AfD. Darüber diskutierten wir kritisch, denn die AfD ist selbst Ausdruck dieser Perspektivlosigkeit und kein Ausweg. Auch die über 100 € Spenden waren für uns eine Bestätigung, unser Konzert hat sich trotz Gewitterdrohung und Regen gelohnt.

 

Dass ein kleines Konzert dennoch eine nicht zu unterschätzende Wirkung haben kann, zeigte auch eine Diskussion mit zwei Mitarbeitern eines sich nicht weit entfernt befindlichen Einkaufszentrums. Auf die Frage, warum man in den Medien nichts davon gehört hätte, kamen wir schnell darauf, dass MLPD und REBELL mit ihrer Kritik am herrschenden System bewusst aus den Medien herausgehalten werden. Für uns sind die Erfahrungen aus Berlin, Potsdam und Frankfurt/Oder auch Anlass, beim nächsten Mal noch selbstbewusster bei den Zeitungen und Radiosendern nachzuhaken, anstatt sich mit einer Mail an sie zufrieden zugeben. Und bei „Fête de la musique“ sind wir 2024 auf jeden Fall wieder am Start.