Joseph Ratzinger
Der historische Aufstieg und Fall des Chefideologen der Katholischen Kirche
"Rote Fahne News" hat die extrem reaktionäre Gesinnung des verstorbenen Josef Ratzinger treffend charakterisiert. Es fehlt noch die historische Einordung. Warum wurde er eigentlich Papst und warum trat er zurück?
Ratzinger verdiente sich von 1968 bis 1976 als Professor für Dogmatik in Regensburg seine Sporen. Er war „der unbestittene Star der theologischen Fakultät…, Seine Vorlesungen waren bestens besucht, sein rhetorisches Geschick begeisterte“, berichtet ein ehemaliger Student und zeitweiliger Wegbegleiter [1]. Weit größer war damals unter der Jugend auf der ganzen Welt die Begeisterung für den Marxismus-Leninismus, ausgelöst durch die Kulturrevolution in China. Die Kirchenoberen wurden auf Ratzinger aufmerksam. Sollte in Deutschland, dem Land der Philosophen Kant, Hegel, Marx usw. eine neuer Stern philosophischen Denkens aufgehen? Sie wähnten in ihm einen, der wirkungsvoll die neu aufkeimende Hoffnung für den Sozialismus unter der Jugend auslöschen kann. Ratzinger stieg kometenhaft die Karriereleiter in der katholischen Hierarchie auf, wurde ihr führender Philosoph und Ideologe zur Verteidigung der katholischen Glaubenslehre, dann 2005 Papst.
Ab da geriet er in die Defensive, nur noch bemüht, mit Sturheit und Repression das Ansehen der Kirche schadlos zu halten. Und so kommentiert der oben zitierte Wegbegleiter, „dass Benedikt letztlich selbst zum Opfer dieser Ideologie wurde und sein Amt zur Verfügung stellte, als er die Aussichtslosigkeit erkannte, das Bild der intakten Kirche angesichts von vatikanischer Korruption und Missbrauchsskandale der katholischen Kirche aufrechtzuerhalten". Genüsslich kommentiert die Süddeutsche Zeitung vom 2. Januar 2023: „Benedikt XVI. ist es als erstem Theologen seit Martin Luther gelungen, die Macht der katholischen Kirche zu erschüttern.“
In einem hatten die erzreaktionären Kirchenfürsten durchaus Richtiges geahnt. Deutschland ist ein Land, das philosophische Fähigkeiten hervorbringt. Aber auf der Gegenseite, wo die MLPD in den letzten 40 Jahren die von Marx und Engels begründete Wissenschaft für die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung schöpferisch weiterentwickelt hat. Genau das, wogegen ein Ratzinger seinen Feldzug angetreten hat.