Lesbos

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Flüchtlinge schreiben an Frau von der Leyen

Aus der Antwort des Bundesinnenministeriums (BMI) vom 7. Dezember 2020 auf eine Kleine Anfrage der GRÜNEN-Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg geht hervor, dass die Bundesregierung die Auffassung vertritt, das Zeltlager Mavrovouni (Moria 2.0) sei mit winterfesten Zelten ausgestattet; auch die Einhaltung von COVID-19-Schutzmaßnahmen erscheine der Bundesregierung nach aktuellem Kenntnisstand als „überwiegend möglich“.

Flüchtlinge schreiben an Frau von der Leyen
Wenn es regnet, wird alles nass - von wegen winterfest! (Foto: Solidarität international)

Hallo Herr Seehofer, dann können Sie sich ja nach Ihrem überfälligen Rücktritt auf den Weg nach Lesbos machen und wenigstens ein paar Tage in einem solchen "winterfesten Zelt" ausharren und statt einer warmen Dusche ein Bad im inzwischen kühlen erfrischenden salzigen Meer nehmen!

 

Mit einem offenen Brief wandten sich die Flüchtlinge aus dem neuen Flüchtlingslager auf Lesbos kurz vor Weihnachten an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU):

 

"Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest aus dem neuen Flüchtlingslager auf Lesbos. Wir hoffen, dass Sie trotz der Schwierigkeiten, die wir alle aufgrund der Corona-Pandemie haben, schöne Feiertage haben werden. Wir sind vor drei Monaten, nachdem das alte Camp in Moria niedergebrannt ist, in ein neues Lager umgezogen und leben hier mit 7000 Flüchtlingen. Im September wurden uns bessere Bedingungen im neuen Lager versprochen und wir haben diese Versprechen gerne gehört und darauf gewartet, dass sie erfüllt werden.

 

Leider ist seitdem nicht wirklich etwas passiert. Noch immer warten wir auf genügend warme Duschen. Wenn es regnet, wird das Lager überflutet und Zelte werden nass. Wir haben keine Heizungen, die uns und unsere Kinder warm halten, keine Schulen oder Kindergärten. Wenn wir krank werden, warten wir stundenlang auf medizinische Behandlung, und das Essen, das wir bekommen, ist zwar ausreichend, aber nicht gesund. Auch wurde uns versprochen, dass unsere Asylverfahren endlich beschleunigt würden, aber immer noch warten zu viele von uns, einige seit mehr als einem Jahr, auf ihre Interviews. ...

 

Viele von uns sind Ingenieure, Elektriker, Ärzte und wir wissen, dass es nicht sehr viel Geld braucht, um ein solches Lager instand zu setzen. ... Wir sind bereit, uns selbst zu helfen und hart zu arbeiten, wenn man uns nur lässt und vertraut, dass wir diesen Ort besser machen können. Wir haben es in der Vergangenheit bewiesen und auch jetzt wird die meiste Arbeit hier entweder von Flüchtlingen, die ehrenamtlich für NGOs arbeiten, oder von Selbsthilfeorganisationen der Flüchtlinge geleistet. Wir wollten immer zeigen, dass das Bild, das viele Menschen von uns haben, falsch ist: Wir sind nach Europa gekommen, um Asyl zu beantragen und um Bürgerinnen und Bürger und nützliche Mitglieder Ihrer Gesellschaften zu werden. Wir betrachten dieses Lager als unser Lager und wir wollen die Unterstützung haben, es zu reparieren."

 

Der Brief wurde auf medico international veröffentlicht