Griechenland
Flüchtlingslager Moria brennt
Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos (Griechenland) ist in der vergangenen Nacht in Flammen aufgegangen. Nach übereinstimmenden Berichten brachen verschiedene Feuer innerhalb des Lager aus.
Wie Rote Fahne News mittlerweile erfuhr, handelt es sich um Brandstiftung. Das Feuer brach in der Isolierstation aus, in der die Corona-Infizierten untergebracht worden waren. Nach aktuellem Stand handelt es sich wohl um eine Verzweifelungstat der eingesperrten Menschen. Wie Michalis Aiwaliotis, Partner des Solidaritätspakts zwischen der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International und der Organisation OXI, die aus Einheimischen besteht, die den Flüchtlingen im Lager helfen, berichtet, hätten sie schon vor Tagen davor gewarnt, die infizierten Menschen ohne jede medizinische Hilfe einfach nur zu isolieren. 30 Prozent des Lagers sind zerstört. Die Isolierstation ist laut Michalis Aiwaliotis völlig verbrannt. Es sehe aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Auch diverse Wohncontainer brannten, weshalb die Evakuierung des Lagers durch die Behörden angeordnet wurde. Viele der Flüchtlinge des Lagers hatten bereits von selbst versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Über Tote und Verletzte ist bisher nichts bekannt.
Die örtliche Feuerwehr kämpfte zusammen mit freiwilligen Helfern stundenlang gegen das Feuer, das von Winden bis zu 60 km/h Windgeschwindigkeit angefacht wurde. Nach übereinstimmenden Berichten ist das Feuer mittlerweile unter Kontrolle.
Aktuell überwacht die Polizei 12.000 Migrantinnen und Migranten aus dem Lager auf einer nahe gelegenen Autobahn. Nach Behördenangaben ist völlig unklar, wo die Menschen, von denen einige mit Corona infiziert sind, jetzt unterkommen sollen. Die Lage ist aktuell chaotisch. Michalis Aiwaliotis schätzt es so ein, dass die Behörden die Flüchtlinge vermutlich nicht aufs Festland verlegen, sondern in das ausgebrannte Lager zurückbringen werden.
Erst gestern hatte Rote Fahne News über die unhaltbaren Zustände und die zunehmende Zahl von Corona-Kranken im Lager berichtet (Mehr dazu hier) Dazu erreichte die Redaktion das Statement eines der Teams der Selbstorganisation des Lagers: „Zur Zeit werden wir von vielen Journalisten, Freunden und Unterstützern gefragt, ob wir trotz des Lockdowns weiterhin in Moria arbeiten können, nachdem sie einen ersten Corona-Fall gefunden haben. Natürlich können wir das, weil wir nur mit Flüchtlings-Selbstorganisationen zusammenarbeiten, die innerhalb des Camps leben und arbeiten, das trotz allem ihr Camp ist. Und sie organisieren sich intensiver und setzen alles fort, was möglich ist, um das Virus zu bekämpfen. Was auch immer passiert, unsere Strukturen funktionieren und wir wussten das schon ab Frühjahr, als wir begonnen haben, solche Strukturen zu gründen. Zum Glück sehen jetzt immer mehr Menschen, wie wichtig diese Form der Selbstorganisation gerade in Krisenzeiten ist wie die, in der wir jetzt wieder in Lesbos sind.“
Der Wille, die Kämpfe gegen die Zustände und gegen die Ausbreitung von Corona im Lager weiter zu führen war also gegeben.
Rote Fahne News wird weiter berichten.
Kundgebung vor der Horster Mitte in Gelsenkirchen und in der Innenstadt
Um 11.45 Uhr werden vor der Horster Mitte in Gelsenkirchen und um 12.05 Uhr vor dem Hans-Sachs-Haus in der Gelsenkirchener Innenstadt Solidaritätskundgebungen mit den vom Brand im Camp Moria Betroffenen stattfinden.
Hier geht es zu einem Video, das einen Teil der Zerstörung zeigt!