Gelsenkirchen / Rebellisches Musikfestival
Wir kämpfen weiter und wir werden zusammen feiern!
„Haben sie schon vom Verbot des Rebellischen Musikfestivals gehört? Die Jugend kämpft für ihre und für unsere Zukunft. Sie lässt sich nicht alles gefallen. Vor diesem Hintergrund veranstaltet sie dieses Festival und dann wird das einen Tag vorher vom Bauamt verboten. Das ist doch respektlos, finden Sie nicht?“ So oder so ähnlich klang es heute Vormittag vorm Rathaus in Gelsenkirchen-Buer, in dem das Bauamt der Stadt untergebracht ist. Eine Protestaktion, bestehend aus Mitgliedern des Jugendverbandes REBELL, Aktivisten des Rebellischen Musikfestivals und Freunden von der MLPD machten die Verbotsandrohung des Bauamtes gegen das Festival öffentlich.¹
Anna Vöhringer, Vorsitzende des Jugendverbands REBELL, nannte die Dinge beim Namen: „Am 21. Juni haben wir alles ordnungsgemäß angemeldet. Einen Monat später werden wir ans Bauamt verwiesen und einen Tag vor Festivalbeginn kommt jetzt die Verbotsandrohung. Das ist eindeutig politisch motiviert.“
Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, wandte sich an Teilnehmer wie zahlreich vorbeikommende Passanten: „Also, ich fühle mich hier schon fast zu Hause, weil wir in den letzten Jahren als MLPD so häufig mit dem Bauamt zu tun hatten. Das ist kein Zufall, denn Bauminister ist seit einigen Jahren der Herr Seehofer, seines Zeichens Innenminister. Er versucht verschiedene Repressionen gegen die Opposition im Land, gegen fortschrittliche Leute über das Baurecht durchzusetzen.“
Weiter sprachen eine Vertreterin einer Umweltgruppe der MLPD, ein Vertreter der Anwaltskanzlei Meister & Partner, die den Eilantrag eingereicht hat, eine Kollegin aus Duisburg, die die Beziehungen des Festivals zur Arbeiterjugend zog, eine Kollegin aus Essen und Celina Jacobs, Mitglied des REBELL Gelsenkirchen und Mitglied des städtischen Ausschusses für Kinder, Jugend und Familien für das überparteiliche Kommunalwahlbündnis AUF Gelsenkirchen.
Unter anderem ging sie auf den antikommunistischen Hintergrund der Verbotsandrohung ein: "Vor dem letzten Rebellischen Musikfestival wurde Stefan Engel (Redaktionsleiter des theoretischen Organs der MLPD, REVOLUTIONÄRER WEG, Anm. d. Red.) zum "Gefährder" erklärt, weil er einer der Schirmherren des Festivals war. Die anderen Schirmherren allerdings nicht. Dann wurde erklärt, dass Grup Yorum, die nirgends verboten sind, nicht spielen dürften. All das wurde durchgekämpft. Und wir waren ja jetzt auf dem Sommercamp des REBELL in Thüringen, wo Stefan Engel erfolgreich gegen seine "Gefährder"-Kriminalisierung geklagt und gewonnen hat. Ihnen ist das Rebellische Musikfestival ein Dorn im Auge und deshalb gehen sie dagegen vor." Sie beschrieb die nicht einfache Situation der Jugend in Gelsenkirchen, weshalb das Festival als Ort der Verständigung, Kommunikation und mit einer echten Zukunftsperspektive genau richtig ist.
Ein Mitglied der Kölner Band „Gehörwäsche“ war ebenfalls anwesend, und betonte die Solidarität der Musiker. Er erklärte, wie schwer es im Moment für Künstler durch Corona ist, überhaupt zu Auftritten zu kommen. Jetzt wird eine solche Auftrittsmöglichkeit für 20 Bands mit politisch motivierten und an den Haaren herbeigezogenen „Gründen“ abgesagt. Er untermalte die Protestkundgebungen musikalisch mit den Liedern „Bella Ciao“ und dem von Flüchtlingen mit ihm zusammen geschriebenen Lied „United we stand“.
Anna Vöhringer verlas einige Solidaritätserklärungen für das Festival. Unter anderem diese aus München: "ich und meine Freunde reisen extra aus München an, auch weil das Hygiene-Konzept in Corona-Zeiten nachhaltig und fast schon übertrieben vorsichtig-vorbildlich ist. Es wäre ein fatales Signal, wenn die Stadt Gelsenkirchen aus augenscheinlich nicht nachvollziehbaren Gründen dieses Musikfestival nicht erlauben würde. In so wichtigen Zeiten der Skepsis, der rechtslastigen Skandale und Enttäuschungen in unsere demokratischen Institutionen ist es umso wichtiger zu beweisen, dass es nicht zu Diskriminierung kommt. Wenn lobbystarke Interessengruppen volle Fußballstadien erlauben, dann sollte dieses verhältnismäßig kleine Musikfestival auch möglich sein. ... Schöne Grüße aus München"
Viele Jugendliche von den umliegenden Schulen und vom nahen Busbahnhof blieben stehen, kamen ins Gespräch und zeigten sich interessiert. Ein palästinensischer Jugendlicher kaufte noch direkt vor Ort ein Festival-Ticket. Natürlich war die Stimmung auch polarisiert und einige Passanten zeigten entweder kein Interesse oder auch offen Ablehnung. Aber Interesse, Solidarität und Empörung waren in der Überzahl. Bevor es zu einem Straßenumzug auf die Hochstraße in Buer ging, war man sich einig: „Wir kämpfen weiter und wir werden zusammen feiern.“