4. Rebellisches Musikfestival

4. Rebellisches Musikfestival

Begeisternde rebellische Musik und Kultur im Herzen des Ruhrgebiets

Erstmals findet das Rebellische Musikfestival dieses Jahr im Nienhauser Park in Gelsenkirchen statt. Dreimal war es zuvor im thüringischen Truckenthal zu erleben. Auch das vierte Festival präsentiert wieder tolle Bands und Highlights.

Von RF-Redaktion
Begeisternde rebellische Musik und Kultur im Herzen des Ruhrgebiets
Tanz bis in den späten Abend (Foto: RF)

Die Stimmung ist bombig, auch wenn Corona-bedingt etwas weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer als in den Vorjahren hier sind. Ein Gelsenkirchener: "Ich freue mich so, dass ich nach zwei Jahren endlich mal wieder auf einem Festival sein kann. Und dann noch eines mit so einer tollen politischen Botschaft."

 

Es ist ein wirkliches Jugendfestival mit vielen Jugendlichen und Kindern mit internationaler Zusammensetzung. Flüchtlinge leisten einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Programms. Dass es öfter regnete, tat der Stimmung keinen Abbruch. Alle packten mit an, um das Festival regen- und schlammfest zu machen. Da wurden Planken über den Platz gelegt, auf denen man trocken gehen konnte, da wurde künstlicher Rollrasen auf der Tanzfläche ausgelegt.

 

Dass dieses Festival, das für Antifaschismus, Internationalismus und eine Perspektive für die Jugend steht, überhaupt stattfinden konnte, war alles andere als selbstverständlich. Es musste auch dieses Mal wieder gegen antikommunistisch motivierte Attacken durchgekämpft werden - erfolgreich!

Verbotsdrohungen scheiterten erneut

Am 25. August verweigerte das Bauamt der Stadt Gelsenkirchen in einer E-Mail die Genehmigung des Bauantrag für das Rebellische Musikfestival. Dabei hieß es noch am Morgen, dass nur einzelne Dinge zu klären wären. Die baurechtlichen Gründe waren offensichtlich nur vorgeschoben. Schon 2018 wurde ausgehend von Innenminister Seehofer und dem damaligen Verfassungsschutz-Chef Maaßen dem letzten Festival mit Verbot gedroht und Stefan Engel, einer der Schirmherren, wurde zum „Gefährder“ erklärt. Wie damals scheiterten die Antikommunisten auch dieses Mal kläglich damit.

 

Am Freitag Nachmittag um 16 Uhr eröffnete die Veranstaltungsleitung das Festival - passend zum Veranstaltungsort - mit dem Bergarbeitergruß "Glück Auf" und dem Lied "Noch nicht Schicht im Schacht". Zu Beginn des Musik- und Kulturblocks "Refugees are welcome" sprach Alassa Mfouapon, der im Kampf gegen seine angeordnete Abschiebung nach Kamerun viel Solidarität erfährt. 

"Positiv überrascht von den Bands"

Die Liste der auftretenden Bands kann sich sehen lassen und ist zugleich aus verschiedenen Musikstilen, aber auch inhaltlichen Anliegen hervorragend zusammengestellt. Das reicht von den afghanischen Künstler Shekib Mosadeq über Hop Stop Banda mit freudig-feurigem Soviet-Tango, Zumba-Vorführungen für Erwachsene und Kinder zum Mittanzen, die bekannten türkisch-sprachigen Gruppen Umuda Haykiris und Grup Yorum bis zu revolutionären Liedern der Bands Los Pueblos und Gehörwäsche.

 

Die einzelnen Blocks wurden jeweils durch Arbeiterlieder eingeleitet, um die fortschrittliche revolutionäre Kultur der Arbeiterbewegung bekannter zu machen. Heute Abend findet der Songcontest "Gib Antikommunismus keine Chance!" statt. Dazu passt, dass sich die Teilnehmer gegen die antikommunistischen Angriffe auf den Schirmherrn des Festivals, Stefan Engel, solidarisch erklärten.

 

Ein Zuhörer: "Was die Musik angeht, bin ich sehr positiv überrascht. Ich lerne gerade viele neue Bands kennen, die ich bisher nicht kannte. Da ist viel Interessantes dabei." 

Selbstorganisiert auf professionellem Niveau

Begeisternd waren nicht nur die Bands, sondern auch die organisatorische Leistung von vielfältigstem Essen, gewohnt sauberem Platz, fürsorglicher Backstage-Betreuung und vielem mehr. Der Gesundheitsschutz hat hohe Priorität, alle Teilnehmer sind oder werden getestet.

 

Auf dem ganzen Platz herrscht emsiges Treiben. Informationsstände verschiedener Initiativen und Organisationen tragen dazu bei, unter anderem von Trägerorganisationen des Internationalistischem Bündnisses, aber auch vielen anderen. Die Umweltgewerkschaft bot Impfberatung und eine Diskussionsrunde zur Kriminalisierung von Umweltkämpfern an. Der Freundeskreis Flüchtlingssolidarität in International Solidarität stellte sich vor, gewann neue Mitglieder und Interessenten für den Aufbau weiterer Gruppen.

 

Am Infopoint "Bildung und Ausbildung" konnte man sich über die spannende und anspruchsvolle Ausbildung in Großbetrieben informieren. Kinder konnten am Schraubstock ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben.

 

Und natürlich gab es die verschiedensten Essensspezialitäten: Nicht nur Thüringer Bratwürste und Grillhähnchen, sondern auch afrikanisches Essen, asiatische Frühlingsrollen, türkische Spezialitäten, Pizza und schwäbische Maultaschen. Drei Teilnehmer waren sich einig: "Wir finden die Stimmung sehr angenehm. Man kann mit vielen Leuten sprechen, über ernsthafte Fragen oder einfach auch nur so."

"Wo wäre die Menschheit ohne Träume?"

Natürlich gab es auch viele tiefgehende Diskussionen über aktuelle politische Fragen wie das NATO-Desaster in Afghanistan oder die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands. Genauso über die Notwendigkeit, international gemeinsam zu kämpfen. "United we stand - divided we fall", brachte es der Refrain eines Liedes des Freundeskreises Flüchtlingssolidarität auf den Punkt.

 

Heinz Ratz von "Strom und Wasser" betonte bei deren Auftritt, dass es heute besonders wichtig ist, Utopien zu haben: "Wo wäre die Menschheit, wenn sie nicht versucht hätte, ihre Träume wahr zu machen?" Sie befände sich womöglich noch "im Zeitalter der Neandertaler". Das passte sehr gut dazu, dass der revolutionäre Gedanke allgegenwärtig auf diesem Festival ist - wozu vor allem MLPD, REBELL und das Internationalistische Bündnis beitrugen. "Toll, wie ihr es schafft, Musik, Feiern und kommunistische Politik zusammenzubringen", so eine weitere Band.

Werbung in Gelsenkirchen-Buer

Heute Nachmittag warb ein Trupp von MLPD und REBELL in Gelsenkirchen-Buer dafür, noch zum Festival zu kommen. Einzelne überlegen, zu kommen. Der Mobilisierungseinsatz trug auch bei zum Straßenwahlkampf der Internationalistischen Liste / MLPD - als Kontrastprogramm zu den bürgerlichen Parteien, die heute ebenfalls in der Stadt auftreten.

 

Anna aus Göttingen, 22 Jahre, in Russland geboren: "Es ist ein bisschen nass hier, aber toll. Mit dem Wetter werden wir fertig. Wir haben ja unsere Plankenstraße gebaut und ich bin ganz stolz, daran mitgearbeitet zu haben. Und jetzt freue ich mich auf das weitere Programm."