"Blitz"-Extraausgabe

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Opel Eisenach: Ein wirkungsvolles Sicherheitssystem muss her!

Der Blitz, Zeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, hat eine Extra-Ausgabe herausgebracht.

Dokumentiert

Mit der Gründung einer eigenständigen GmbH in Eisenach wurden die Bedingungen dafür geschaffen, die Gewinne mit den Verlusten anderer Gesellschaften im Konzern verrechnen zu können. Wie schon die letzten 30 Jahre, werden mit diesem Trick auch garantiert die nächsten drei Jahre keine Gewerbesteuern von Opel an die Stadt Eisenach bezahlt. Unseren Aktionstag haben die Konzernherren nicht vergessen. So ist es gleichzeitig ein Versuch, die Konzernbelegschaft zu spalten und damit die einzelnen Standorte besser erpressen zu können.

 

Beim Besuch des Topmanagers A. Debeuf wurde deutlich, wo die Reise hingehen soll. Nach seiner Aussage liegen die Produktionskosten pro Fahrzeug bei 2600 Euro. Ziel ist es, diese Kosten auf 1000 Euro zu drücken.

Da wissen wir schon jetzt, was kommt. Zum Beispiel wurde in Bochum (auch eigenständige GmbH) die Arbeitszeit von 35 wieder auf 38 Stunden in der Woche erhöht. Das alles ohne Lohnausgleich. Das ist faktisch eine Lohnkürzung von 11 Prozent. Aber nicht nur bei den Löhnen wird der Preis gedrückt. Um die Kosten für den Umbau klein zu halten, hat man die billigste Firma beauftragt. Ein neuer „bester Anlauf aller Zeiten“ wäre also kein Wunder.

 

Nicht zuletzt wird auch bei der Arbeitssicherheit gespart. Es ist kein Zufall, dass in den letzten zwei Jahren in der Logistik eine ganze Serie an sehr schweren Arbeitsunfällen passierte. Nur durch großes Glück ist bisher niemand dabei zu Tode gekommen. Anfang Dezember stürzte eine Kollegin mit dem Stapler von der Entladerampe, weil der LKW in dem Moment, als sie auf den RKW fahren wollte, nach vorne fuhr. Hier hatte man schon beim Errichten des Gebäudes E100 aus Kostengründen auf ein Sicherheitssystem, das so etwas ausschließt, verzichtet. Seit Jahren haben die Kollegen und der Betriebsrat aus dem Bereich, mündlich wie schriftlich, auf die großen Probleme mit den Ampelanlagen und Sicherungsvorrichtungen an den Toren hingewiesen. Auch durch Beinaheunfälle war das Problem allen im Bereich bekannt. Doch obwohl die Störungen ständig gemeldet wurden, wurde nicht oder nur provisorisch repariert. Nicht mal die Billig-Sparversion wurde richtig instandgehalten. Das war ihnen wohl zu teuer. Stellantis macht 8 Milliarden Gewinn, hat aber kein Geld für unsere Sicherheit übrig.

 

Soviel zu ihrer Phrase: „Die Gesundheit der Mitarbeiter steht an erster Stelle.“ Der letzte Unfall brachte dann das Fass zum Überlaufen. Die Kollegen schrieben die Werksleitung an und forderten:

 

  1. Dass die Werksleitung in den Bereich kommt!
  2. Ein wirkungsvolles Sicherheitssystem, das solche Unfälle ausschließt!
  3. Personelle Konsequenzen!

 

Der Werksleiter kam nicht. Stattdessen fanden zwei Versammlungen mit der Bereichsleitung während der Arbeitszeit statt. Bei der ersten Versammlung versuchte der Manager Schlegel noch frech, den Kollegen die Schuld für den Unfall in die Schuhe zu schieben. Das ließen die Kollegen nicht stehen und bestanden auf ihren Forderungen.

 

Daraufhin versuchte Schlegel panisch, die Versammlung abzubrechen, mit der Begründung, der Unfall würde „politisch instrumentalisiert“. Doch die Kollegen ließen sich von diesem antikommunistischen Manöver nicht verunsichern, diskutierten offensiv weiter und erst, als alles gesagt war, gingen die Kollegen selbstbewusst nach 45 Minuten wieder an die Arbeit.

 

Auch Werksleiter Escher versuchte auf der letzten Betriebsversammlung, den Kampf der Kollegen als „politisch instrumentalisiert“ zu diffamieren. Die Ausbeutung unserer Arbeitskraft und die Zerstörung unserer Gesundheit für die Maximalprofite ist die Politik der Kapitalisten. Der Schutz unserer Gesundheit und der Kampf zur Überwindung von Ausbeutung und Unterdrückung ist die Politik der Arbeiter. Die Kritik an ihrer Politik wollen sie uns verbieten? Nicht mit uns! Wir sind gut beraten, auch im neuen Jahr für unsere Interessen und Forderungen offensiv zu kämpfen und uns dabei nicht durch den Antikommunismus aufhalten zu lassen.