Brief aus Lesbos / Griechenland

Brief aus Lesbos / Griechenland

„Bitte seien Sie sehr vorsichtig, wem Sie Geld spenden“

Wir kommen aus Afghanistan und unser Herz blutet und unsere Seelen sind voller Schmerz. Wir hören jede Stunde mehr Horror-Geschichten von Familie und Freunden, die dort auf sehr schreckliche Weise leiden.

Von Flüchtlingen aus dem Lager Kara Tepe
„Bitte seien Sie sehr vorsichtig, wem Sie Geld spenden“
Flüchtlinge aus Kara Tepe helfen beim Recycling (foto: Solidarität International)

Am liebsten würden wir helfen. Aber das ist jetzt sehr sehr schwer und alle suchen nach Wegen, wie das möglich sein würde. Wir versuchen alles, um zu helfen.

 

Jetzt sehen wir viele Spendenaufrufe von so vielen NGOs und wir sind skeptisch, ob das der richtige Weg ist. In Afghanistan sahen wir viele von ihnen arbeiten, die nur mit großen Autos fahren und Geld verschwenden. Hier in Lesbos haben wir diesbezüglich auch schon viel Korruption gesehen

 

Haben sie sich in einer Woche verändert? Arbeiten sie jetzt anders? Wir haben unsere Zweifel. Auch Taliban, Pakistan und viele unserer ehemaligen korrupten Führer versuchen jetzt, Geld zu sammeln. Wir denken wieder, dass zu viele mit dem großen Elend unserer Völker einfach wieder Geld verdienen. Besonders betroffen sind unsere Frauen und Kinder, die am meisten leiden. Wir wissen, dass Sie helfen möchten und wir wissen viel zu schätzen, aber bitte seien Sie sehr vorsichtig, wem Sie Geld spenden. Es ist so traurig, einen solchen Beitrag zu schreiben, aber wir sehen es für notwendig an. Danke, dass ihr euch in ihren dunkelsten Stunden um afghanische Menschen kümmert.

 

Das erste Boot seit langer Zeit mit 23 Passagieren, Männern, Frauen und Kindern, alle afrikanischer Herkunft, kam am Morgen von der gegenüberliegenden Küste Kleinasiens in der Nähe des Flughafens von Mytilene an. Alle Neuankömmlinge wurden im Rahmen der Pandemieprävention in eine Quarantänestation ins Lager in Kara Tepe gebracht.