Dürre-Alarm
Werden extreme Temperaturen zur neuen "Normalität"?
„Heutige Extremjahre mit 20 Hitzetagen werden Durchschnittssommer zum Ende des Jahrhunderts, wenn wir in den kommenden Jahren nicht massiv gegensteuern“(1), so Peter Hoffmann von Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK). Selbst am Polarkreis wurden kürzlich Temperaturen von 34 Grad gemessen.
Rote Fahne News berichtete am 20. Juli über die Hitzewelle in weiten Teilen Europas und stellte fest, dass wir es mit einer neuen Qualität einer länderübergreifenden Umweltkatastrophe zu tun haben.
So erleben wir mitten in Europa eine fünfjährige Dürre mit kurzer Unterbrechung. Im März regnete es in Deutschland pro Quadratmeter nur rund 20 Liter, während der Vergleichswert im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 noch bei knapp 60 Litern lag. Das wiederum führt in weiten Teilen Deutschlands zu einer Bodentrockenheit bis in 1,8 Meter Tiefe. Der Dürre-Monitor des Umweltforschungszentrums verzeichnete für weite Teile eine „außergewöhnliche Dürre“.1
Dramatische Folgen für die Welternährung
Die französische Regierung hat wegen der schweren Dürre einen Krisenstab eingesetzt. Die britische Regierung erklärt für große Landesteile den Dürre-Notstand. Das wird den weltweiten Hunger verschärfen. Einem neuen Gutachten des Weltklimarates (IPCC) zufolge könnte die indische Reisproduktion bei einem Temperaturanstieg um 4 Grad um 30 Prozent zurückgehen, die Maisproduktion um 70 Prozent.
In Verbindung mit der anhaltenden Trockenheit und Dürre verschärft sich auch das Artensterben und die Zerstörung von Ökosystemen. Gewässer schrumpfen und Seen trocknen aus. Die Pegel der Flüsse sinken, auf dem Rhein sind die Binnenschiffe nur noch zu einem Drittel beladen - mit weitreichenden Folgen für den Gütertransport. Kohle für die Kraftwerke wird bereits knapp. Auch das Kühlwasser für die AKW und andere aus Flüssen gekühlte Kraftwerke wird bedrohlich knapper und wärmer.
Gletschersterben beschleunigt sich
In den Alpen schmelzen die Gletscher so schnell wie nie zuvor, einer der fünf deutschen Gletscher - der südliche Schneeferner - wird diesen Sommer voraussichtlich nicht überstehen. Die Kombination der starken Sonneneinstrahlung mit wenig Schneefall im letzten Winter und dem abgelagerten Saharastaub - was die Rückstrahlung des Lichts reduziert - wird ihm den Rest geben.
Die Kombination aus niedrigem Pegel und hohen Wassertemperaturen wirkt toxisch auf das Ökosystem. Der Rhein wird giftig. In der sächsischen Schweiz brannte eine Fläche in einer Größe zwischen 140 und 150 Hektar - etwa so groß wie Helgoland.
Rückkopplung durch Wald- und Buschbrände
Durch zahlreiche Wald- und Buschbrände werden Rückkopplungsschleifen in Gang gesetzt oder verstärkt: Wälder können durch die Verschattung großer Flächen teils die Temperaturen bei Hitzewellen um bis zu 15 Grad senken, sie reduzieren das CO2 in der Atmosphäre, sie halten Feuchtigkeit fest. Nun hat der Hitzesommer 2022 durch Gletscherschmelze in der Schweiz einen Pass teilweise freigelegt, der seit mindestens 2000 Jahren mit Eis bedeckt war. Wenn die globale Mitteltemperatur ansteigt, werden die extremen Ausschläge nach unten und oben zunehmen. Dann haben wir auf der einen Seite die extreme Hitze und dann wieder Unwetterkatastrophen und Überschwemmungen.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) findet sich damit ab: „Hitzewellen und Trockenperioden werden häufiger und intensiver.“ Ihre durchgreifende Lösung: „Trinkbrunnen mit Leitungswasser gehören zu den Basisbausteinen einer guten Hitzevorsorge.“2 Nichts gegen Trinkbrunnen und Hitzevorsorge - aber das ist Augenwischerei und blanker Hohn für Mensch und Natur.
Folgen der Unterordnung der Umweltpolitik unter den Kriegskurs
Diese Regierung betreibt gerade ein regelrechten Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik, indem sie diese ausdrücklich der Sicherheitspolitik unterordnet und dies auch offen so rechtfertigt. Das hat aber genau diese gefährliche Entwicklung zur Folge und stellt damit die Existenz der Menschheit in Frage. Die Herrschenden nehmen das bewusst und mutwillig in Kauf.
Notwendig ist nicht in erster Linie "Hitzevorsorge", sondern die Bekämpfung der Ursachen des beschleunigten Übergangs in eine globale Umweltkatastrophe. Von den Ursachen in der kapitalistischen Profitwirtschaft will Lemke aber ablenken: dem weitgehend ungebremsten und wieder ansteigenden CO2-Ausstoß, der Vernichtung der Wälder, der industriellen Wasserverschwendung und vielem mehr. Sie spricht aber auch nicht von den Arbeitern, die in den Industriehallen schwitzen, genauso wenig wie von den Bauern, die keine Ernteerträge mehr einfahren, oder den Menschen, die ihr Haus oder ihr Land aufgrund von Bränden und Dürre verlieren, die weltweit hungern und fliehen müssen!
Den Herrschenden die Welt aus der Hand nehmen
Bis 2070 werden Einschätzungen zu Folge 2 Milliarden Menschen von extremer Hitze betroffen sein. Das heißt, dass viele Menschen sterben oder fliehen, da der menschliche Körper besonders aufgrund feuchter Hitze nicht mehr durch Schwitzen abkühlen kann.
Das werden wir verhindern! Wir brauchen Schutz vor der Hitze und wir werden uns nicht mit Trinkbrunnen abspeisen lassen. Vor allem müssen wir gesellschaftsverändernd kämpfen und den Herrschenden die Welt aus der Hand nehmen – eh sie verbrennt!