Lesbos / Griechenland

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Neuer, glänzender Stacheldraht – eine Verbesserung?

Die Flüchtlinge aus dem Lager Kara Tepe auf Lesbos in Griechenland berichten:

Flüchtlinge aus Kara Tepe berichten
Neuer, glänzender Stacheldraht – eine Verbesserung?
Das neue Lager auf Samos: Eindeutig moderner, aber abgelegen und gefängnisartig gesichert. Eine bewusste Kriminalisierung der Flüchtlinge (foto: Solidarität Intenational)

Guten Morgen von Lesbos! Langsam wird der Tag kalt und windig, aber bei allem Wetter sind unsere Teams draußen und damit beschäftigt, das Camp sauber zu halten.

 

Nach einem langen Wochenende mit etlichen Protesten in Vathy (Stadt auf Samos) sowie in der Nähe zum neuen Camp, das dort gebaut wurde, gingen viele Flüchtlinge und schauten sich das neue Lager an. Das neue Lager kann man mit dem alten nicht vergleichen. Die Unterkünfte sind besser. Es gibt fließendes Wasser und Elektrizität. Das alte Lager war eindeutig unmenschlicher.

 

Allerdings isoliert es auch die Flüchtlinge von den Menschen in der Umgebung. Es ist sehr weit weg von Vathy, dem einzigen Ort auf der Insel, den die meisten von uns kennen. Auch das neue Lager, das auf Lesbos errichtet wird, soll sehr weit weg von Mytilene gebaut werden. Die Bewegungsfreiheit wird zusätzlich eingeschränkt. da man über eineinhalb Stunden zu Fuß braucht, um in die Stadt zu gehen. Ausgangssperren sind da noch gar nicht berücksichtigt. Auch wenn der Transport laut Behörden bereit gestellt wird, muss man 1,60 Euro für ein Ticket bezahlen. Das ist zu viel für uns.

 

Das neue überwachte und eingezäunte Gebiet in Zervou wird die Flüchtlinge nur noch weiter diskriminieren. Sie werden wie Kriminelle behandelt werden. Das Flüchtlingslager auf Samos - geplant für 3000 Asylbewerber - ist von militärischer Umzäunung umgeben, wird von der Polizei überwacht und ist in einem abgelegenen Tal gelegen. Es wird nicht nur von den Flüchtlingen als Gefängnis, als Alptraum, bezeichnet.

 

Wir können die Heuchelei der griechischen Regierung nicht mehr hören. Sie bezeichnen den neuen, glänzenden Stacheldraht als Verbesserung. Den alten, verrosteten konnte man in der Nacht nicht sehen. Jetzt glänzt der frische Stacheldraht auch in der Nacht.

Wir wiederholen daher:

Camps sind kein sicherer Ort.

Camps sind kein Ort für ein würdevolles Leben.

Camps sind nicht die Lösung.