Veranstaltung mit Stefan Engel in München

Veranstaltung mit Stefan Engel in München

"Das war ein Stück der Bewegung für den streitbaren Materialismus!"

"Das war ein Stück der Bewegung für den streitbaren Materialismus!" So ein Teilnehmer der gestrigen Veranstaltung in München mit Weißwurstfrühstück, Vorstellung von "Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft" durch den Autor Stefan Engel und engagierter Diskussion.

Von gis
"Das war ein Stück der Bewegung für den streitbaren Materialismus!"
Stefan Engel (re.) mit dem Veranstaltungsmoderator am 11. Juni 2023 in München (rf-foto)

Weißwurstfrühstück mit hitzigen Debatten hat in Bayerns Wirtshäusern eine lange Tradition, meistens unter Männern. Gestern fand ein solches nicht im Wirtshaus, sondern im luftigen, schön geschmückten Saal vom EineWeltHaus in München statt. Lebhaft ging es auch zu, selbstverständlich mit Frauenbeteiligung und in guter demokratischer Streitkultur. Über 50 interessierte Leute waren gekommen.

Wir verteidigen entschieden die Wissenschaft gegen Wissenschaftsfeindlichkeit

Stefan Engel, Leiter der Redaktion des theoretischen Organs der MLPD und bis 2017 langjähriger Parteivorsitzender, brach eine Lanze für die Verteidigung echter Wissenschaftlichkeit. "Wir sind ganz bestimmt keine Vertreter von Wissenschaftsfeindlichkeit, wenn wir von der Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft sprechen." "Die dialektische Kritik und Selbstkritik zielt darauf, einer dialektisch-materialistischen Naturwissenschaft als fundamentalem Bestandteil des wissenschaftlichen Sozialismus den Weg zu bereiten", zitiert er aus dem Buch (Seite 8). Im Mittelpunkt der Kritik stehen die krisenhaften, schädlichen Rückwirkungen der bürgerlichen Ideologie auf den Fortschritt der Naturwissenschaften, die die Wissenschaftlichkeit tendenziell untergraben und gravierende negative Folgen für die Menschen und die Natur haben. Dies geschieht mit der Vermischung von Idealismus und Materialismus - ohne Anleihen beim Materialismus wären die bürgerlichen Naturwissenschaftler unglaubwürdig und würden bestimmt nicht das Ansehen als vermeintlich neutrale Experten genießen.

Irrpfade in der bürgerlichen Umweltforschung

Die MLPD ist zu der Qualifizierung gekommen, dass eine neue Phase der Umweltkrise begonnen hat, die globale Umweltkatastrophe. Irreversible zerstörerische Prozesse haben eingesetzt, die ohne weiteres Zutun der kapitalistischen Produktionsweise voranschreiten. "Für diese Qualifizierung war wesentlich unsere weltanschauliche Kritik am Begriff Klimawandel". Erstens ist "Wandel" eine große Verharmlosung. Zweitens verstellt die Einengung auf "Klima" den Blick. Mit Produkten und Strategien gegen den sogenannten Klimawandel machen Monopole heute ein Riesengeschäft - mit gigantischen Windparks, Solaranlagen, Emissionshandel. "Mit einer Beendigung des Raubbaus an der Natur ließe sich hingegen kein Profit machen", so Stefan Engel. Die MLPD hat die These aufgestellt, dass die globale Umweltkatastrophe eingesetzt hat. Die Redaktion Revolutionärer Weg arbeitet jetzt an einer neuen Ausgabe des Revolutionären Weg, einem Ergänzungsband zu "Katastrophenalarm!" Darin wird die These umfassend bewiesen werden.

 

Beispiel für einen Irrpfad der bürgerlichen Umweltforschung ist die Sache mit dem Ozonloch. Laut Bundesregierung wächst es seit 2019 zu. Jetzt haben Forscher die Realität untersucht und festgestellt: Es dehnt sich aus! Die bisherige "Forschung" arbeitete wie bei anderen Fragen auch mit reinen Berechnungen - so viel weniger FCKW gelangt in die Atmosphäre, soviel schließt sich das Ozonloch. Aber das Ozonloch wird eben nicht nur durch das FCKW verursacht. Durch die Erderwärmung wird die Kälte in der Stratosphäre stärker. Das zersetzt die Ozonschicht. Schon allein für die Feststellung, dass das Ozonloch eben nicht zuwächst, bekamen diese Forscher einen Maulkorb. Stefan Engel wandte sich entschieden gegen die Kriminalisierung der "Letzten Generation" und berichtet, dass ein Vertreter dieser Bewegung auf dem Rebellischen Musikfestival großes Interesse an einer Strategiedebatte geäußert hat.

Können Krankheiten nur mit natürlichen Stoffen geheilt werden?

In der medizinischen Forschung und Praxis dominiert heute die idealistische und metaphysische Denk- und Arbeitsweise. Stefan Engel berichtet, dass er mit vielen Ärzten und Beschäftigten im Gesundheitswesen diskutiert hat und diskutiert. Viele fühlen sich durch die Beschränktheit ihrer Ausbildung und die Vereinzelung der Erkenntnisse und Maßnahmen eingeengt. Gegen Kopfschmerzen bekommst du Schmerztabletten, gegen Bluthochdruck blutdrucksenkende Mittel - eine ganzheitliche Betrachtung unterbleibt in der Regel. Er hat z. B. erlebt, wie erfahrene Krankenschwestern junge Ärzte ausbilden und die da wesentlich mehr lernen als im Studium. Es reicht nicht, das kapitalistische Gesundheitswesen politisch zu kritisieren, es bedarf der weltanschaulichen Kritik. Bei der sogenannten alternativen Medizin muss man unterscheiden zwischen noch nicht gründlich erforschten, aber wirksamen Methoden (z.B. dem auf der Schwäbischen Alb beheimateten Wirsingwickel gegen eine Entzündung der Achilles-Sehne) und reiner Scharlatanerie und Esoterik.

 

Dass "nachgebaute" künstliche Medikamente nicht zur Heilung verhelfen können - so ein Beitrag aus dem Publikum - ist weltanschaulich nicht richtig. Ein künstliches Kniegelenk besteht nicht aus Naturstoffen. Trotzdem verhilft es Menschen zu Mobilität und neuer Lebensqualität. Auch Impfstoffe sind ein riesiger Menschheitsfortschritt. Die Corona-Pandemie hätte Hunderttausende weiterer Todesopfer gekostet ohne Impfen. Selbstverständlich müssen wir umfassende und gründliche Forschung zur Verbesserung der Impfstoffe fordern.

Muss denn alles auf der Welt wissenschaftlich erklärt werden?

Dass die Urknall-Theorie trotz mannigfacher Widerlegung in der bürgerlichen Physik noch immer fröhliche Urständ feiert, ist ein echtes Phänomen. Erst im vergangenen Jahr wurden mit dem neuen leistungsfähigen Teleskop Galaxien entdeckt, die es nach dem modernen Schöpfungsmythos "Urknall" nicht geben dürfte. Das Bedürfnis der Herrschenden auf der Welt nach diesem Mythos ist so groß, dass noch heute kritische Stimmen am Urknall unterdrückt werden wie einst Galileo Galilei. Muss denn alles auf der Welt wissenschaftlich ergründet werden, gibt es nicht auch Unfassbares, fragt eine Diskussionsteilnehmerin. Zum einen wenden wir uns gegen die unwissenschaftliche Auffassung, dass nur, was man persönlich sieht und erfährt, wirklich ist. Zum anderen gibt es Dinge, die heute tatsächlich noch nicht erkannt werden können und fassbar sind. Das heißt aber nicht, dass das auf immer so bleiben muss. Die Menschheit strebt immer nach Vervollständigung ihrer Erkenntnisse. Bisherige Erkenntnislücken brauchen nicht mit Mystik gefüllt werden.

"Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft" massenhaft verbreiten

Weitere Themen der Veranstaltung und der lebendigen Diskussion - die Rednerliste wollte gar kein Ende nehmen - waren Beispiele aus Biologie, Psychologie und Erfahrungen beim Verkauf des Buches. Eindrückliche Diskussionsbeiträge wenden sich gegen die These aus der bürgerlichen Biologie, "der Mensch" sei für eine sozialistische Gesellschaft zu egoistisch. Man denke an den riesigen Enthusiasmus der Volksmassen beim Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion und in China. Gerade unter Arbeitern ist das Interesse am Buch "Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft" enorm. Kulturvoll endet die Veranstaltung mit dem legendären spanischen Bergarbeiterlied „Santa Barbara“, das zur Hymne der internationalen Bergarbeiterbewegung geworden ist.

 

 

 

 

 

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