4500 Arbeitsplätze betroffen

4500 Arbeitsplätze betroffen

Ford Saarlouis: Streik um Sozialtarifvertrag oder Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz

Ein Jahr, nachdem die Schließung des Ford-Werks in Saarlouis 2025 verkündet wurde, hat am 22. Juni 2023 eine Betriebsversammlung stattgefunden. Von der Schließung sind 4500 Arbeitsplätze direkt bei Ford betroffen, plus tausende, die davon abhängig sind.

Von gp
Ford Saarlouis: Streik um Sozialtarifvertrag oder Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz
Unterstützt von Belegschaften anderer Betriebe der Stadt zogen die Fordler am 22. Juni durch Saarlouis (rf-foto)

Seit einem Jahr bangen die Kolleginnen und Kollegen um ihre Zukunft. Ford hatte versprochen, 1000 Ersatzarbeitsplätze zu schaffen. Aktuell verhandelt der Ford-Vostand mit zwei chinesischen Investoren zur Übernahme des Werkes mit 2500 Beschäftigten. Darunter das chinesische Automonopol BYD, das mit seiner E-Auto Produktion auf dem europäischen Markt Fuß fassen will.

 

Ford erklärte, man wolle „schnellstmöglich“ zu einer Vereinbarung kommen. Ford befindet sich dabei in einer Zwickmühle, denn BYD gilt als direkter Rivale von Ford und VW. Der Betriebsrat fordert für den Fall, dass es keine Anschlussregelung gebe, einen Sozialplan mit einer Abfindung von mindestens 100 000 Euro. Weil Ford das abgelehnt hat, bereitet die IG-Metall-Führung eine Urabstimmung über einen Sozialtarifvertrag vor. Dazu brachte die MLPD in Saarbrücken vor der Belegschaftsversammlung ein Flugblatt heraus. Darin heißt es u.a.:

 

Ein Streik muss von den Arbeiterinteressen ausgehen: Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz auf Kosten der Profite! Mit 745 000 Dollar Umsatz pro Beschäftigtem holte Ford 2021 (letzte Zahlen) mehr als z.B. VW (440 000) oder Tesla (542 000) aus den Kollegen heraus! Ein solcher Streik muss aber selbständig organisiert werden! In vielen Betrieben ist Arbeitsplatzvernichtung angesagt! Streik um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz nutzt der ganzen Arbeiterklasse und wird die größte Solidarität bekommen.

 

Ein 'Sozialtarifvertrag' bedeutet: man gibt das Werk, die Arbeitsplätze und die Zukunft der Jugend auf, es geht nur noch über die Höhe der Abfindungen. Deshalb könnte ein Streik für Abfindungen nie das durchsetzen, was die Arbeiter brauchen! Es gibt gewisse Chancen, einen anderen Arbeitsplatz zu finden, aber meist schlechter bezahlt, mit später noch niedrigerer Rente. Jeder rechnet, wieviel er bekommen könnte. Doch: soll sich die Belegschaft nach jahrzentelanger Schufterei so abservieren lassen?"

 

Hier das Flugblatt ungekürzt

 

Bundesweite Delegiertenversammlung der Internationalen Automobilarbeiter-Koordination solidarisch

Am 24. Juni hat eine bundesweite Delegiertenversammlung der Internationalen Automobilarbeiter-Koordination mit Kolleginnen und Kollegen von Automobilkonzernen aus 18 Standorten in Deutschland, darunter auch Ford (Köln), stattgefunden. Sie übermittelt den Saarlouiser Kolleginnen und Kollegen volle Solidarität für ihren Streik um ihre Arbeitsplätze.

"Der Streik ist die richtige Antwort auf die Angriffe von Ford. Lasst Euch durch die leeren Versprechungen nicht länger hinhalten. Der sogenannte Bieterwettbewerb muss eine Lehre sein: Die Kollegen in Valencia sind nicht unserer Konkurrenten und Gegner. Wir sind auch nicht die Inflationstreiber und Kostenverursacher. Die Autokonzerne weltweit haben von 2021 auf 2022 ihre Profite um 16% auf 157 Milliarden Euro gesteigert, auf unsere Kosten und durch unsere Arbeit. Auch der Umweltschutz ist nicht Ursache der Arbeitsplatzvernichtung. In den letzten Jahren wurden in Deutschland 55.000 Arbeitsplätze in der Auto- und Zuliefererindustrie vernichtet zum Zwecke der weiteren Profitmaximierung. Das Profitstreben gerade der multinationalen Konzerne ist die Ursache der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

 

Wir müssen den Kampf um jeden Arbeitsplatz organisieren. Das Ziel Sozialtarifvertrag soll diesen Kampf, der als selbständiger Streik geführt werden muss, verhindern.

 

22 Millionen Automobilarbeiter weltweit können eine überlegene Kraft werden gegenüber den Autokonzernen, wenn wir zusammen kämpfen und uns nicht spalten lassen. Warum müssen wir eigentlich immer nur gegen Verschlechterungen, Angriffe auf unsere Löhne und Arbeitsplätze kämpfen? In unserer Gründungsresolution schreiben wir: 'Wir wollen ein reiches, würdevolles und gesundes Leben aller Menschen in Einklang mit der Natur - eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung'. Darüber brauchen wir eine breite Debatte. Beteiligt Euch daran.

 

Herzliche und solidarische Grüße
Roger Stamm
i.A. Delegiertenversammlung der Internationalen Automobilarbeiter-Koordination (IAC)

 

Quelle: Webseite der Internationalen Automobilarbeiterkoordination