Lesbos

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Winterkatastrophe mit Ansage in Kara Tepe

Jordanis Georgiou berichtet vom Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos.

Korrespondenz
Winterkatastrophe mit Ansage in Kara Tepe
Schnee auf den Straßen von Lesbos und im Flüchtlingslager keine Heizungen (Foto: Solidarität International)

Die Temperaturen nachts nähern sich inzwischen in Lesbos dem Nullpunkt und noch immer gibt es keine Heizungen in den Zelten, von denen viele Sommerzelte sind. Nun, Heizungen stehen zur Verfügung: In Athen liegen hunderte herum, die Österreich geschickt hat, und hier auf der Insel über 1.000.


Nur, die in Athen haben 3.500 Watt, die auf der Insel 1.000. Das lokale Stromnetz hält es nicht aus, derart auf einmal überlastet zu werden und außerdem ist es irgendwie furchtbar kompliziert, Verträge mit dem lokalen Stromanbieter abzuschließen. Ähnlich ist es mit Wasser, das ja theoretisch zur Verfügung steht, aber nicht angeschlossen wird, weshalb für viel Geld Tanklaster täglich Wasser heranschaffen.

 

Also braucht es Generatoren im Camp. Um tausend 1.000-Watt-Heizer auf einmal zu betreiben, bräuchte man also einen Generator mit mindestens 1000 Kilowattstunden. Dazu kommen noch alle anderen Stromquellen im Camp. So ein Generator steht allerdings bislang nicht zur Verfügung, weil es offenbar unglaublich kompliziert ist, in drei Monaten zusätzlich so ein Ding zu beschaffen und anzuschließen. Bis jetzt stehen dem ganzen Camp drei kleinere Generatoren mit zusammen weniger als 1.000 Kilowattstunden zur Verfügung und deshalb müssen die Leute jetzt bitterlich frieren. Welcome to Europe!

 

Es schneit nun, wie vom Wetterbericht seit Tagen vorhergesagt. Keine Heizungen in den Zelten, viele davon sind Sommerzelte. Keine Drainage. Die Bewohner werden in eine solche Situation gebracht und jeder wusste, dass der Winter kommen wird. Es ist eine solche Katastrophe, uns fehlen die Worte.