Corona
Internationale Zuspitzung der Pandemie
Die Zahl der neu gemeldeten Infektionen mit Covid-19 pro Tag ist in Deutschland erneut gestiegen. Sie lag am 7. September 2020 knapp unter 1900. Von einer Entwarnung kann also keine Rede sein.
In einigen Länder Europas, so in Frankreich, gibt es einen Übergang von der relativ kontrollierten in eine unkontrollierte Entfaltung der Pandemie; in Deutschland nehmen die Neuinfektionen bereits wieder zu, relativ breitflächig. Der Schwerpunkt der Neuinfektionen lag zuletzt bei jungen Erwachsenen und Reiserückkehrern. In dieser Situation die kostenlosen Tests abschaffen zu wollen, Menschen tagelang auf ihre Testergebnisse warten zu lassen wie in Bayern und Großveranstaltungen in Erwägung zu ziehen, ist ein absolutes Unding. Über die USA kam jetzt heraus, dass der faschistoide Präsident die ganze Zeit gelogen hat. "Ich wollte das bewusst herunterspielen", sagt er schamlos.
Keine ausreichenden Daten über die Dunkelziffer
Weltweit gibt es keine ausreichenden Daten über die Dunkelziffer. In den RKI-Studien wurden bisher anhand der Antikörper-Studien an einzelnen Orten nachgewiesen, dass sich vier Mal so viele infiziert hatten wie durch Abstrich-Tests nachgewiesen. Nur 16% der Antikörper-Positiven waren symptomlos. Die Datenlage ist weiterhin sowohl beim RKI wie weltweit auf niedrigem wissenschaftlichen Niveau. Die Daten der Infizierten und Verstorbenen werden nicht auf die Einwohnerzahl und Anzahl der Tests umgerechnet, die Zahl der Genesenen wird einfach geschätzt und dabei ein hoher Anteil an chronischen Verläufen und Folgeerkrankungen von Covid-19 ignoriert. Dabei wird durch eine wachsende Zahl an Publikationen und auch Berichten in den Medien die Analyse der Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis, dass Covid-19 in vielen Fällen eine Systemerkrankung mit chronischem Verlauf ist, bestätigt. Vom Robert-Koch-Institut muss gefordert werden, dass es umgehend eine Datenbank unter Erfassung aller Folgekrankheiten aufbaut.
Höchster Anstieg derzeit in Indien
Eine Verlagerung des weltweiten Epizentrums der Pandemie nach Indien bahnt sich an: Die offizielle Zahl der registrierten Fälle hat zur Zeit in Indien den höchsten täglichen Anstieg: +50114. Das sind 1,15% bezogen auf die Gesamtzahl der in Indien Infizierten: 4,42 Millionen. Zum Vergleich: USA: täglicher Anstieg 7125= 0,11%, weltweit 105171=0,38%. Indien hat Brasilien überholt und ist jetzt auf Platz 2 hinter den USA. Während in mehreren Ländern die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle momentan rückläufig oder stabil ist, stiegen die Zahlen in den letzten zwei Wochen deutlich an in Indien, Spanien, Argentinien, UK, Frankreich, Türkei, Italien, Irak, Indonesien, Israel, VAE, Marokko, Weißrussland, Portugal, Venezuela, Schweiz.
Nach den USA und Brasilien ist Indien am schlimmsten betroffen. Trotz dieser Entwicklung hat die Regierung von Narandra Modi eine „Unlock 4“ genannte Phase ab dem 1. September beschlossen, in der öffentlicher Nahverkehr, Hotels und Restaurants sowie Einkaufszentren und Sportanlagen wieder vollständig geöffnet werden. Die ICOR-Organisation CPI(ML) Red Star forderte Anfang August, innerhalb von zwei Wochen mindestens 10 Prozent der Bevölkerung zu testen. Sie schreibt: "Während Milliarden von Rupien für das Militär und als Anreize für Unternehmen ausgegeben werden, werden keine Mittel für die medizinische Versorgung und Hilfe für Menschen in Not aufgrund der anhaltenden Abriegelungen und Beschränkungen bereitgestellt. ... Die CPL(ML) Red Star ruft die Bevölkerung auf, die volksfeindliche Politik von Modi aufzudecken und sich ihr zu widersetzen und sich für Gesundheitsschutz und weitere Verbesserungen einzusetzen, darunter Bereitstellung von 45 Kilogramm Nahrungsmittelgetreide als kostenlose Ration für alle Familien."
Mit dem fast zeitgleichen Einbrechen der Pandemie in das völlig überfüllte Flüchtlingslager Moria und den Großbrand dort stellt sich jetzt die Kampfforderung nach der Auflösung aller dieser schändlichen Flüchtlingslager, Asyl, gemeindenahe Unterbringung und sofortige medizinische Versorgung. Der Kampf gegen die Rechtsentwicklung der Regierungen und die faschistischen Umtriebe ist unabdingbar für die Bekämpfung der Pandemie.
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Brutale Polizeigewalt gegen Proteste in Peru
In Peru ist die Zahl der Neuinfektionen im August wieder auf dem Niveau von März 2020. Durch drastische Maßnahmen wie Grenzschließungen und Ausgangsbeschränkungen war die Zahl der Infektionen im Frühjahr einigermaßen unter Kontrolle gebracht worden. Das ändert sich seit Anfang Juli wieder. Ein großer Teil der Bevölkerung, schätzungsweise 70 Prozent, verdient den Lebensunterhalt als Tagelöhner oder ähnliches. Das Gesundheitssystem hält den Belastungen nicht stand. Im Nordosten Perus haben indigene Einwohner Anfang August ihrem wütenden Protest gegen ausländische Ölkonzerne, darunter den kanadischen PetroBal, Luft gemacht. Mit brutaler Polizeigewalt ging der peruanische Staatsapparat gegen den Protest vor; drei Menschen wurden getötet. Die indigene Bevölkerung, die anfangs von der Pandemie weniger betroffen war, was sich inzwischen sehr geändert hat, geht von einer Ansteckungsgefahr durch die Aktivitäten der Ölkonzerne aus.
Krisenmanagement versagt
Was die kapitalistische Wirtschaft ankurbeln könnte, lässt die Corona-Infektionen hochschnellen. Was die Corona-Infektionen wirksam eindämmt, hemmt die kapitalistische Profitwirtschaft. "Und dieses Problem betrifft alle Länder, egal welche konkrete Regierungsmethode sie zurzeit wählen", so die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner im Interview mit der Roten Fahne im August 2020.
Die vielgepriesene Corona-Warn-App hat sich bisher als Flop erwiesen. Nicht einmal 50% der als kritische Masse notwendigen Bürger hat sie heruntergeladen. Genutzt wird sie noch viel weniger und nur ein Bruchteil von Nutzen, die positiv getestet sind, meldet das auch anderen Nutzern.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres ist der Meinung, der "Klimawandel" sei viel schlimmer als die Corona-Pandemie. Er ignoriert, dass Corona-Krise und Umweltkrise nicht einfach zwei Paar Stiefel sind, sondern sich mit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und auch untereinander verbinden. Angefangen vom Mangel an sauberem Wasser und gesunder Ernährung, Massentierhaltung und Megacities bis hin zur Umweltvergiftung und Zerstörung der Artenvielfalt sind Pandemien ein Ausbund der Umweltkrise und der menschenverachtenden Profitwirtschaft.