Lesbos
Das neue Camp Kara Tepe versinkt im Schlamm
Aus dem neuen Flüchtlingslager Camp Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos erreichte uns ein neuer Bericht.
Hallo Politiker der EU, seht her! Das neue Camp Kara Tepe versinkt im Schlamm. Ein Regenguss reicht aus, um alles zu überfluten. 7.714 Asylbewerber leben in dem Lager und versanken im Schlamm. Wir haben vor diesem Ort gewarnt. Statt nach dem Brand die Menschen ordentlich unterzubringen, wurde hastig ein Lager aufgebaut, das ungeeignet ist. Der Schlamm ist inzwischen ausgetrocknet, aber wir steuern auf den Winter zu und der Regen und die Kälte stehen vor der Haustür.
Seit Monaten arbeiten die Moria-Weißhelme (Selbstorganisation) mit der lokalen Firma Agritellis zusammen, um den Müll (und die Wasserflaschen) zusammenzubekommen. Sobald der Regen vorbei war, haben sie zunächst mit ihren Händen, mit einfachen Werkzeugen, und ein paar Tagen später mit Baggern das Chaos beseitigt, das der Schlamm und das Wasser hinterlassen haben. Es wurden Gräben geschaufelt und eine Entwässerung ins Meer geschaffen.
Ein Aktivist von den Weißhelmen sagte auf der letzten Versammlung der Selbstorganisationen, die wöchentlich stattfinden: „Wenn Griechen und Flüchtlinge zusammenarbeiten, finden sie immer Lösungen. Daran glaube ich tief, und das beweisen wir täglich und das macht uns alle stark.“
Die griechische Regierung sagte anfänglich, dass dieses Lager nur für sechs Monate bestehe; inzwischen sprechen sie vom Sommer 2021. Sie haben auch ein neues Grundstück. Das neue EU-Lager soll neben der Deponie innerhalb der Verwaltungsgrenzen der Gemeinde Mytilene aufgebaut werden. Sie versuchen alle Schritte zu verheimlichen. Immer wieder tauchen Führungskräfte der EU und der griechischen Regierung auf und schauen sich verschiedene Plätze an. Diese Geheimniskrämerei hat den Hintergrund, dass Arbeiterverbände und jetzt der Verwaltungsrat von ELME (Verband der Lehrer) auf Lesbos entschieden haben, sich an den Streiks in Griechenland am 15.10. zu beteiligen. Eine wichtige Forderung dabei war „Kein Sammellager für Flüchtlinge! Menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge in ganz Europa!
Die letzte antifaschistische Demonstration in Mytilene war ein voller Erfolg. Die Antifaschisten zeigten mit ihrer Losung „Faschisten einsperren, Solidarität mit den Flüchtlingen" ihre Verbundheit mit den Flüchtlingen.
Die Freitagsaktionen der Flüchtlinge, unter Anweisung der Bürgermeister der Kommunen verschiedene kommunale Arbeiten zu unterstützen, gehen der Regierung in Athen zu weit. Sie fürchten, dass sich damit der Schulterschluss zwischen den Flüchtlingen und der griechischen Bevölkerung intensiviert. Das ist die wirkliche Ursache, dass die Regierung eine General-Quarantäne für das ganze Camp auf unbefristete Zeit durchführen will. Scheinheilig behaupten sie, es bestehe eine große Gefahr der Ausbreitung des Coronavirus.