Hamburg
Würdevolles Gedenken an den Altonaer Blutsonntag
Zum 89. Mal jährte sich am 17. Juli der Altonaer Blutsonntag. Zur Gedenkfeier hatte die Hamburger Geschichts- und Kulturwerkstatt eingeladen, unterstützt durch Freunde und Genossen des MLPD Kreisverbands Hamburg-West, dem Frauenverband Courage, Gewerkschaftern aus IG Metall, ver.di und der Umweltgewerkschaft. Am 17. Juli 1932 organisierten die Faschisten eine gezielte Provokation mit ihrer Demonstration durch das rote Altona. Der tausendfache Protest dagegen wurde mit 18 Toten im Blut ertränkt! Nach massiver Zeugenbeeinflussung und Fälschung von Beweismitteln werden die Kommunisten August Lütgens, Karl Wolff, Walter Möller und Bruno Tesch wegen gemeinschaftlichen Mordes an zwei SA-Leuten angeklagt und zum Tode verurteilt. Erst 1992 beschließt das Landgericht Hamburg für die vier unschuldig Enthaupteten den Freispruch!
Mit Redebeiträgen, den Lebensläufen der ermordeten jungen Kommunisten, Liedern der Arbeiterbewegung mit der Gruppe „Zukunftsmusik“ wurde das Gedenken mit dem heute notwendigen Kampf gegen die Rechtsentwicklung verbunden. Jürgen Bader, Kreisvorsitzender der MLPD und Mitglied im Bündnisrat des Internationalistischen Bündnisses: „Wir fordern die Einstellung politischer Verfahren gegen Kommunistinnen und Kommunisten wegen ihrer Weltanschauung! Weg mit den ‚Gefährder‘-Kriminalisierungen von Stefan Engel und anderen; Wir fordern das Verbot aller faschistischen Organisationen sowie die strafrechtliche Verfolgung von Volksverhetzung!“
Wehret den Anfängen
Besonders beeindruckend war der Redebeitrag des früheren Harburger DGB-Vorsitzenden Detlef Baade lange Zeit auch Hafenbetriebsrat. Er berichtete - sozusagen als Zeitzeuge - von seinem Vater, Kommunist in Hamburg/Altona. Als Kind hörte er die Erzählungen seines Vaters. Da sein Vater zu dieser Zeit selbst im Polizeigefängnis gesessen hat, musste er die Ermordung der jungen Kommunisten mit erleben. Als wichtigste Lehre vermittelte er nicht nur seiner Familie: „Hätten wir es geschafft, dass Sozialdemokraten und Kommunisten wirklich zusammengearbeitet und gekämpft, dann wäre es möglich gewesen, den Faschismus zu verhindern“
Im Sinne der Einheitsfront wurde auch gegen die Nichtzulassung der DKP zur Bundestagskandidatur durch den Bundeswahlleiter protestiert.
„Mir leben eybik – wir sind da“
Der Tod von Esther Bejarano am 10. Juli hat viele Menschen tief berührt. In einem Nachruf wurde dieser unerschütterliche Frau, Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, Antifaschistin, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees … gedacht. Mit einer Gedenkminute und dem Lied „Wir leben ewig – wird sind da“ verabschiedeten sich die Teilnehmer der Gedenkfeier von Esther.
Die Gedenkfeier war angesichts der Urlaubszeit gut besucht und etliche interessierte Kolleginnen und Kollegen fanden zum ersten Mal den Weg zur Gedenkfeier und dem Gedenkstein. Mit dem Lied „Die Moorsoldaten“ endete das Gedenken.