Ein Jahr nach dem Hochwasser in Hagen
Stolz und Vertrauen auf die Massen – Unverständnis und Wut für die Regierenden
211 Liter Regen pro Quadratmeter ergossen sich vor einem Jahr über Hagen - und anschließend auch über weite Teile Deutschlands. Kleinste Bäche fluteten die Hohenlimburger Täler und rissen alles mit sich. Eine Folge davon, dass diese in den letzten Jahren wegen Trockenheit und Dürre kaum mehr Wasser aufnehmen konnten.
Die sofortige und breite Solidarität Tausender Menschen, mit praktischer Hilfe oder auch mit Sach- und Geldspenden, war und ist überwältigend. Auch viele Stahlarbeiter retteten zuerst bis tief in die Nacht ihren Betrieb und halfen dann wochenlang in den betroffenen Wohngebieten mit ihrem ganzen technischen Know-how. Noch heute sind viele Menschen dabei, dieses Ereignis zu verarbeiten - materiell und psychisch. Am Jahrestag sprechen viele Kollegen von Thyssen darüber. Ein Kollege berichtet: „Weißt du noch, vor einem Jahr?“. Sofort fangen die Gespräche darüber an, wer wo war und wie man sich half.
Die Schutzmauer, die sein Haus vor dem direkt angrenzenden Bach schützen soll, musste komplett neu aufgebaut werden. Da diese aber nicht zum Haus gehört, sind die Kosten von 80.000 bis 100.000 Euro „Privatsache“. Ohne die Mauer kann er das ganze Haus aber nicht mehr sicher benutzen. Von Kollegen wurde Geld gesammelt und auch einzelne Initiativen halfen: Und heute steht die Mauer. Vom Land Nordrhein-Westfalen aber hat er noch kein Geld gesehen. Es ist ein ewiges Warten auf Gutachten und Kostenvoranschläge. Er hat aber auch eine herbe Kritik an der Stadt und den Verantwortlichen, weil sie manche Stadtteile einfach abschreiben, sich nicht blicken lassen und bürokratisch handeln.
Die MLPD und der Jugendverband REBELL waren mit die Ersten, die umfassende Soforthilfe organisierten. So mobilisierten wir gemeinsam mit Freunden und Bekannten, Vereinen und Selbstorganisationen mehrere Einsätze in den betroffenen Straßen; halfen bei der Versorgung, der Beschaffung von Arbeitsmaterialien, Elektrogeräten, usw. Für die Betroffenen stand im Vordergrund, irgendwie klar zu kommen und ihr Hab und Gut zu retten. Am Ende jedes Einsatzes stand jedoch immer die Frage: Warum ist das eigentlich so passiert und wer ist daran Schuld?
Unser Trumpf war, damals wie heute, das Buch: „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel. Wir hatten es immer dabei. Natürlich müssen wir uns für Sofortmaßnahmen im Umweltschutz einsetzen. Aber machen wir uns nichts vor: Das oben genannte Buch weist überzeugend nach, dass die Herrschenden die Erde im vollen Bewusstsein der tödlichen Risiken an die Umweltkatastrophe heranführen! Die Verhältnisse der kapitalistischen Konkurrenz verlangen heute von den internationalen Monopolen, bei Strafe ihres Untergangs, die Überausbeutung von Mensch und Natur auf die Spitze zu treiben (S. 8) Deshalb steht in der Überschrift auch „mutwillig“. Um eine wirklich radikale Wende einzuleiten, ist ein Kampf zur Überwindung der Profitwirtschaft notwendig.
Mit Flugblättern und Einsätzen im Wohngebiet halfen wir den Betroffenen sofort dabei, sich zu orientieren. Die Menschen in Hohenlimburg wuchsen zusammen wie lange nicht mehr, und wurden sich ihrer Kraft bewusst. Mit jedem Tag wuchs auch die Wut über den damaligen Landes"vater" Armin Laschet.
Laschet war ein absoluter Monopolpolitiker, der die Interessen der Monopole mit aller Konsequenz vertritt und scheinheilig Mitleid heuchelte. Er ließ den Hambacher Wald von Polizeihundertschaften brutal räumen. Das Ergebnis: Ein Toter. Und er boxte Datteln 4 durch - alles für die Energiekonzerne. Laschet und seine Regierung warnten die Menschen nicht, obwohl sie bereits frühzeitig, bis zu vier Tage zuvor, Bescheid wussten. Ohne die selbstlose Hilfe der Massen wären weite Teile immer noch zerstört. Wichtig war Laschet nur, die Bundeswehr im Innern einzusetzen. Die hatte hier nichts verloren und behinderte zum Teil die Helfer. Zu guter Letzt blockierte er eine ganze Feuerwehrhalle mit seinem Pressetross und lachte unverschämt in die Kamera. Damals sagten wir: Laschet darf niemals Kanzler werden! Heute wissen wir: Es ist uns gelungen!
Eins wurde deutlich: Wenn der Gedanke, das wir auf unsere eigene Kraft vertrauen können und müssen, einmal geboren wird, dann können wir alles schaffen - auch die Leistung, diesen verkommenen Kapitalismus zu überwinden! Auf diesem Wege wollen wir auch ein Jahr danach nochmal allen Spendern und Helfern danken.