Das Buch schafft, was mein engagierter Physiklehrer nicht geschafft hat

Das Buch schafft, was mein engagierter Physiklehrer nicht geschafft hat

Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft

Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert eine Rezension zum Buch „Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft“ von Stefan Engel:

Korrespondenz aus Bamberg

Beim Lesen dieses Buches war ich bass erstaunt, dass ausgerechnet ein Buch mit dem Titel, „Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft“ das schafft, was mein engagierter Physiklehrer damals nicht geschafft hat: dass sich mir ein Blick in wesentliche naturwissenschaftliche Zusammenhänge aus der Physik, aber auch auf anderen Gebieten, wie etwa der Biologie, eröffnet hat. Wie ist dem Autor des Buchs das gelungen? Das Buch greift die weit verbreitete These an, dass die Naturwissenschaften etwas neutrales, von der Weltanschauung unabhängiges, sind. Insbesondere greift es den Einfluss des Positivismus und Pragmatismus in der bürgerlichen Naturwissenschaft an, weil dieser deren Wissenschaftlichkeit und damit die Fähigkeit, die Lösungen für die drängenden Probleme zu finden, hemmt.

 

In unserem Physikunterricht spiegelte sich die idealistische Herangehensweise wider. Der Lehrer hat sich jede Mühe gegeben, uns die einfachsten Gesetze beizubringen. Ich konnte diese Vorgänge und Formeln zwar einzeln für sich verstehen, konnte sie auswendig, aber ich wusste diese nicht in das ganze System der Physik einzuordnen.

 

Für die „Fata Morgana einer Physik ohne Weltanschauung“ stand der renommierte Astrophysiker Stephen Hawking. Er wird auf Seite 53 zitiert: „Die Philosophie ist tot. ... Jetzt sind es die Naturwissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbringen.“ Es soll also egal sein, mit welcher Denkweise geforscht wird und mit welcher Denkweise Schlussfolgerungen daraus gezogen werden? Diesen Unsinn lässt dieses, der Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung der Menschheit verpflichtete, Buch natürlich nicht unwidersprochen stehen. Sondern es lässt niemand anderen als Friedrich Engels, den Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus, darauf antworten: „Die Naturforscher glauben sich von der Philosophie zu befreien, indem sie sie ignorieren oder über sie schimpfen. Da sie aber ohne Denken nicht vorankommen und zum Denken Denkbestimmungen nötig haben, ... stehn sie nicht minder in der Knechtschaft der Philosophie, meist aber leider der schlechtesten, und die, die am meisten auf die Philosophie schimpfen, sind Sklaven grade der schlechtesten vulgarisierten Reste der schlechtesten Philosophien.“

Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft

166 Seiten

ab 17 €

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In Anbetracht der aktuell wegen der Abschaltung der letzten drei AKWs neu entbrannten Debatte um das „Für“ und „Wider“ der Atomkraft, frage ich mich, welcher schlechtesten Philosophie entlehnen Markus Söder & Co ihre Argumente für das Festhalten an der Atomkraft?

 

In jedem Kapitel führt das Buch einen lebendigen Streit für einen materialistischen Blick auf das jeweilige Sachgebiet. Es gibt den Blick auf die hinter bestimmten Methoden und Deutungen stehende Weltanschauung frei. Die Leserin und der Leser kann erkennen, wie die bürgerliche Naturwissenschaft unter dem Einfluss des Idealismus, von Positivismus und Pragmatismus, selbst Teil des Problems geworden ist. Des Problems, dass trotz mannigfaltiger neuer Erkenntnisse auf allen Gebieten der Wissenschaft, das Leben der Menschheit immer mehr infrage gestellt wird. Um das positiv aufzulösen, entwickelt das Buch am Ende - unter Berufung auf Lenin - die Anforderung eine regelrechte „Bewegung des streitbaren Materialismus“ zu entfalten.

 

„Unsere unbedingte Pflicht ist es, alle Anhänger des konsequenten und streitbaren Materialismus im Kampf gegen die philosophische Reaktion und gegen die philosophischen Vorurteile der sogenannten ‚gebildeten Gesellschaft‘ zu gemeinsamer Arbeit heranzuziehen. ... Nicht minder wichtig ... ist für die vom streitbaren Materialismus zu leistende Arbeit das Bündnis mit den Vertretern der modernen Naturwissenschaft, die dem Materialismus zuneigen“.

 

Resümee: Das Buch hilft dabei, optimistisch in die Zukunft zu blicken! Wenn der Materialismus sich gegen den Idealismus durchsetzt, wird die Menschheit die Ausbeutung von Menschen und Natur beenden und mit Hilfe der dann befreiten Naturwissenschaften ihre Probleme lösen können.