Nachlese zum Wahlkampfauftakt
Im antikommunistischen Eifer: Laschet schießt (noch) ein Eigentor
Leider war es mir nicht möglich, am Wahlkampfauftakt in Hannover teilzunehmen. Umso mehr habe ich mich über die schnelle Berichterstattung in "Rote Fahne News" gefreut, insbesondere über die überzeugende Rede von Gabi Fechtner. Die Polemik darin zu Armin Laschet und zur verlogenen Theorie der „Ideologiefreiheit“ ist einfach köstlich und lehrreich.
Im Bericht heißt es u.a.: „Die verlogene Theorie von der `Ideologiefreiheit` habe derzeit Hochkonjunktur, so Gabi Fechtner. Dabei sei gerade der Wahlkampf hochideologisch, wie man an Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sieht, der kürzlich von sich gab: `Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt. … Wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will.'
Weltanschaulich mache Laschet eine so grottenschlechte Politik nicht etwa, weil er Katholik ist - religiöse Gefühle sind die Privatsache eines jeden -, sondern weil er ausdrücklich nicht vorhat, `wie ein Kommunist ... bis zu seinem Lebensende dringend` für eine bessere Welt zu kämpfen. Dabei geht es ihm weniger um das Leben nach dem Tod, als um eine Rechtfertigung dafür, die Machtverhältnisse des heutigen Monopolkapitalismus unberührt zu lassen. `Die kommunistische Freiheitsideologie ist kein Ideal des Paradies auf Erden, sondern ein wissenschaftlicher Plan, wie die Menschheit sich von Ausbeutung und Unterdrückung befreien und die Einheit von Mensch und Natur weltweit organisiert und höherentwickelt werden kann`, resümierte Gabi Fechtner“.
Armin Laschet hat im antikommunistischen Eifer zudem ein klassisches Eigentor geschossen. Als Landesvater sollte er eigentlich wissen, dass diese Vorstellung vom „Paradies auf Erden“ nicht von Kommunisten stammt, sondern von Heinrich Heine, dem großen fortschrittlichen Dichter, nach dem auch die Universität in Düsseldorf benannt ist. In seinem Gedicht "Ein Wintermärchen“ heißt es, wie auf Laschet zugeschnitten:
„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn’ auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.
Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich seyn,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.
Es wächst hienieden Brod genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrthen, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder“.