Lesbos / Gelsenkirchen

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Friede auf Erden - ein griechisch-deutscher Briefwechsel

Nach herzlichen Weihnachtsgrüßen aus Lesbos schrieb Monika Gärtner-Engel ihre Weihnachtsbotschaft an Michalis Aivaliotis, der sich unermüdlich engagiert, damit der Solidaritätspakt zwischen Solidarität International und der Selbstorganisation auf Lesbos lebt. Michalis kennt Monika Gärtner-Engel als Internationalismusverantwortliche der MLPD und ICOR-Hauptkoordinatorin.

Von Michalis Aivaliotis / Monika Gärtner-Engel
Friede auf Erden - ein griechisch-deutscher Briefwechsel
Griechische Kinder bekamen auch Geschenke (Foto: Solidarität International)

"Liebe Freunde", so Monika Gärtner-Engel in ihrem Weihnachtsgruß, "ich schreibe bewusst 'Weihnachtsgrüße nach Lesbos', weil unsere Grüße neben allen Flüchtlingen herzlich auch an alle griechischen Menschen auf Lesbos gehen. Ich erinnere mich, wie ich als Kind an Weihnachten mit meinen Eltern in der Kirche war und der Pfarrer sagte, die Weihnachtsbotschaft ist: 'Friede auf Erden!' Das fand ich sehr schön. Später habe ich gelernt, dass es in Wirklichkeit gar keinen Frieden auf Erden gibt.

"'Friede den Hütten' heißt heute unsere länderübergreifende Solidarität"

Deshalb wurde meine Losung die der Revolutionäre: Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Friede den Hütten heißt heute unsere länderübergreifende Solidarität, unser Zusammenhalt, unser gemeinsames Lernen und Kämpfen. Krieg den Palästen heißt heute gegen die Frontex, gegen die menschenverachtende Politik der EU, gegen den Imperialismus gemeinsam zu kämpfen. Weit über die alltägliche Hilfe hinaus ist deshalb eure und unsere Selbstorganisation so wichtig, weil sie das Vertrauen in die eigene Kraft stärkt und zeigt, was in uns allen steckt, wenn wir gemeinsam und organisiert vorgehen. Eure Weihnachtsaktion für die Kinder ist rührend und begeisternd. Berichtet uns näheres darüber, wie ihr das organisiert habt!

 

Fröhliche Weihnachten!
Eure Monika Gärtner-Engel"

"Große Veränderungen kommen von einfachen Menschen wie mir und dir"

 

Michalis Aivaliotis antwortete am Neujahrstag, seinem Geburtstag:

 

Liebe Monika, ich danke Dir für Deinen Brief und wünsche Dir ein frohes neues Jahr und sende die besten Grüße vom Stand by me Lesvos-Team und den Flüchtlingsteams im Camp. Die Weihnachtsbotschaft "Friede auf Erden" ist immer noch wichtig, denn viele Menschen leiden und sind unglücklich. Der Kampf gegen die, die Kriege wollen und Kriege führen, muss täglich geführt werden, und auch die Solidarität zu den Menschen ist notwendig. Denn ich sage immer: 'Die Entfernung von unserem komfortablen Haus zu einem Flüchtlingslager ist nicht groß, es reicht eine Bombe oder ein Erdbeben.'

 

Was ich aus der Geschichte und aus meiner Erfahrung gelernt habe, ist, dass die großen Veränderungen nicht von reichen Menschen in hohen Positionen und Politikern kommen, sondern von einfachen, normalen Menschen wie mir und dir. Im Camp verhalten sich die Manager wie die Leiter eines Gefängnisses, d.h. keine Verantwortung, keine Stimme für die Flüchtlinge, dafür vertrauen sie auf und betteln bei den NGOs, die sich wie die Besitzer des Camps verhalten und die Situation nutzen, um selbst viel Geld zu verdienen.

 

Wir haben hart an zwei Wegen gearbeitet, einerseits, indem wir die Flüchtlinge dazu zu bringen, aktiv zu werden und sich selbst zu organisieren, um ihre Probleme zu lösen und nicht um Menschlichkeit zu betteln, weil das das Minimum ist, was sie anbieten können. Der zweite Weg ist, die Manager zu verändern, die den Flüchtlingen und ihren Bedürfnissen vertrauen und zuhören müssen. Wir sind stolz darauf, dass es jetzt Teams von Flüchtlingen gibt, die jeden Tag hart arbeiten, um zu putzen, zu recyceln, die Elektrik zu reparieren und vieles mehr, und die von uns nur die Materialien für ihre Arbeit möchten. Die Botschaft ist so klar: Es gibt keine Lösungen, die die Flüchtlinge nicht einbeziehen.

 

Du fragst, wie wir die größte Verteilung von Weihnachtsgeschenken im Camp geschafft haben. Zuerst fragten einige deutsche Freunde, ob wir das organisieren können und wir antworteten, natürlich nicht wir, sondern die Flüchtlinge selbst. Wir haben nur die Logistik gemacht, wie z.B. die Bestellungen, das Packen der LKWs und die Miete des Lagers. Wir gaben die Listen der Kinder unterschieden nach Gruppe, Alter und Geschlecht und sie gingen von Zelt zu Zelt und übergaben sie. Das war toll und gab den Kindern ein Lächeln und Freude.

 

Wir müssen viel mehr tun und dumme NGO's, die sich im Lager wie Kolonialisten aufführen, müssen rausgeschmissen werden und die Flüchtlinge müssen mehr Verantwortung und Maßnahmen übernehmen. Für das neue Jahr haben wir uns hohe Ziele für das Camp gesetzt: Mehr Bildung, mehr Reinigung und Umweltmanagement und natürlich mehr Teamförderung und Unterstützung.

 

Nichts davon wird ohne die Unterstützung von europäischen Freunden wie Euch gelingen. Das ist der Grund, warum wir die Dankesbotschaft an jedes Mitglied Eurer Organisation weitergeben und allen die Hand schütteln wollen, weil wir beweisen, dass es keine Millionen braucht, sondern nur richtiges Handeln und etwas Geld für Grundbedürfnisse, nicht für Gehälter. Weil es die wunderbaren Menschen eurer Organisation gibt, bin ich sicher, dass das Jahr, das gerade begonnen hat, besser sein wird.

 

Michael Aivaliotis"

 

Rote Fahne Redaktion: Hier die schönen Fotos von der Verteilung der Weihnachtsgeschenke im Camp Kara Tepe und im Nachbardorf auf Lesbos