Solidarität International

Solidarität International

Einige kritische Fragen an Journalisten

In einer Pressemitteilung schreibt Marlies Schumann, Sprecherin von Solidarität International Emscher-Lippe: "Naturgemäß sind normalerweise Sie es, die (kritische) Fragen stellen. Erlauben Sie uns ausnahmsweise, dass wir heute einige (kritische) Fragen an Sie stellen!"

SI Emscher-Lippe
Einige kritische Fragen an Journalisten
Tägliche Verteilaktion im Lager Kara Tepe auf Lesbos (Foto: Solidarität International)

Seit einigen Monaten informieren wir Sie vielfältig über die Ereignisse in Moria/Kara Tepe. Durchaus viele von Ihnen haben sich an uns gewendet – doch noch niemand interessierte sich wirklich für den direkten Kontakt zu denjenigen, die uns inzwischen fast täglich aus Kara Tepe informieren, uns authentische Berichte und beeindruckende Fotos schicken.

Daher unsere Fragen an Sie:

  • Warum werden als Gewährsleute der Berichterstattung über Kara Tepe in der Regel nur NGO-Vertreterinnen und -Vertreter interviewt? Und das, obwohl an die 3 Milliarden Euro der EU für Moria/Kara Tepe bei NGOs versickert sind? Zweifellos gibt es engagierte Leute, ehrliche NGOs – aber das System NGOs ist inzwischen zu einer Gelddruckmaschine mutiert und fungiert als Netz und doppelter Boden für in Misskredit geratene staatliche Politik.
  • Warum kommen die Flüchtlinge hauptsächlich als Leidende zu Wort? Natürlich leiden sie! Doch nicht nur das. Sie kämpfen auch, sie sichern das Überleben ihrer Gemeinschaft unter katastrophalen Bedingungen; sie lernen ...
  • und lehren; sie fotografieren; sie schreiben und nicht zuletzt: sie organisieren. Sie organisieren sich in der Selbsthilfe als Elektriker, als Lehrer, als Umweltschützer, als Security, als Stadtreinigung, als solidarische Helfer für die arme Bevölkerung auf der Insel.
  • Warum werden die Zustände meist als unerklärlich dargestellt? Die ganze Katastrophe ist keineswegs unerklärlich. Sie bringt Unfähigkeit zum Ausdruck, vor allem aber den bewussten Willen der EU, abzuschrecken und abzuschotten. Kara Tepe ist die Blaupause für das, was die flüchtlingspolitischen EU-Gesetzesvorlagen planen.

 

Wir möchten Sie deshalb erneut einladen, über uns direkten Kontakt aufzunehmen zu diesen unermüdlichen Pionieren des Überlebenskampfes und Botschaftern der Solidarität. Sie haben es verdient, mit ihren Botschaften und Überzeugungen gehört zu werden!