Kirchentag in Nürnberg
Die neue Friedensbewegung muss sich stärken
Die ganze Innenstadt ist geflutet von Teilnehmern des Kirchentags; sie kommen aus ganz Deutschland, teilweise auch aus anderen europäischen Nachbarländern (Italien, usw.). Vieles wird von ehrenamtlichen Helfern organisiert. Die Stadt stellt die besten Plätze, Schulen, Räume, usw. kostenfrei zur Verfügung. Es gibt ein Riesenprogramm: auf großen Bühnen, über die ganze Stadt verteilt. Das Motto ist: „Jetzt ist die Zeit!“ Es gibt drei Themen-Schwerpunkte: Krieg und Frieden, Umwelt und Flüchtlinge.
Am Freitag unterstützen Genossen der MLPD, Freunde von Solidarität International und vom Frauenverband Courage aus Nürnberg und Bamberg die Ausstellung „Nakba“ des Vereins „Kinder im Libanon in Not“, welche auf dem Kirchentag aufgrund von unhaltbaren Antisemitismusvorwürfen nicht zugelassen wurde. Das Ausstellungszelt wurde außerhalb des Kirchentags aufgebaut und war schnell umringt von interessierten Kirchentagsteilnehmern und Passanten. Viele diskutieren mit uns über die immer instabilere Weltlage und machen sich Sorgen.
Von der Friedenskundgebung und -demonstration wird berichtet:
„Jetzt ist die Zeit für Frieden“ war das Motto in Nürnberg. Ca. 250 bis 300 Teilnehmer treffen sich am Rosa-Luxemburg-Platz um einmal über den Hauptbahnhof durch die Innenstadt zu demonstrieren.
Zu dieser Friedensdemonstration riefen folgende Organisationen auf: Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, Arbeitsstelle kokon, Ev. AG für KDV und Frieden, AG Frieden fürs Klima, Bündnis für Frieden und soziale Gerechtigkeit, Fürth, DFG-VK, Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK), Forum FriedensEthik (FFE), Fränkisches Bildungswerk für Friedensarbeit, Friedensmuseum Nürnberg, Fürther Friedensforum, Initiative gegen Militärmusikkorps, Initiativkreis Frieden in der ELKB, Institut für Theologie und Politik, IPPNW, NEFF, Netzwerk Friedenssteuer, Nürnberger Friedensforum, Ohne Rüstung Leben, Ökumenisches Netz Bayern, Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge. Mit dabei waren einige Gewerkschafter, PAX-Christi, Linkspartei, Genossen der MLPD und der neuen Friedensbewegung, DKP und einzelne aus der autonomen Szene.
Die neue Friedensbewegung mit Fahne und Genossen der MLPD diskutierten mit den Teilnehmern, was ihr Fazit vom diesjährigen Kirchentag ist und über den Aufbau einer neuen Friedensbewegung. Viele sind begeistert von dem guten Programm. Doch die überwiegende Mehrheit ist auch enttäuscht von den Kirchenoberen, dass diese sich einhellig auf Regierungskurs stellen. Das es immer nur heißt, es gibt keine andere Möglichkeit, als Waffen zu liefern. Und vor allem ärgert sie, dass es über Krieg und Frieden eben keine offene Diskussion gibt, sondern Meinungen, wie die von Margot Käßmann, unterdrückt werden. Viele der überwiegend älteren Teilnehmern waren damals bei der großen Friedensbewegung dabei und sehnen sich nach diesen Zeiten zurück. Schnell drehen sich die Diskussionen auch um den Kapitalismus / Imperialismus und wie wir Kriege abschaffen können. Ein Teilnehmer aus der Schweiz, der die MLPD von Twitter kennt, meint, es sei eben alles nur noch Realpolitik ohne Visionen. Darüber kommen wir ins Gespräch, ob die Realität nicht eher die Vorbereitung eines Dritten Weltkriegs ist, usw. und dass der Kapitalismus eben als alternativlos erscheinen soll. Er berichtet von der Podiumsdiskussion "Welchen Frieden wollen wir?". Dort traten unter der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Sven Giegold (Grüne), Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer und der EKD-Friedensbeauftragte und Landesbischof der EKM, Friedrich Krame, auf. Der einzige, der hier wirklich eine Friedensethik vertrat und Kritik an den immer weiteren Waffenlieferungen und der Kriegsbeteiligung übte, war Bischof Friedrich Kramer.
Zwei Frauen berichteten mir, sie könnten das „Für die Waffenlieferungen“ nicht mehr hören und suchten regelrecht nach einem alternativen Programm. Ein Teilnehmer fragte auch, warum sich die Kirche nicht ihren eigenen Standpunkt erarbeitet. Hier sind viel zu viele Politiker, von Söder bis zum Steinmeier. Bereits beim Eröffnungsgottesdienst war das so. Unser Fazit: Die neue Friedensbewegung muss sich stärken und wird auch Mitstreiter unter den ehrlichen Christen gewinnen.