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Bemerkenswerte Impfstoffentwicklung in Kuba

Kuba will dieses Jahr 100 Millionen Impfdosen Impfstoff gegen Covid-19 produzieren, möglichst alle Kubaner bis Mitte des Jahres impfen. Vielen neokolonial abhängigen Ländern soll der Impfstoff Kuba kostenlos oder sehr preisgünstig zur Verfügung gestellt werden.

Von dr
Bemerkenswerte Impfstoffentwicklung in Kuba
Kubanische Forscherinnen entwickeln Impfstoff (foto: lateinamerika heute)

Moderne Forschungs- und Produktionsstätten

Angesichts der Wirtschaftsblockade nach der erfolgreichen antiimperialistisch-demokratischen Revolution 1959 mit zunächst sozialistischer Richtung setzte das kubanische Volk alle Kräfte auf den Aufbau einer medizinischen Eigenversorgung. Kuba stellt erfolgreich acht von 11 Impfstoffen gegen 13 Infektionskrankheiten bei Kindern her. Seit 30 Jahren hat es technische Plattformen zur Impfstoffkonstruktion im Finlay-Institut und Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) in Havanna entwickelt. Basierend auf diesen Erfahrungen kann Kuba neue und sichere Impfstoffe schnell herstellen. Darüber hinaus entwickelte es in den 1980er Jahren das biotechnologische Produkt Interferon-Apha-2b für die wirksame Bekämpfung von Dengue-Fieber, Hepatitis B und C; aktuell wird es auch bei Covid-19 Infektionen erprobt.

Vier aussichtsreiche Impfstoffkandidaten gegen Covid-19

Der Impfstoff SOBERANA 01 („Souveränität 01“) besteht aus zwei verbundenen gentechnisch hergestellten Teilstücken des Spikeproteins, mit dem Covid-19 an die Zellen andockt. Zur Verstärkung der Impfantwort wird das Kombiprotein mit ungefährlichen Bestandteilen von Meningokokken (Erreger Hirnhautentzündung) und Aluminiumhydroxid versetzt. Dieser wissenschaftliche Ansatz unterscheidet sich deutlich von den bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen. Er ist aber nicht ungewöhnlich und wurde beispielsweise für Hepatitis B und Influenza-Impfstoffe gewählt. Im März werden Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit mit 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern begonnen. Bei SOBERANA 02 ist ein Spikeproteinstück an einen Tetanusimpfstoff als Trägermaterial gekoppelt. Als Adjuvans (Wirkverstärker) dient nur Aluminiumhydroxid. Bisherige Studien zeigten nach Gabe zweier Dosen eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit von 70-95 Prozent für beide Impfstoffe. Soberana 02 wird gerade an 150.000 Teilnehmern im Iran und in Kuba geprüft. Zwei weitere Impfstoffe in erster Erprobung sind „Abdala“ (kubanisches Gedicht des Nationalhelden José MartÍ) und „Mambisa“ (Kämpfer kubanischer Unabhängigkeitskriege). Abdala besteht aus zwei Abschnitten des Spikeproteins. Technische Basis ist ein selbst entwickelter Hepatitis B Impfstoff. 86 Prozent Antikörperbildung und sehr gute Verträglichkeit lassen hoffen. Mit gleicher Technik wird Mambisa in modifizierter Form zur nasalen Anwendung (Nasenspray) hergestellt.

Erster lateinamerikanischer Impfstoff gegen Covid-19

Produziert werden die Impfstoffe in den Laboren des staatlichen Pharmakonzerns BioCubaFarma, vom CIGB selbst sowie im nationalen Zentrum für Biopräparate (BioCen). Die beiden größten Produktionsstätten können jeweils 100.000 Dosen pro Tag bereit stellen. Als erster Kandidat soll SOBRANA 02 bei der Weltgesundheitsorganisation registriert werden. Ein großer Vorteil ist, dass die Impfstoffe nicht gekühlt werden müssen. Neben dem ALBA-Bündnis (13 Länder aus Lateinamerika und Karibik), Indien, Iran, Pakistan und Vietnam haben bis zu 40 Staaten Interesse an den Impfstoffen angemeldet.

Das kubanische Volk verteidigt selbstlose Hilfe

Das verschärfte US-Handelsembargo und die Blockade von Geldtransfers unter US-Präsident Trump haben dem Land in Verbindung mit der Corona-Pandemie massiv zugesetzt. Seit dem Zusammenbruch des bürokratischen Kapitalismus in der früheren Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten setzt die schon vorher bürokratisch-kapitalistische Führung ganz offen auf den kapitalistischen Weg. Das drückt sich insbesondere auch aus in der „Öffnung Kubas“ für die Zusammenarbeit mit verschiedenen imperialistischen Staaten. Dazu zählt auch die Entsendung von medizinischem Personal und Lehrern in die ganze Welt. Kubanische Ärzte und Pfleger arbeiten derzeit in 60 Ländern der Welt, was 2018 5,9 Milliarden Euro in die Staatskasse brachte bzw. Tauschgeschäfte mit Öl ermöglichte. Verstärkt werden Ärzte mit zig-fachen Gehältern und Privilegien für diese Einsätze gelockt.

 

Die Mehrheit des Volkes verteidigt aber die bisherige fortschrittliche, selbstlose Sozialpolitik mit 400.000 Ärzten in 164 Ländern, tritt für internationale Solidarität ein und verwahrt sich gegen die Erpressungspolitik des US-Imperialismus. Das drückt sich auch in der Namensgebung für die Impfstoffe aus.

Hände weg von Kuba!

Im antiimperialistischen Kampf von ICOR und ILPS für Impfstoffe weltweit ist das kubanische Volk ein wichtiger Bündnispartner. Jegliche imperialistische Einmischung in Kuba muss zurückgewiesen werden. Darüber hinaus kann es durch die enge Zusammenarbeit und im Vertrauen auf die eigene Kraft Lehren aus dem Verrat am sozialistischen Weg der nationalen Befreiung ziehen. Mit dem Aufbau einer marxistisch-leninistischen Partei ist ein neuer Aufschwung des Kampfes für den echten Sozialismus möglich.